Gott: unser fester Anker, immer vor Augen

3. März 2024 | Simeon Gloger OSB| Impulse

Impuls zum Dritten Fastensonntag

P. Simeon Gloger OSB
P. Simeon Gloger OSB

Von unserem neuen Chorgestühl aus schaut man auf eine der beiden Mosaikplatten unseres Altars: Auf ihr ist in der Mitte ein großer Anker mit sieben ihn umgebenen Fischen zu sehen. Dieses sogenannte Antemensale (von lateinisch ante, „vor“, und mensa, „Tisch“) zierte an der gleichen Stelle schon den alten Hochaltar (1938) der Dormitio-Basilika. Seit frühchristlicher Zeit ist der Anker ein Sinnbild für die Hoffnung. Dabei spielte sicherlich seine Form eine große Rolle. Die Querstange und die oben am Anker befindliche Öffnung für das Seil, lässt in ihm sowohl das Kreuz („Ankerkreuz“) als auch das Christusmonogramm (⳨) leicht erkennen.

Mosaiktafel an unserem Altar.
Mosaiktafel an unserem Altar.

Die einzige Stelle im Neuen Testament, die vom Anker spricht – abgesehen von der Schiffbruchszene des Paulus in der Apostelgeschichte –, ist im Hebräerbrief zu finden: „In ihr [sc. in der dargebotenen Hoffnung] haben wir einen sicheren und festen Anker der Seele, der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang; dorthin ist Jesus für uns als Vorläufer hineingegangen“ (Hebr 6,19f.). Seefahrtmetaphorik und alttestamentliche Kulttradition sind hier verschränkt. Vom Allerheiligsten ist die Rede, in dem sich auf geheimnisvolle Weise durch Jesus Christus als der Hohepriester des Neuen Bundes unser Heilswerk vollzieht.

Der Anker als Hoffnungssymbol schlechthin an dem Ort, wo wir tagtäglich die Eucharistie feiern, will ausdrücken: Fester als in Gott kann unsere Seele nicht verankert sein. Gerade in dieser Zeit, in der alle Perspektiven in diesem Heiligen Land so hoffnungslos erscheinen, tut es gut, dass wir als Mönche bei jedem unserer Gebete den Anker vor Augen haben.

Pater Simeon und die Brüder vom Zion und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Dritten Fastensonntag und eine gute Woche!