Ewig steht Dein Friedensthron

5. Juli 2026 | Basilius Schiel OSB| Impulse

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis

P. Basilius Schiel OSB
P. Basilius Schiel OSB

Ostern liegt gefühlt schon so weit hinter uns wie Weihnachten nur fern am Horizont erscheint, zumal bei den aktuellen Außentemperaturen. Die alttestamentliche Lesung dieses Sonntags aus dem Propheten Sacharja lässt uns genauso irgendwo dazwischenstehen: „Juble, Tochter Zion“ schallt wie das Echo von vertrauten Advents- und Weihnachtsliedern. Der König, der auf dem Esel reitet, nimmt uns mit in den Palmsonntag und in die Heilige Woche.

Und das ist richtig und wichtig. Das sage ich als Mönch, der im Heiligen Land lebt. Denn an den Heiligen Stätten gibt es im „Normalbetrieb“ kein Kirchenjahr.

In Nazareth antwortet Maria jeden Tag „Mir geschehe nach deinem Wort“. In der Geburtskirche singen Pilger das ganze Jahr „Stille Nacht“ und „Adeste fideles“. In Tabgha ist jeden Tag Brotvermehrung. Auf dem Zion wird jeden Tag Fußwaschung und Abendmahl, Pfingsten und Mariä Himmelfahrt besungen. Und in der Grabeskirche ist „immer“ gleichzeitig Kreuz und Leeres Grab.

Normalerweise. – Seit drei Jahren bestimmt auch bei uns das Kirchenjahr stärker den Rhythmus der liturgischen Feiern. Das hat eine eigene Schönheit. Aber es ist nicht der Normalzustand, und es fühlt sich nicht richtig an. Denn die Heiligen Stätten sollten eigentlich der Ort sein, an dem die Ewigkeit die Zeit berührt.

Daher klingen in mir die Verse der Sacharja-Lesung insgesamt wie ein brennendes Gebet für unsere Tage: Der Ruf nach dem Friedenskönig, in Seiner tiefen Demut und Leben schaffenden Gerechtigkeit. Die Zusage, dass das Kriegsspielzeug der Wahnsinnig-Mächtigen und Mächtig-Wahnsinnigen ausgemerzt wird.

Das ist das Gebet in den Herzen so vieler Menschen zwischen Nazareth und Betlehem, zwischen Gaza und Beirut, hier, in der Heiligen Stadt Jerusalem. – Betet auch weiterhin mit ihnen und mit uns! In der frohen Hoffnung der verheißenen Friedensschwangerschaft: „Tochter Zion, freue dich!“ und in der Zuversicht auf das befreiende und Leben öffnende Grab: „Hosianna, Davids Sohn!“

Pater Basilius und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!