Freue Dich!

9. Juli 2023 | Impulse

Predigt von Pater Basilius am 14. Sonntag im Jahreskreis

Es weht ein bisschen Advent und Weihnachten durch diesen Sonntag: Der Prophet Sacharja singt mit uns: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir!“

„Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem…“ ‒ Und das Echo klingt bis in den Palmsonntag: Dein König, „demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin“.

Das könnte jetzt, mitten im Sommer und in der Urlaubszeit, kitschig werden, deplatziert sein. ‒ Aber die Worte des Propheten treffen in unsere Zeit mitten hinein: Der kommende „König wird den Nationen Frieden verkünden“, Streitwagen und Kriegsbogen werden ausgemerzt. Was für eine große Vision! Wie viele Menschen dieser Tage möchten dieses Lied mitsingen, möchten in dieser Hoffnung in die neue Woche, in eine neue Zeit gehen! Hier im Heiligen Land, in dem sich die Gewaltspirale zwischen Israelis und Palästinensern immer weiterdreht und -windet, in dem selbst die innerisraelischen Konfliktlinien mit immer mehr Gewalt markiert werden. Vom Krieg in der Ukraine und den Kreisen um ihn herum ganz zu schweigen.
Aber wir dürfen Sacharja auch direkt in unser Leben hineinrufen lassen: Sacharja, seine Visionen, seine Botschaft sind getragen von der Zuversicht auf das kommende Heil. Juble! Jauchze! Der König kommt zu dir! Zu Dir! ‒ Man kann darin eine der möglichen Verdichtungen des biblischen Gottesglaubens sehen: Gott will unser Heil, und ER sieht auf jeden einzelnen Menschen, kennt ihn oder sie mit Namen. Zu Dir! Dein König! ER kennt Dein Leben mit allen Problemen und Brüchen, ER weiß um das Böse, was Du getan hast, ebenso wie um das Böse, das andere Dir zufügen. Dieser König ist keine Vertröstung, kein „Opium für das Volk“. ER kommt zu uns, ist der Immanuel. In der Krippe von Bethlehem und im brennenden Dornbusch, beim Einzug in die Heilige Stadt Jerusalem und beim Durchzug durch das Rote Meer, im Olivenzweig nach der Sintflut und im Holz des Kreuzes auf Golgotha, am Morgen der Schöpfung und in der aufgehenden Sonne des Ostermorgens.
2000 plus X Jahre Theologie und Tradition, aktuelle Diskussionen um den Kurs des Kirchenschiffes, Strukturdebatten und Vertrauenskrisen lassen das vielleicht nicht immer erkennen. ‒ Jesus aber weiß, wie sehr der „Vater, Herr des Himmels und der Erde“ die Menschen liebt, wie sehr ER das Heil der Menschen will. „Vor den Weisen und Klugen“ scheint das manchmal „verborgen“ zu bleiben, aber den „Unmündigen [wird es] offenbart“. Es geht in der Geschichten Gottes mit Seinem Volk, mit jedem Einzelnen, um die Mühseligen und die Beladenen, es geht um Erleichterung und Hilfe, um Heil, um Frieden und Gerechtigkeit, um Ruhe für die Seele. ‒ Das muss vielleicht gar nicht viel weiter ausgeführt werden.
Nehmen wir die klaren Worte Jesu und des Propheten Sacharja einfach mit in die neue Woche, als Erinnerung und Zuspruch: Freue Dich! Ich komme zu Dir! Bei mir findest Du Ruhe für Deine Seele.


Pater Basilius und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!