Ein hoffnugsvolles Fest für alle charmanten Menschen

1. November 2025 | Elias Pfiffi OSB| Impulse

Impuls zum Hochfest Allerheiligen

P. Elias Pfiffi OSB
P. Elias Pfiffi OSB

Gruselpartys und Gruselkostüme zu Halloween oder intensive Pflege der Gräber der Verstorbenen und Friedhofsgang: das verbinden die meisten mit dem Fest Allerheiligen. Dabei geht es an diesem Festtag um etwas ganz anderes: nämlich um das Heilig-Sein.

Heilige sind Menschen, die ganz aus der Gnade Gottes gelebt haben bzw. leben. Aber es gibt auch viele heilig-mäßige Menschen, die nur ein gewisses Maß an Heiligkeit besaßen. Menschen, die eben nicht in vollem Maß heilig waren, jedoch in einem hohen Maß. Auf jeden Fall aber Menschen, die aus Gottes Gnade lebten und handelten. Menschen, die eine lebendige Beziehung mit Gott pflegten und aus diesem Glauben heraus in ihrer Umgebung viel Gutes wirkten: Die vielen ungenannten und unbekannten Heiligen des Alltags.

Dieser Tage haben wir hier in Israel mit einer Gruppe das Gelände des Nova Festivals besucht, wo am 7. Oktober 2023 viele junge Israelis brutal von Hamas-Terroristen massakriert wurden. Am Anfang war dieses Areal nur ein provisorischer Gedächtnisort. Heute ist er schön angelegt und gut gepflegt, mit Blumenwiesen von künstlichen Anemonen und persönlichen Gegenständen der Toten. Die Angehörigen der Ermordeten haben Tafeln mit deren Biografien aufgestellt, um an ihre lieben Verstorbenen zu erinnern, die auf diesem Gelände den blanken Horror und eine wirkliche „Gruselparty“ erleben mussten.

Mich haben die unterschiedlichen Biografien und Lebensbeschreibungen der Ermordeten sehr beeindruckt. Obwohl viele von Ihnen sicher nicht ein heiligmäßiges und moralisches Leben in unserem Verständnis gelebt haben, ist es den Angehörigen gelungen jeweils einen besonderen und unverwechselbaren Wesenszug ihres verstorbenen Angehörigen herauszustellen. Als Charaktermerkmale waren zum Beispiel zu lesen: „Sie war voller Lebensmut und ansteckender Lebensfreude.“ – „Er war stark wie ein Felsen.“ – „Sie war liebevoll und sehr charmant.“

Die Wurzel des letzten Wortes charmant, Charme liegen im Griechischen, im Wort charis, das Gnade, Geschenk und Gabe des Geistes bedeutet. Und so könnte dieses Wort gut als eine Beschreibung aller Heiligen dienen:

Es waren charmante Menschen, die sich von Gott liebend haben umwerben lassen. Sie waren ganz von Gottes Charme berührt und haben so ihr eigenes Charisma entdeckt, ihre Besonderheit, die sie ganz bewusst für das Wohl der anderen Menschen einsetzten. Also nichts zum Gruseln und auch keine Grabpflege, sondern ein hoffnungsvolles Fest für alle charmanten Menschen!

Pater Elias und alle Brüder in Tabgha und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Festtag, auch im Zeichen unserer eigenen, charmanten Namenspatrone!