להאמין – believe – إرتياء: Zeitgenössische Kunst in der Dormitio
31. Juli 2024 | Basilius Schiel OSB| Meldungen
Manofim, ist hebräisch und heißt Baukräne: Lastenträger und Lastenheber, und exquisite Aussichtspunkte. Auf ihre nicht immer einfache Weise Kennzeichen unserer industriellen Gesellschaften. Perspektivenfänger und Perspektivengeber. Unter diesem Titel fand in diesem Jahr schon zum 16. Mal ein Kunstfestival in Jerusalem statt: منوفيم מנופים Manofim mit der Schwerpunktausstellung „Believe“ in unserer Kirche.
Der Mensch in seiner Würde, unabhängig von seiner Sprache, Religion oder Herkunft – das wird uns in diesen Monaten des Krieges immer mehr zum Thema: Es gilt, die Menschenwürde angesichts der Entmenschlichung sowohl der Opfer wie der Täter im Blick zu halten, so schwer das auch sein kann. Es gilt, den Blick dafür zu weiten, dass der Mensch nicht nur isst oder hungert, kämpft, verwundet wird, stirbt, sondern dass er als Kind Gottes auch mehr in sich trägt, das in der Bewältigung seines krisenhaften Alltags verdrängt wird. Es gilt, sich daran zu erinnern, dass unser Inneres und unsere Seele mehr „brauchen“ und dass sie auch „mehr“ wahrnehmen.
Ausgerechnet in Kriegstagen eine Kunstaustellung zu machen, trägt damit eine Spannung in sich: Sie tut einerseits etwas scheinbar völlig unpassendes, unzeitgemäßes, und hält darin gleichzeitig die Hoffnung wach, dass auch wieder andere, bessere Tage kommen, weil sie eintritt für die ganzheitliche Würde des Menschen.
Die Ausstellung mit dem mehrschichtigen Titel „Believe“ im Rahmen des Jerusalemer „Manofim-Festivals“, die wir in der Dormitio zu Gast haben durften, hat genau diesen Schritt getan. Und die Begegnung von Kunstschaffenden und Mönchen, von Kunstwerken und täglichem Gebetsleben, nicht zuletzt die vielen Besuche von Menschen, die zum ersten Mal in unserer Kirche waren, hat in diesen trüben und mitunter engen Sommertagen 2024 Horizonte geöffnet und geweitet.
Acht Kunstschaffende in der Dormitio
Acht einheimische Künstler haben ihre Werke auf vier Ebenen in der Kirche sowie in unserem Diwan gezeigt. Jede und jeder von ihnen hat auf andere Weise das Thema „Glaube“ im religiösen, geistlichen, spirituellen Sinn bearbeitet.
Niv Gafni
Der Klang- und Audiokünstler Niv Gafni hat Geräusche auf dem Zion gesammelt, auch aus der Dormitio, und hat sie zu einer Art Hörspiel zusammengestellt, gerahmt von der Erzählung der Suche nach den alten Königsgräbern. Die Ausstellungsbesucher wurden, mit einem Audio-Player und Kopfhörern ausgestattet, auf unsere obere Außengalerie geschickt, während sie dem Stück von Niv Gafni lauschten: „Cave Fever“, „Höhlen-Fieber“ hat er es genannt.
Die Geräusche aus der Tiefen des Zions erklingen damit weit oben, und die Suche nach einem Grab führt zu einem Spaziergang ganz nahe am Himmel.
Jerusalem, Stadt der Gott-Sucher verschiedener Religionen, liegt in 360 Grad zu Deinen Füßen, und in Deinen Augen spiegelt sich, was auch aus Deinen Tiefen aufsteigt: Eine Sehnsucht nach mehr. Nach Frieden. Nach Eins-Sein.
Joshua Shuky Borkovsky
Auf der Orgel-Empore hat Joshua Shuky Borkovsky sein Doppelwerk „Dreamstones“ und „Annunciation“ gezeigt. Er geht in seinem Schaffen der Frage nach, was wahr und darstellbar ist, wo des Menschen Hand der Künstler ist, wo die der Schöpfung, wo die des Schöpfers. Worin zeigt sich die Gegenwart und die Wirksamkeit Gottes? Worin bestehen der Anteil und Beitrag des Menschen?
Fünf Gemälde, von Hand gemalte exakte Kreuzstrukturen, thematisieren die fünf geistlichen Schritte der Verkündigungsszene nach Lukas. Zu diesem Zyklus gehört als sechstes Bild eine Verkündigungsszene nach Titian und Gerhard Richter, gedruckt auf Aluminium, aufgelöst in Punktstrukturen, nur von Weitem zu erkennen. – Dazwischen, in einer kleinen Vitrine auf dem Gesims unterhalt der großen Onyx-Fenster: „Traum-Steine“. Eine Sammlung von aufgeschnittenen Natursteinen, die faszinierende, landschaftsähnliche Gemälde in sich bergen, wie sie nur die Natur malen kann.
„Believe“, Glaube: Unser Leben, unser Beten und Suchen, unser Umgang mit dem Wort Gottes. Hören und sehen. Wahrnehmen und annehmen. Was wahr ist, wahr werden lassen. Gottes Werk, Seine Schöpfung, Seine Kreativität als unseren Lebensraum, als unseren Raum des Kreativen annehmen.
Uri Zamir
Dass im Chorraum überhaupt ein Kunstwerk stehen würde, war zuerst nicht geplant. Durch die terminlichen Verschiebungen des Festivals kam es aber auch zu räumlichen Veränderungen, und einige Kunstwerke brauchten ein neues Zuhause. So kamen die „Turrets“ (etwas zwischen Geschützturm und „Türmchen“) von Uri Zamir zu uns. Und natürlich hat dieser exponierte Ausstellungsort im Altarraum Fragen und Gesprächsbedarf ausgelöst.
Die Türmchen kommen vielleicht etwas comic-artig daher, ihre großen Nasen machen sie menschlich und nahbar. Dabei sind sie in Wirklichkeit und ihrem normalen Umfeld Zeichen und Instrumente von Macht und Gewalt. Es geht um Abgrenzung, Behauptung, und Stärke. – Unsere Türmchen wurden zu einer liebevollen und doch entblößenden Karikatur dieses Machtstrebens, das uns auch im Umfeld der Religion nicht fremd ist, wo doch eigentlich gilt: „Bei euch aber soll es nicht so sein…“ (vgl. Mk 10,43).
Hanita Ilan
Unser Kirchenschiff wurde von einer besonderen Installation geprägt: „Because of me the Sea is wild“ hat Hanita Ilan ihr Werk genannt, in dem sie sich mit dem Propheten Jona auseinandersetzt, der sich seinerseits mit dem Wort Gottes und seiner Berufung auseinanderzusetzen hat. Jonas Weg ist anders als der Marias in der Verkündigung durch den Engel.
Feuchte Schriftrollen, die in einer Synagoge in Venedig zum Trocknen über die Bankreihen ausgerollt waren, gaben Hanita Ilan eine Inspiration zu ihrem Werk. Ihre Papierrollen sind in mehreren Lagen mit verschiedenen Blau- und Türkis-Tönen getränkt, aus denen die Künstlerin dann einzelne Bildelemente gewissermaßen ausradiert. Gesichter, Gesten, Symbole tauchen aus den Tiefen dieser Meereslandschaft auf und tauchen ein in die Tiefen meines eigenen Unterbewusstseins. Man kann in diese Auseinandersetzung mit dem Willen Gottes hineingehen. Denn die über einem Holzgestell ausgespannten Bildrollen eröffnen Räume und Durchgänge, Lichter und Schattierungen.
Die Wellen der Rollen, das Auf und Ab und alle Bewegungen in den Farben, die Momente der Gefahren und der Erlösung, der Bedrohung und der Befreiung in den einzelnen Bildmotiven – sie geben Anknüpfungspunkte auch für den eigenen Glaubensweg und für die eigene Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes und mit Seinem Willen. – Ist die See des Lebens wegen meines Unglaubens, meiner Halsstarrigkeit so aufgewühlt?
Relli de Vries
In unserer Krypta waren die Werke von drei Künstlerinnen ausgestellt.
Es sah fast so aus, als hätte sich Relli de Vries‘ „Cave Lion“, „Höhlen-Löwe“, im hinteren Teil der Krypta versteckt: Kein brüllender und triumphierender Löwe. Nicht das stolze Wappentier Jerusalems. Kein Ausdruck von Macht und Stolz. Er saß auf einem Tisch, in den eine Landkarte des Zions eingraviert war, und war also doch der Löwe dieser Stadt. An ihm hingen unter und hinter dem Tisch Gewichte. Gebrochen war die kleine Statue. Relli de Vries hinterfragt damit die Aufladung von Symbolen und Bildern. Fragt indirekt, ob und wie man auch Über-Ladungen abschütteln kann. Mithin, ob und wie man sich von einer überfrachteten Vergangenheit freimachen kann. Um in einer „neuen“ Gegenwart auch vielleicht neu und freier leben zu können.
Theologen arbeiten ähnlich wie Politiker ständig mit Bildern und Symbolen, mit Traditionen und Narrativen. Das hat seine Berechtigung. Aber es hat auch Grenzen und sogar Abgründe. Ein Glaube, der immer wieder in diesen Pfaden weitertrampelt, riskiert womöglich, auf ewig in der Wüste umherzuirren. Wir müssen immer wieder auch vor solchen Höhlen und Gräbern stehen, bewusst. Es braucht Neuaufbrüche. Es braucht im Glauben an den Tod und die Auferstehung des HERRN immer wieder die Begegnung mit einem, der einem sagt: Was suchst Du den Lebenden bei den Toten? ER ist nicht hier, sondern ER ist auferstanden! (Vgl. Lk 24,5.6) Und jetzt geh! (vgl. Mk 16,7).
Ester Schneider
Die Bilder von Ester Schneider als „Mauerblümchen“ zu bezeichnen ist nicht korrekt und klingt zunächst respektlos. Aber dieser Sammelbegriff (jedes Gemälde trägt einen eigenen, botanischen Namen) trifft etwas vom freien Charakter, der sympathischen Frechheit und der natürlichen Spiritualität dieser fünf großen Blumenbilder, die im Kreis um die Marien-Figur in unsere Krypta angebracht waren, zwei direkt innen an den Säulen an Marias Kopf, drei größere in verschiedenen Seitennischen.
Ester Schneider selbst beschreibt, wie sie solche Pflanzen immer wieder unterwegs wahrgenommen hat, wie sie aus Beton- und Asphaltritzen aufsprießen und sich gegen dieses an sich lebensfeindliche Umfeld behaupten. Die Form der kleinen Zweige und Blätter erinnerte sie an die Menora, mithin auch an die „Orante“, die klassische Gebetshaltung mit nach oben geöffneten Armen und Händen.
Und so standen dann die oft verachteten Unkräuter der Ränder und Ritzen unserer Welt in ihrer einfachen Schönheit um unsere Maria, im Gebet vereint. Selbstbewusste Mauerblümchen, ein stiller und demütiger Schmuck im Herzen unserer Kirche. Zugleich eine Anspielung auf die Blüten und Kräuter, die wir zu „Mariä Himmelfahrt“ segnen und den Pilgern mitgeben: Zeichen des Lebens und des Heils.
Nira Pereg
Im Kreis um unsere Marienfigur waren dann wie Ikonen auf mit Schmucktüchern bedeckten Ständern sechs Rahmen mit Polaroid-Aufnahmen aufgestellt: „Marys“ nennt die Foto- und Videokünstlerin Nira Pereg ihre Installation, „Marien“ oder „Marias“, womit der Bezugspunkt auch dieses Kunstwerkes klar benannt ist. – Konkret war Nira Pereg zum einen durch unsere „schlafende“ Marienfigur in der Krypta beeindruckt, zum anderen durch frühe Gespräche mit Abt Nikodemus, der damals noch als Patriarchal-Vikar für die Migranten und Asylsuchenden zuständig war und besonders die Frauen, denen er in seiner Gemeinde begegnete, als wahre Christinnen, wahre Gläubige, wahre Heilige bezeichnete.
Die Künstlerin hat daraufhin solche Frauen zum Beispiel von den Philippinen besucht, die in Israel als Pflege- und Betreuungskräfte an den Betten von alten und kranken Menschen sitzen; die in diesen Betten auch Menschen in ihrem Sterben begleiten; die dann an anderen Betten sitzen, sich um einen anderen Menschen kümmern; die ihrerseits auch ihre Betten haben, um sich auszuruhen und zu schlafen. – All das hat Nira Pereg in Polaroids festgehalten, von denen sie jeweils einzelne oder mehrere in Holzrahmen angeordnet hat.
Durch diese Installation hatten wir nun die „schlafende“ Maria umgeben von Schlafenden; die Sterbende umgeben von denen, die den Sterbenden nahe sind. Bilder des liebevollen Dienens und des hingebungsvollen Begleitens. Schnittstellen von Leben und Tod und neuem Leben. – Ikonen der Türöffnungen zwischen unserer Menschenwelt und dem Reich Gottes.
Raafat Hattab
Im Diwan war schließlich ein achtes Kunstwerk zu sehen. Wer in den Diwan kam, dessen Blick wurde zunächst vom großen und farbintensiven Mystischen Abendmahl von Ernst Fuchs angezogen. Erst der zweite Blick ging dann zu Füßen dieses Monumentalgemäldes, und man nahm eine große, grüne, textile Struktur wahr. Um das Bild als solches zu erkennen, musste man näherkommen, andere Blickwinkel einnehmen, auch soweit möglich von oben, um das auf einem flachen Rahmen auf dem Boden liegende Werk anzuschauen: Zu sehen war wiederum eine liegende, schlafende, womöglich sterbende Frau, umgeben von weiteren Frauen, die ihr offensichtlich helfen und beistehen. Auch der Künstler dieses Werkes, Raafat Hattab, greift damit die Bildwelt unserer Krypta auf. – Die dargestellte Frau mit Heiligenschein dürfte die heilige Elisabeth von Thüringen auf ihrem Kranken- oder Sterbelager sein.
Wichtiger aber ist die Machart dieses Kunstwerkes: Es ist eine Art großer Häkeldecke! Kunst? Ja! Abgesehen von den Fragen und Impulsen der Szene selbst, ist es eben der zeitintensive und materialaufwändige Prozess des Häkelns, eine zutiefst meditative Tätigkeit, um von dieser Heiligen in einem sehr alltäglichen Gegenstand zu erzählen.
Ein Bild für unseren Glauben: Die treue Beschäftigung mit der Botschaft der Liebe. Ein Sichtbarmachen von Realitäten, die unseren Alltag übersteigen und doch durchdringen, und zwar mit alltäglichen Mitteln. Unser Glaube selbst kann so zu einem Kunstwerk werden, das Hoffnung und Leben schenkt, gerade in Zeiten, in denen „Kunst“ eher Luxus zu sein scheint.
Die zweite Hälfte der Ausstellung
Zu den acht bei uns zu sehenden Kunstwerken gab es eine zweite Hälfte von „Believe“, die bei unseren Nachbarn im Intercultural Center gezeigt wurde. Denn „to believe“ umfasst nicht nur das fromme Sehnen und Hoffen, das im eigentlichen Sinne religiöse Glauben, das einem hilft, den eigenen Standpunkt im Leben zu finden, sich immer wieder neu auszurichten, durch Licht und Dunkel zu gehen. „Believe“ bezeichnet eben auch das allgemeine Fürwahrhalten, Annehmen, Meinen, anders: Weltsicht, Setzung, Ideologie.
„Glaube“ und „Ideologie“: beides Formen menschlicher Überzeugung. Aber während das eine Horizonte öffnet, Wachstumsfragen stellt und ermöglicht, Wege aufzeigt etc., hat das andere eher zerstörerische Kraft, baut Mauern und reißt Gräben auf, verhindert Leben und Versöhnung, stiftet neue Konflikt und verletzt… Religion im weitesten Sinne kann heilen, aber sie kann auch schaden, wenn sie sich in Zerr-Formen in Geschichte und Politik einmischt. Diese Dimensionen von „Believe“ behandelten die Kunstwerke im Intercultural Center, die sich damit wesentlich von denen in der Dormitio unterschieden.
Die Skulpturen und Video-Installationen blicken vor allem auf die Geschichte des Zionsberges, besonders in den letzten 75 Jahren. Sie thematisierten Vertreibung und Verlust, die Verzerrung ursprünglich religiöser Tempelrituale in eine gefährliche politische Ideologie. – Ein übergroßer Türklopfer zu einer abgerissenen Familiengeschichte; Bohrkerne aus der Tiefe des Berges, die sich vom „Sediment“ zum „Sentiment“ verändern und umgekehrt; Filmsequenzen über das Schicksal der alten, großen arabischen Dajani-Familie, die den Zion lange als ihr Zuhause wusste… Der Besuch bei unseren Nachbarn und die Beschäftigung mit den Kunstwerken in ihren Räumen konnte bedrücken, sehr nachdenklich stimmen, aber auch: erden.
Der Eröffnungsabend
Aus den eigentlichen Ausstellungstagen mit ihren wunderbaren Besuchen und Begegnungen ragt in konzentrierter Weise die Eröffnung am Abend des 9. Juli heraus. An diesem Abend fand sich eine bunte, friedliche, offene Gesellschaft aus einigen hundert Menschen bei uns auf dem Zion ein, von denen niemand die katastrophale und gefährliche Lage um uns herum verdrängte. Lee He Shulov und Reinat Edelstein, die beiden Direktorinnen des Manofim-Festivals, und Abt Nikodemus betonten es in ihren Ansprachen vielmehr, wie besonders und wichtig Kunst und Kreativität gerade in Kriegszeiten sind, um den Blick auf den Menschen als Menschen nicht zu verlieren.
Die sensible und konzentrierte Darbietung des „Great Gehenna Choir“ in der Kirche schenkte uns allen eine ausgesprochen dichte und doch freie Stunde. Die Sängerinnen und Sänger achteten (ohne Dirigenten!) ebenso sehr aufeinander auch in ihren leicht tanzenden Bewegungen wie auf das Kunstwerk in ihrer Mitte, unsere Kirche und die Gäste, die in zwei großen Kreisen im Kirchenschiff und auf der inneren Galerie saßen und standen. – Ein Abend der Sammlung und der Weite, des Gedenkens und der Hoffnung. Ein Schritt nach vorne für viele, die dabei waren.
Ein doppelter Rückblick für einen Blick nach vorne
Und so sind mit dem Abbau der Installation zwei Wochen später zwar die Kunstwerke aus unserer Kirche ausgezogen, nicht aber die Impulse und Begegnungen aus meinem Herzen. Mitten in diesen unwirklichen Wochen eines schrecklichen Krieges waren diese Tage wie eine Insel, ohne dabei auch nur einen einzigen Moment selbstvergessen die Welt außenherum zu ignorieren.
Im Nachgang der Ausstellung „Believe“ und ihrer Vorbereitung, in meinem Kopf und in meinem Herzen die Frauen und Männer der Ausstellung, habe ich gemerkt, wie sehr sich dabei ein größerer Kreis schließt. Die zweite Hälfte dieses Kreises ist die General-Sanierung, „meine“ Baustelle mit ihren Frauen und Männern, mit denen ich viele Monate jeden Tag zu tun hatte. – Das eine hat mich der Lebenswirklichkeit weiter Teile der Menschen in diesem Land, diesseits wie jenseits der Checkpoints nähergebracht. Das andere, vor allem mit dem 7. Oktober im Hinterkopf, der Lebenswirklichkeit anderer Teile der Menschen in diesem Land. Wenn ich das so schreibe, macht es mich traurig, auch wenn „traurig“ vielleicht nicht das passendste Wort ist… Ich vergleiche nicht, wäge nicht ab. Das geht nicht. – Denn es geht um die Würde eines jeden einzelnen Menschen.
Aus beiden Projekten und Lebensphasen nehme ich mit, dass es viele gute, suchende und hoffende Menschen in diesem Land gibt, das ich weiterhin gerne das „Heilige Land“ nennen möchte. Viele hoffende Menschen, die sich einsetzen, die aufbauen und reparieren, die kreativ und produktiv sind. – Das macht demütig und dankbar. Zugleich still und erschrocken, weil es nicht ganz zur Wirklichkeit dieser Zeit zu passen scheint. Aber ich bin Mönch, zwischen Kunst und Bau. Und als solcher lasse ich mir die Hoffnung nicht nehmen.