Gott-mit-uns in Leid und Freude

22. Juni 2025 | Basilius Schiel OSB| Impulse

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

P. Basilius Schiel OSB
P. Basilius Schiel OSB

Die Worte des Propheten Sacharja, die wir heute in der alttestamentlichen Lesung hören, werfen uns zurück auf die Mittagsstunden des Karfreitags: „Und sie werden auf mich blicken, auf ihn, den sie durchbohrt haben. Sie werden um ihn klagen, wie bei der Klage um den Einzigen“ (Sach 12,10). Worte, die in unser Stundengebet der Passionszeit Eingang gefunden haben, und die mich ziemlich anfassen, wenn wir sie singen.

Gott, der wegen uns und unseres Tuns leidet. Was für ein Donner-Wort in unsere Zeit! – Und ein leidender Gott, der uns gleichzeitig ins Gesicht sagt, dass wir deswegen klagen, schmerzerfüllt. Was für ein Gottesbild des Propheten! Mahnend und schreiend, und doch zugleich dem Menschen zugewandt. Wie die Hand des Gekreuzigten, die ER dem Guten Schächer an Seiner Seite entgegenstreckt, damit er mit IHM ins Paradies gehen kann.

Prophet Sacharja
Prophet Sacharja

Über unserem Chorgestühl in der Dormitio stehen acht Propheten, unter ihnen auch Sacharja. Wenn wir Mönche die Psalmen und Hymnen singen, singen also auch diese Propheten und viele Beter und Gottsucher des Alten Bundes mit uns. Bringen die Klagen und Fragen der Menschen vor Gott, loben IHN und danken IHM. – Das ist mehr als ein Bild, das tröstet und motiviert!

Und mit unserem Propheten Sacharja, der in der heutigen Lesung vom Leid und vom Schmerz singt, klingt dann auch ein anderes großes Wort aus seinem Mund mit, das bei uns quasi „zuhause“ ist, das wir dank Händel alle mitsingen können: „Tochter Zion, freue Dich…“ – In diese Tage gesprochen, wirken die Worte aus dem 9. Kapitel von Sacharja vielleicht deplatziert. Das kann ich verstehen. – Zugleich finde ich sie aber auch tröstend. Was auch immer in den kommenden Stunden oder Tagen geschehen mag, Gott ist bei und uns mit uns: All die weihnachtlichen und österlichen Geschichten von Heimatlosigkeit und Flucht, von Verrat und Angst, aber auch von Geborgenheit und Erfüllung, von Nähe und Neuanfang, von Liebe und Hoffnung – sie schwingen mit in den alten Liedern der Propheten und Gottsucher.

Singen wir sie weiterhin! In Sehnsucht und unter Tränen. Mit der Hoffnung in den Emmanuel, den Gott mitten unter uns! Mit Jesus, der im Leiden und in der Freude bei uns ist!

Pater Basilius und alle Mönche in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch den Frieden und die Hoffnung, die nur Gott uns schenkt!

Chorraum-Apsis der Dormitio-Basilika
Chorraum-Apsis der Dormitio-Basilika