Was tat eigentlich ein Mensch, der sich vor zweitausend Jahren von Göttern und Idolen abwandte und in die christliche Gemeinschaft eintrat? Er vollzog einen radikalen Bruch mit seiner Umgebung. Er ließ sich mit ihr auf eine Auseinandersetzung ein, nicht selten auf Leben und Tod. Denn ein Eintritt in die christliche Gemeinschaft bedeutete nicht, eine Meinung neben vielen anderen möglichen zu haben; sondern es war eine Lebensentscheidung, eine Lebenswende - und zwar in dem Sinn, dass dieser Mensch sich zum Glauben an den einen Gott bekannte und zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem Erlöser; und dass er sich abwandte von dem, was bislang Lebenssinn und Lebensinhalt war.
Sind wir uns bewusst, dass damit auch eine Gesetzmäßigkeit unseres eigenen Lebens als Christin und Christ angesprochen wird? Sind wir uns der Wende der Existenz bewusst, die mit unserem Glauben verbunden ist? Glauben bedeutet nicht bloß die Aufzählung von Lehren und Richtigkeiten, nicht bloß ein Annehmen von Theorien über Dinge, über die man an sich nichts weiß. Glaube im christlichen Sinn meint das Ja zu Jesus als Christus, als Erlöser, als Heil. Unsere Erlösung ist am Kreuz geschehen und sichtbar geworden. Christlicher Glaube bedeutet also, dass wir Ja sagen zu der Tatsache, dass einer für uns gekreuzigt worden ist; dass wir mit unserem ganzen Dasein dafür danken, dass wir alles diesem Jesus verdanken, „der uns geliebt und sich für uns dahingegeben hat“. Das ist das Erschütternde am Christentum: Man kann auf keine billigere Weise "Dankeschön" sagen als mit der ganzen Existenz; oder anders gesagt: Uns wird abverlangt, der Liebe, durch die wir erlöst worden sind, zuzustimmen; uns wird abverlangt, diese gekreuzigte Liebe als das Maß unseres Lebens anzusehen. Alle Quellen unseres Lebens entspringen dem Kreuzestod Jesu; denn alles, was wir sind (und dazu bekennen wir uns als Christen), sind wir nicht kraft eigener Leistung, sondern durch den erlösenden Tod Jesu. Sind wir uns dieser Grundgegebenheit bewusst?
Gaube bedeutet also immer wieder das bewusste Annehmen, das Empfangen der gekreuzigten Liebe Gottes, die uns erlöst hat! ‒ Was ist meine Antwort auf den Anspruch Gottes in Jesus Christus? Meine Antwort verändert mein ganzes Leben. Das äußere Zeichen, der leibhafte Ausdruck dieser Antwort und der damit verbundenen Lebenswende hin zu Jesus Christus geschieht in der Taufe. Die Taufe ist das Zeichen des Angebotes Jesu und unserer Antwort. Paulus weist in der heutigen Lesung aus dem Römerbrief auf diesen entscheidenden Zusammenhang zwischen dem Kreuzestod Jesu und der Taufe hin: „Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod hin getauft sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ Taufe bedeutet also unser Bekenntnis zu unserer Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi; Taufe bedeutet die Annahme und das Empfangen der von Jesus Christus bewirkten Erlösung.
Das Geschehen der Taufe weist uns hin auf den Zusammenhang unseres Christseins mit dem Tod und der Auferstehung Jesu. Wieder ist es Paulus, der uns diese Grundgegebenheit ins Bewusstsein ruft: „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, sind auf seinen Tod getauft worden... Ihr sollt euch darum als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.“
Für diese Gewissheit, besser: für dieses Geschenk unserer Berufung wollen wir immer wieder Dank sagen; nicht zuletzt, wenn wir Eucharistie feiern dürfen!
Pater Josef und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!