Brotvermehrungsfest 2025 in Tabgha
8. November 2025 | Meldungen
Das Brotvermehrungsfest in Tabgha am jeweils zweiten Samstag im November ist inzwischen eine feste Tradition für unsere Tabgha-Familie und vor allem für die arabischsprechende Lokalkirche. Zum ersten Mal haben wir es am 9. November 2002 gefeiert, damals mit Patriarch Michel Sabbah und der Segnung des Grundsteines für das neue Beit Noah; statt der erwarteten 300 Gäste kamen geschätzt 900. In diesem Jahr 2025 fiel das Fest auf den 8. November, wir haben es mit Patriarch Pizzaballa gefeiert und unser erneuertes Gästehaus „Julius-Itzel-Haus“ gesegnet. Es kamen wieder deutlich mehr als die erwarteten 300 Menschen, wenn auch nicht die 900 von 2002, geschweige denn die 5.000 aus dem Evangelium. – Doch der segensreiche und gesegnete Charakter Tabghas wurde einmal mehr spürbar. Und dafür sind wir zutiefst dankbar.
Alles nur durch Jesu Hände
Unser Patriarch hat in seiner Predigt mit uns über die eucharistischen Worte aus dem Johannesevangelium meditiert, mit denen sich Jesus Christus als Brot des Lebens beschreibt: „Brot zu haben bedeutet: Am Leben bleiben, besonders in schwierigen Zeiten. […] Wer annimmt, er könnte selbst die Quelle des Lebens sein, der wird nur den Tod ernten. Aber wenn man erkennt, dass Jesus die wahre Quelle des Lebens ist, dann bleibt das, was man in IHM aufbaut, bestehen. Wir haben im Krieg gesehen, wie die Vielen, die sich auf ihre eigene Kraft verlassen haben, Zerstörung gesät haben, während Gott durch unsere Schwäche weiterhin Leben schenkt.“
Kardinal Pizzaballa hat deshalb die Gläubigen eingeladen, die eucharistische Dimension des christlichen Lebens wiederzuentdecken: „Alles sollte durch die Hände Jesu gehen. Adam und Eva haben sich die Frucht selbst genommen. Aber Jesus gibt sich selbst für die Menschen hin. Die Eucharistie hat zwei Dimensionen: die Feier der Heiligen Messe, die die Quelle ist, und das Leben, das wir außerhalb der Kirche führen. Unsere Pfarreien und Gemeinschaften sind aufgerufen, eucharistisch zu werden: Leben von Jesus zu empfangen und es mit anderen zu teilen.“ Angesichts von Angst und Unsicherheit ermutigte der Patriarch zu Offenheit und Gemeinschaft statt zu Isolation: „In schwierigen Zeiten könnten wir versucht sein, uns abzuschotten, wie Adam und Eva, die sich im Garten versteckten. Aber das Evangelium ruft uns dazu auf, uns in Liebe zu öffnen. Der christliche Unterschied besteht darin, dass wir beginnen, ‚Du‘ vor ‚Ich‘ zu sagen, und dass wir gemeinsam gehen.“
Segnung des Julius-Itzel-Hauses
Im Anschluss an den großen Festgottesdienst, den Jugendpfarrer Ramez Twal mit Jugendlichen aus Galiläa musikalisch mitgestaltet hat, zogen wir den kleinen Hang hinter der Brotvermehrungskirche hinauf zum „Julius-Itzel-Haus (Beit Magadan)“. Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung durch die „Itzel-Stiftung“ (München) und die Päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ konnten wir dieses Gebäude mit seiner bewegten Geschichte vom Fisch-Restaurant über eine Zivi- und Volo-Unterkunft bis zur Nähwerkstatt in den vergangenen Monaten ja grundsanieren und neu strukturieren. Dabei standen uns in bewährter und herzlicher Kooperation unsere Trierer Architekten Prof. Alois Peitz und Hubertus Hillinger und unser Mehrgenerationen-Bauunternehmen Shady und Khalil Dowery aus Nazareth mit ihren fabelhaften Mitarbeitern zur Seite.
Unter der Überschrift des „stillen Tabgha“ bietet das Haus nun acht Zimmer mit je eigenem Badezimmer und eigenem Eingang sowie einen Gemeinschaftsraum im Obergeschoss – alle mit einem wunderbaren Blick über die Brotvermehrungskirche hin bis zum See. Hier finden kleine Gruppen eine besondere Unterkunft – Menschen mit Behinderung, einheimische Jugendliche, Ordensleute, Frauen und Männer aus der Seelsorge im Heiligen Land –, um in einer Atmosphäre der Stille und des Gebets neue Kraft zu schöpfen.
Für dieses einfache und doch sehr kostbare Gästehaus mit seiner engen Anbindung sowohl an die Begegnungsstätte Beit Noah als auch an das eigentliche Kloster haben wir am diesjährigen Brotvermehrungsfest den Segen Gottes erbeten. Ganz im Sinne der Predigt des Patriarchen, Nichts aus dem eigenen Stolz, sondern alles aus der Hand Jesu anzunehmen, und auch im Sinne der Regel des Heiligen Benedikt, der im Prolog schreibt: „Wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden“, (Regula Benedicti, Prolog 4).
Die nötigen Sicherungs- und Stabilisierungsarbeiten in der Hanglage des Hauses sowie erste Neubepflanzungen um das Haus herum konnten wir dank der „Hagia-Maria-Sion-Stifung“ durchführen lassen.
Derzeit sind wir mit der finanziellen Hilfe durch unseren Freundeskreis und durch die uns schon seit vielen Jahren eng verbundene „Pfarrer Benno Wiederstein und Agnes Wiederstein-Heilig-Land-Stiftung“ dabei, die Gastzimmer und den Gemeinschaftsraum auszustatten und einzurichten, damit wir dann mit dem neuen Jahr dort auch bald in gebührender Weise unsere ersten Gäste begrüßen dürfen.
„Herzlich willkommen in unserem Paradies!”
Was das bedeutet, formuliert Pater Efrem, der als Gastpater auch für das erneuerte Julius-Itzel-Haus und vor allem für dessen Gäste und Bewohner und ihre Betreuung verantwortlich sein wird:
„Tabgha, das ist für uns nicht die Vermehrung von Broten und Fischen. Tabgha bedeutet für uns zuallererst: Teilen! Wir möchten die Schönheit des Ortes und die Stille des Ortes teilen und unser benediktinisches Gebetsleben. Und wir spüren es und machen die Erfahrung, dass die Menschen, die hierherkommen, genau das brauchen! – Herzlich willkommen in Tabgha! Herzlich willkommen in unserem Paradies!”
Das Julius-Itzel-Haus (Beit Magadan)
Weitere Fotos vom Brotvermehrungsfest gibt es sowohl auf der Website des Lateinischen Patriarchates als auch vor allem auf deren Facebook-Seite.