Gottvertrauen oder Einsatz für den Nächsten?
20. Juli 2025 | Elias Pfiffi OSB| Impulse
Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis
Maria und Martha. Das sind die Namen der beiden Schwestern aus Bethanien, bei denen Jesus immer wieder zu Gast war. Ursprünglich sind sie biblische Personen, aber sie sind zu Symbolfiguren geworden. Sie stehen für Kontemplation und Aktion, für Beten und Arbeiten, für Gottvertrauen und Dienst am Nächsten. Dabei steht Martha für die Diakonie, die sich aktiv für andere einsetzt, und Maria repräsentiert die Kontemplation, die sich dem Hören des Gotteswortes und dem Gebet hingibt.
Im normalen Alltag ist mir Martha oft näher, ich empfinde mehr Sympathie für sie, verstehe ihr Bemühen um Gastfreundschaft und ihren Ärger über ihre Schwester, die scheinbar einfach nur dasitzt. Aber Maria ist die Hörende, die den Worten Jesu lauscht und so ihn und seine Botschaft aufnimmt.
In der Geschichte der Auslegung dieser Perikope wurden die beiden Haltungen oft gegeneinander ausgespielt. Was ist wichtiger? Was ist besser? Kann man so einfach den „guten Teil“ wählen wie Maria?
Doch was sagt der Evangelist Lukas selbst dazu? In welchem Kontext steht bei ihm diese Erzählung? Gleich nach dem Besuch bei Maria und Martha lehrt Jesus seine Jünger das Beten, speziell das Vaterunser: der Schwerpunkt liegt demnach auf der Kontemplation. Direkt vor dem Besuch bei den beiden Schwestern hat Lukas jedoch die Geschichte vom Barmherzigen Samariter gestellt. Darin erzählt er von der Notwendigkeit zuzupacken, wenn Menschen in Not sind. Wer auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho einen Verletzten sieht und an ihm vorübergeht – aus scheinbar religiösen Gründen, der kann Gott nicht lieben und erfüllt nicht seine Gebote.
Die verschiedenen Episoden illustrieren das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe. Die Lebenserfahrung der frühen Kirche veranlasste Lukas womöglich, die Geschichten direkt hintereinander zu stellen, als Ergänzung und Korrektur. Denn in der Praxis, in unserem täglichen Leben stehen wir Christinnen und Christen oft vor einer schweren Aufgabe. Wir müssen jeweils neu erkennen, was das Gebot der Stunde ist: Aktion oder Kontemplation. Oder sollte man nicht besser sagen: Aktion und Kontemplation. Das Entscheidende ist das UND!
Pater Elias und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!