Göttliche Kehrtwende
26. Oktober 2025 | Jonas Trageser OSB| Impulse
Impuls zum 30. Sonntag im Jahreskreis
Ein Pharisäer und ein Zöllner. – Im Lukasevangelium, wir kennen es gut, geht es um zwei unterschiedliche Charaktere. Keine dramatische Handlung, die Szene spielt im Tempel mit zwei betenden Männern. Der eine ist ein frommer, rechtschaffender Mann; der andere galt als niederträchtiger, kaltherziger Mensch.
Der Erste dankt Gott dafür, dass er ihm geholfen hat, den Versuchungen von Gier zu widerstehen. Plötzlich kommt die Wende: Sein Dankgebet ist darauf ausgerichtet, nicht wie alle anderen zu sein, wie der Zöllner da hinten, der es wagt, im Tempel zu beten!
Währenddessen nähert sich der Steuereintreiber – ein weniger respektabler Mann.
Demütig flüstert er ein kurzes Gebet: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Ein Gebet ohne Lobpreis, der die Größe dessen würdigt, an den er sich wendet, ohne Liebeserklärung an den Schöpfer.
Der Kontrast dieser beiden Gebete ist frappierend! Wären die Gebete laut gesprochen worden, hätte jeder in Hörweite Verständnis für das aufrichtige Gebet des Gerechten gehabt! – Dann aber eine der großen Kehrtwenden aus Gottes Barmherzigkeit.
Jesus betont die Worte: „Ich aber sage euch…“ Das bedeutet: Passt auf! Hört zu! Würde Gott ein Gebet bevorzugen, dann das schlichte Fünf-Wort-Gebet, das der Zöllner mit reumütigem Herzen spricht. Würde Gott uns ein Herz zeigen wollen, das ihm gefällt, dann nicht das eines Menschen, der fastet oder frei von Gier und Selbstbezogenheit ist. Auch nicht das Herz eines Menschen, der eine Litanei seiner sogenannten „guten Taten“ aufzählen kann. Jesus mahnt uns, im Urteil genau hinzuschauen, damit wir uns differenzierter eine Meinung bilden können.
Pater Jonas und alle Brüder auf dem Zion und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!