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Doppel-CD „Kreuzweg”


Als gemeinsames Projekt der Abtei Dormitio und der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien ist 2009 eine neue CD entstanden.

Die Stiftsorganistin der Schottenabtei, Zuzana M. Magdalena Ferjenčíková, spielt auf der großen Mathis-Orgel der Schottenbasilika den „Chemin de la Croix“ von Marcel Dupré. Die einzelnen Stationen erklingen dabei im Dialog mit Gregorianischen Gesängen der Schola der Abtei Dormitio.

Das umfangreiche Mediabook (CD-Buch), in dem diese Doppel-CD erscheint, möchte nicht nur Hilfen zum Verständnis der Musik und der Texte anbieten, sondern die Hörenden vor allem in die geistliche Tiefe der Musik führen. Die Aufnahme und das Buch verstehen sich so als Einladung zu einem hörenden Eintreten in das Geheimnis des Leidens des Herrn, und zu einem betenden Mitvollzug seines Kreuzweges.

Zuzana M. Maria Ferjenčíková, geboren 1978 (Slowakei). Studien bei: J. V. Michalko (Bratislava), P. Planyavsky (Wien), Jean Guillou (Paris). 2000-2008 Professorin für Orgel und Orgelimprovisation an der Hochschule für Musik in Bratislava. Seit 2006 Stiftsorganistin der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien – künstlerische Leitung des Internationalen Orgelfestivals „Dialogues Mystiques“.
1. Preise: Internationaler Wettbewerb für Organisten Opava 1996, Internationaler Orgelwettbewerb Brünn 1997, Internationaler Orgelwettbewerb „PremioValentino Bucchi“ Rom 2003, Internationaler Orgelimprovisationwettbewerb in Haarlem, Niederlande 2004.

Zum „Kreuzweg“ von Marcel Dupré

Marcel Dupré (1886-1971), anerkannter Komponist der geistlichen katholischen Orgelmusik und bekanntester Orgelvirtuose Europas, schreibt in seinen Erinnerungen: „… in Brüssel wurde die Idee zu einem meiner Hauptwerke geboren, zum Chemin de la Croix. Ein Konzert besonderer Art war dort im Konservatorium veranstaltet worden; sein zweiter Teil umfaßte nach einem kurzen Bach-Vortrag auf der schönen Cavaillé-Coll-Orgel den Chemin de la Croix von Paul Claudel; er wurde von Madame Renaud-Thévent … gelesen, während ich nach jeder Station eine musikalische Ausdeutung improvisierte. Das war in der Fastenzeit, am 13. Februar 1931.“

Das Publikum war so begeistert, dass man Dupré „zwang“, die Improvisationen nachträglich aus dem Gedächtnis aufzuschreiben. Ein Jahr später wurde der Kreuzweg in Paris uraufgeführt. Dieses Stück gehört wohl zum Schönsten, das in der Geschichte der Musik je zum Thema „Passion Christi“ komponiert worden ist. Mehr noch: es vergegenwärtigt beinahe das Leid Christi, seine Angst, seine Wunden, seine Liebe zu den Menschen und ihre Hoffnung. Es läßt den Zuhörer durch die Berührung aller Sinne die Bilder der Kreuzwegstationen innerlich miterleben und sie glauben.

Zuzana M. Maria Ferjenčíková

Aus der „Geistlichen Einführung“ zur CD

„Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14,27)

Schon in früher Zeit sind christliche Pilger ins Heilige Land gezogen, um die Orte des Lebens und Wirkens Jesu aufzusuchen und dort zu beten. Einige dieser Stätten sind historisch glaubwürdig belegt, andere wurden sicher „pilgergerecht“ arrangiert. Die Frage nach der Stimmigkeit dieser heiligen Stätten darf sich allerdings, so meine ich, nicht nur an geschichtlich gesicherten Fakten bemessen. Es geht nicht allein darum, die Ereignisse des Lebens Jesu topographisch zu bestimmen, sondern vielmehr, den Menschen Orte zu geben, wo sie in das Leben Jesu selbst eintreten, die Güte und das Heil seines Handelns am eigenen Leben erfahren können. ...

Meist gilt die Kreuzwegandacht als ein Phänomen der „Volksfrömmigkeit“. Im guten Sinne ist sie das auch, dennoch es geht um mehr. „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“, sagt der Herr. Für jede und jeden von uns ist er den Weg nach Golgotha gegangen, und so sind wir alle gerufen, mit ihm zu gehen, selbst einzutreten in dieses Geschehen, das nicht einfach zweitausend Jahre zurückliegt, sondern für die Glaubenden aller Zeiten eine gleichermaßen gültige Wirklichkeit ist. Wer sich auf diesen Weg macht, sei es auf dem Schulhof der Omarija-Schule in Jerusalem, wo einst das Prätorium des Pilatus gelegen haben soll, oder wo auch immer in der Welt, vollzieht damit nicht irgendeine äußerliche Frömmigkeitsübung, sondern gibt sich mit seinem Beten hinein in eine Wirklichkeit, die ihn überschreitet, die von Gott her auf ihn zukommt.

Im Besonderen geschieht das in der Musik: Wenn wir sie hören, sind wir immer schon mitten darin, nicht einfach ihr gegenüber. Sie entfaltet sich nicht allein im Raum, sondern vor allem auch in der Zeit. Zu einem Bild oder einer Skulptur können wir den Bezug aufheben, indem wir uns abwenden oder die Augen schließen. Der Musik aber können wir uns nur entziehen, wenn wir den Raum verlassen oder die Zeit meiden, wo sie erklingt. So nimmt uns auch der Kreuzweg von Marcel Dupré von sich her hinein in das Geheimnis, dem er Ausdruck geben will, und schreitet den Weg mit uns ab. Wenn wir uns hineinbegeben, vermag die Musik uns im Inneren unseres Herzens zu ergreifen, uns mit sich zu führen und über uns hinaus, hin zum Herrn. Dann wird sie im tiefsten Sinne Gebet, und auch wenn sie von außen zu uns kommt, wird sie unser je eigenes Gebet.

Die gregorianischen Gesänge zwischen den einzelnen Stationen gehören zur Liturgie der Heiligen Woche. Sie sind nicht Ausschmückung eines Ritus, sondern selbst Liturgie, sind lebendiger Vollzug und Ausdrucksgestalt jenes Heiles, das Gott uns an jedem Tag und an jedem Ort schenkt. Orgelmusik und Gesang dieser Aufnahme wollen uns den Raum und die Zeit geben, wo sich das, wovon sie singen und spielen, von Gott her an uns ereignen kann.

Die „Via Dolorosa“ in Jerusalem findet ihr Ziel in der Grabeskirche. Auf Griechisch heißt sie „Anastasis“, Auferstehung. Bei aller Trauer und allem Schmerz, auch in unserem eigenen Leben, dürfen wir als Glaubende nicht vergessen, dass jenes Grab, in das Jesus nach seinem Leiden gelegt wurde, vom Ostertag an für alle Zeit das leere Grab ist. Nicht der Tod behält das letzte Wort, sondern ein Leben, das alle Vorstellungskraft übersteigt. Der Weg nach Ostern führt für den Herrn wie auch für uns alle nur durch das Leid des Karfreitags, zugleich aber erhält das Leid seinen christlichen Sinn erst aus der Auferstehung, in der es überwunden wird. Weil die Sonne des Ostermorgens über unser ganzes Leben scheint, dürfen wir das Leiden und Sterben des Herrn feiern, denn es führt in unser Heil hinein. Auch in der Musik zur Passion darf und muss deshalb jene Schönheit und Güte aufstrahlen, für die Gott uns von Anfang an geschaffen hat, ist doch die Musik selbst ein Teil der guten Schöpfung Gottes. Möge diese tiefe Freude, die Christus uns auf wunderbare Weise neu geschenkt hat, in der Musik dieser Aufnahme uns als österliche Menschen erfüllen.

P. Ralph Greis OSB

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