Das Fest der Begegnung

2. Februar 2026 | Elias Pfiffi OSB| Impulse

Impuls zum Fest der Darsellung des Herrn (2. Februar 2026)

P. Elias Pfiffi OSB
P. Elias Pfiffi OSB

Am letzten Sonntag war ich nachmittags in der Geburtskirche in Bethlehem. Ich wollte mich mit dem griechisch-orthodoxen Mönch Issa (arabisch für Jesus) treffen, den ich Anfang des Jahres kurz kennengelernt hatte. Wie zu erwarten, war er zum ausgemachten Zeitpunkt nicht da, rief aber an, dass er etwas später kommen würde. Letztendlich dauerte es noch über eine Stunde.

Doch die Zeit in der Geburtskirche wurde mir nicht lang. Zuerst saß ich eine geraume Zeit allein in der Geburtsgrotte und konnte, da kaum Pilger kamen, lange beten. Da die Grotte in den nächsten Monaten grundlegend renoviert und gereinigt wird, war die ganze Verkleidung abgenommen.

So präsentiert sich der Ort der Geburt Jesus momentan nackt und bloß, mit schmutzigem Marmor und verrußten Gestein an der Decke. Aber der jetzige Zustand stellt die rauen und unwirtlichen Umstände der Geburt Jesu besser dar als viele süße und liebliche Weihnachtsbilder.

Oben traf ich später eine Gruppe aus Mexiko: einfache Pilger, junge Ehepaare und Familien mit mehreren Kindern. Zuerst wollten alle ein Foto mit mir, obwohl ich hinwies, dass ich kein Mönch der Geburtskirche bin. Und danach wollten alle von mir gesegnet werden. Eine philippinische Gruppe entzündete viele Opferkerzen und sang in der Grotte „Stille Nacht“ auf Englisch.

Der katholische Wächter Wiliam, den ich schon lange kenne, aber den ich seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte, begrüßte mich herzlich und überreichte mir eine Handvoll Mandeln. Mir fiel zudem ein junges arabisches Paar auf, das anscheinend auch auf etwas oder jemand wartete. Sie hatten sich gegenseitig die Arme um die Schultern gelegt und sprachen zärtlich miteinander.

Endlich kam Pater Issa in die Geburtskirche. Zuerst sprach er jedoch mit dem jungen Paar, das aus dem Norden Israels stammte, und sich verloben möchte. Dann hatte er Zeit für mich und erzählte von seinem Leben: von seiner langjährigen Arbeit in der Verwaltung einer Reiseagentur in Bethlehem. Nebenbei trat er als Tänzer in einer arabischen Tanzgruppe auf, die sich auf moderne palästinensische Tanzfolklore spezialisiert hatte.

Dann schilderte er seine Berufung zum Mönch und sein Studium in einem russischen Seminar in den USA. Seit über 10 Jahren wirkt er nun als Pfarrer der orthodoxen Gemeinde in Bethlehem, sorgt sich mit viel Herzblut um seine Pfarreimitglieder und gibt seiner Kirche ein menschenfreundliches Angesicht.

Als ich auf dem Rückweg im Auto am Checkpoint warten musste, dachte ich in Dankbarkeit an den Nachmittag zurück, aber auch an meinen Beitrag, den ich für das heutige Fest vorzubereiten hatte. Ich stellte fest, dass fast alle Motive des Festgeheimnisses der „Darstellung des Herrn“ irgendwie an diesem Tag vorgekommen waren: die Reinigung, das Warten auf Jesus von Simeon und Hanna, das Entzünden der Kerzen, die vielen Völker und das Volk Israel, die Darstellung des Kindes, die „Verlobung“ Jerusalems mit dem Messiaskönig. Und in ganz besonderer Weise das, was in der griechisch-orthodoxen Tradition mit diesem Fest gefeiert wird: Hypapante – Das Fest der Begegnung!

Pater Elias und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Festtag und gute, wertvolle Begegnungen im Licht des HERRN!