„...am Morgen herrscht wieder Jubel!”
4. Mai 2025 | Simeon Gloger OSB| Impulse
Impuls zum 3. Sonntag in der Osterzeit
Sieht man einmal von der Osternacht ab, sind in der gesamten Osterzeit keine alttestamentlichen Lesungen in einer Eucharistiefeier vorgesehen. Über 50 Tage hinweg hören wir – erstaunlicherweise – weder sonntags noch werktags irgendeinen Text aus der Tora, also den fünf Büchern Mose, aus den Büchern der Geschichte des Volkes Gottes oder den Prophetenbüchern. Dabei war doch der nach dem Zweiten Vatikanum eingeführten Leseordnung daran gelegen, besonders das Alte Testament durch vermehrte Lesungen stärker aufzuwerten…
Sollte vielleicht auf diese Weise in der Osterzeit das radikal neue der christlichen Auferstehungsbotschaft zum Ausdruck gebracht werden?
Glücklicherweise bleibt es aber nicht ganz bei dieser Schwarz-Weiß-Malerei. Sonntags wie werktags begleitet uns, nach wie vor, der „Antwort𝑝𝑠𝑎𝑙𝑚“. Die ausgewählten Psalmen sprechen von der Errettung aus Leid, Bedrängnis, Tod und Krankheit. Aber sie sind auch voll des Lobes über einen Gott, der Heil und Rettung bringt. Somit sind sie eindeutig Osterlieder!
An diesem Sonntag hören wir Psalm 30, in dem wir sogar dem auferstandenen Christus selbst sprechen hören können: „Du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt!“ (V. 4). Der Höhepunkt des Psalms ist voll österlicher Zuversicht: „Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel.“ (V.6b) Das sagt unser Glaube: Auf den Karfreitag folgt der Ostersonntag. Auf den Abend, mit dem die Nacht als Zeit der Angst beginnt, folgt der Morgen, der Licht und Leben zurückkehren lässt: „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt.“ (V. 12) Diese Grundmelodie der Auferstehungshoffnung möge, trotz allem Finsteren in der Welt, in unserem Leben durchscheinen.
Pater Simeon und die ganze Mönchsgemeinschaft der Dormitio auf dem Zion und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten 3. Sonntag in der Osterzeit und eine gute, österliche Woche!