Überraschende Momente
11. Juni 2023 | Impulse
Predigt von Pater Efrem am 10. Sonntag im Jahreskreis (11. Juni)
"Die Pharisäer sagten zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?" - In den Augen der Pharisäer machte Jesus ständig etwas falsch. Die Pharisäer haben sein Verhalten oft nicht verstanden. Auch heute noch finden viele Menschen Jesus unverständlich und seltsam. Ist Jesus unverständlich und seltsam? Oder ist die Welt, die wir Menschen so oft nach unserem eigenen Willen versuchen zu gestalten und zu organisieren, seltsam und unverständlich? Vielleicht haben wir zu viele Dinge auf den Kopf gestellt! Vielleicht haben wir zu schnell geglaubt, dass wir wissen, wer gut und wer schlecht ist, was wem zusteht, was wer tun kann und was für wen bestimmt ist.
Nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute gibt es genügend Stereotypen und Vorurteile über andere Menschen … Deshalb ist es manchmal gut, nicht nur von Jesus und dem Evangelium überrascht zu werden, sondern von mir selbst überrascht zu sein, - zum Beispiel, dass ich über einen anderen Menschen ganz anders denke und mit ihm umgehe, als es das Evangelium mich lehrt.
Die Geschichte des Matthäus im heutigen Evangelium zeigt uns, dass Gott an jedem Menschen interessiert ist ‒ unabhängig von dessen Vergangenheit oder Gegenwart. Gott ruft die Reichen und die Armen, aber er ruft auch den Sünder oder den Menschen, der frei von größeren Übertretungen ist. Gott nimmt keine Rücksicht auf Einzelne. Die Art und Weise, wie Er im Leben eines jeden Menschen handelt, ist immer eine große Unbekannte, ja eine Überraschung!
Nur wenn der Mensch seiner Berufung folgt, entdeckt er die Welt Gottes in seinem eigenen Leben. Er entdeckt sie oft in verschiedenen überraschenden, ungeplanten Momenten ... wie es dem Apostel Matthäus ergangen ist: Jesus hat ihn, für ihn selbst und für die Pharisäer völlig unerwartet, hierher an den See Genezareth, berufen hat und sagte zu ihm: „Folge mir nach …"
Jesus ermutigt uns, immer wieder das Neue im Leben zu entdecken. Für ihn ist es nicht wichtig, wer wir waren, sondern entscheidend ist vor allem, wer wir jetzt sind. Er will auf dem aufbauen, was ist, auch wenn es kaputt, krumm oder sündig ist. Er weiß, dass es hier auf der Erde keine perfekten Menschen gibt. Deshalb ist es ihm so wichtig, dass wir uns bewusst auf einen "Heilungsprozess", der darin besteht, ein tägliches Leben voller Liebe zu Gott und zu den Menschen zu führen, ein Leben, das nicht nur mit Frömmigkeit oder Toleranz, sondern mit Liebe erfüllt ist, einzulassen - "Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern", verkündet uns der Prophet Hosea; und Jesus sagt uns: „…ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder."
Pater Efrem und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen schönen Sonntag und eine gute Woche!