Franz von Assisi
4. Oktober 2026 | Matthias J. Karl OSB| Impulse
Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis - zugleich Fest des hl. Franz von Assisi
Zum 800. Todestag des Heiligen Franz von Assisi
Sacro Speco – jene Höhle nahe Subiaco, in der Benedikt von Nursia eine Zeit lang zurückgezogen lebte, ist der Quellort benediktinischer Geschichte und Spiritualität. Doch diese Felsenhöhle birgt auch ein franziskanisches Juwel: ein Fresko des Franz von Assisi! Er war viel unterwegs und besuchte auch diesen benediktinischen Ursprungsort. Ein uns unbekannter Künstler schuf das Bild, das bis heute bewundert wird. Es gilt als eines der besten Porträts des Franziskus – sehr nahe an der Beschreibung seiner Person, die zwei Jahre nach seinem Tod anlässlich seiner Heiligsprechung verfasst wurde:
„Er war ein außerordentlich redegewandter Mann mit fröhlichem Antlitz und gütigem Gesichtsausdruck, von nicht gerade großer Gestalt.
Eher klein als groß, hatte er einen nicht sonderlich großen runden Kopf, ein etwas längliches und gedehntes Gesicht, eine ebene und niedrige Stirn, nicht sonderlich große schwarze Augen, dunkles Haar, gerade Augenbrauen, eine gleichmäßige Nase, aufwärtsgerichtete, aber kleine Ohren, eine klare und wohlklingende Stimme, einen schwarzen, nicht vollen Bart, einen schlanken Hals, gerade Schultern, kurze Arme, lange Finger, etwas vorstehende Nägel, dünne Beine, sehr kleine Füße, eine zarte Haut.
Er war sehr mager, trug ein raues Gewand, gönnte sich nur sehr kurzen Schlaf und besaß eine überaus freigebige Hand. Und weil er der Demütigste war, erwies er allen Menschen jegliche Sanftmut und glich sich in passender Weise dem Charakter aller an: unter Heiligen noch heiliger, unter Sündern wie einer von ihnen.“
(Franziskus-Biographie aus dem Jahr 1228, von Thomas von Celano im Auftrag von Papst Gregor IX.)
Franz von Assisi
In eine wohlhabende Familie hineingeboren, genoss er ein viertel Jahrhundert lang all die Privilegien der reichen Gesellschaft. Doch es kam der Moment der Berufung: eine radikale Bekehrung hin zu Gott; eine komplette Umkehr seines Lebens. Sein leiblicher Vater zeigte dafür keinerlei Verständnis und stieß ihn von sich. Franziskus, der seine eigene Familie verlor, wurde durch seine radikale Entscheidung für Gott zu einem herausragenden Sohn der weltweiten Kirche und zum Bruder aller Menschen – ja der ganzen Schöpfung. Schon zu Lebzeiten waren nicht nur Christen von ihm fasziniert, sondern auch Gläubige anderer Religionen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Mit seinem 800. Todestag erinnern wir uns schließlich auch an den 40. Jahrestag des ersten großen Friedensgebetes von über 100 Religionsvertretern in Assisi, der umbrischen Heimatstadt des Franziskus.
Fra Francesco – Werkzeug des Friedens, Bruder aller Menschen und der ganzen Schöpfung
Franz von Assisi hat schon zu Lebzeiten fasziniert und provoziert. Für die Gläubigen seiner Zeit war seine Art, das Evangelium zu leben, unbequem. Doch genau dadurch gibt er bis heute wichtige Impulse für das christliche Leben: zum einen durch den radikalen Rückgriff auf die Quelle, das Evangelium Jesu Christi, und zum anderen durch eine ganz neue, konsequente und konkrete Lebensweise.
Für Franziskus waren zu Beginn seiner Lebenswende die Begegnungen mit extrem armen Menschen, mit Kranken und Aussätzigen entscheidend. Er erkannte in all diesen Armen Gott selbst – Gott auf Augenhöhe. Franz wird selbst zum Armen: il Poverello! Es reicht ihm nicht, nur fromm zu denken; er will das Evangelium ganz konkret leben. So wird er zum demütigen Diener aller Menschen, besonders der Armen, Ausgegrenzten, Marginalisierten und Unterdrückten.
Die radikale Wahl Gottes drängt Franziskus dazu, ebenso radikal für die Menschen da zu sein – genau so, wie Christus es uns vorgelebt hat. Er kam nicht nur für die Gesunden, sondern ganz besonders für die Kranken, die Sünder, die Verlorenen, die Hungernden und Dürstenden: für die Armen! Ihnen galt die besondere Aufmerksamkeit des Franziskus; für sie lebte er und ihnen machte er sich gleich.
Franz von Assisi – il Poverello – demütig und arm
In seinem aufmerksamen Blick und seinem Handeln für die Armen folgte Franziskus sehr konkret den Spuren Jesu Christi. Die Menschen seiner Zeit sahen Franziskus dem Herrn so ähnlich, dass sie in ihm Jesus erkannten und verehrten – und dies bereits, bevor er die Wundmale Christi an seinem eigenen Körper empfing. So verwundert es nicht, dass er bereits zwei Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen wurde. „Il Santo“ – der Heilige – wird er nicht nur in Italien genannt. Auch 800 Jahre nach seinem Tod erfährt er weltweit tiefe Verehrung.
Franz von Assisi – il Santo – der Heilige
Freiwilliger Verzicht, Gewaltlosigkeit, Solidarität mit den Armen und Ausgegrenzten, Achtung und Wahrung der Schöpfung, Einfachheit und Friedfertigkeit – all dies sind heilsame Ideale, die Franziskus aus seiner Liebe zu Gott und zu Gottes Wort mit gläubigem Leben erfüllte.
Fra Francesco, il Poverello, il Santo – der Bruder, der Arme, der Heilige: Möge er auch uns immer wieder neu ein nachahmenswertes Vorbild sein. Amen.
Pater Matthias und alle Brüder auf dem Zion und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!