Große Verantwortung für eine kleine Gebetsgemeinde?
21. September 2025 | Simeon Gloger OSB| Impulse
Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis
„Für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben…“ (1 Tim 2,2)
Sehr oft beginnt eine Bitte unserer Fürbitten am Sonntag auf diese Weise. Explizit fordert uns der Erste Timotheus-Brief in dem Abschnitt, der heute für die zweite Lesung vorgesehen ist, genau dazu auf: Für alle Machthabenden zu beten.
Im Gebet für „Könige und für alle Hochgestellten“ (in der Übersetzung nach Fridolin Stier) geht es nicht in erster Linie um deren Wohlergehen oder deren Gesundheit. Vielmehr wird vor dem Angesicht der weltlichen Gewalt das Gebet um Frieden betont: „damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.“ (1 Tim 2,2)
Natürlich spiegelt sich in diesem „Brief an Timotheus“, der in der Tradition des Apostel Paulus geschrieben ist, die damalige Christenverfolgung wider.
Gleichzeitig wird aber doch überdeutlich, wie aktuell solche Gebete für all jene sind, die uns regieren – allemal, wenn wir die derzeitige bedrückende Situation hier im Heiligen Land vor Augen haben.
Wir beten immer wieder darum, dass die Mächtigen, die Politikerinnen und Politiker die Menschenwürde des Einzelnen nicht aus dem Blick verlieren, dass sie mit Klugheit und Weisheit agieren – und sich vor allem für ein Ende der Gewalt einsetzen.
Dieses kleine Gebet ist eine große Verantwortung für eine kleine Gebetsgemeinde, die doch eigentlich machtlos ist. – Und doch beten wir immer wieder an jeden Abend im Lobgesang Mariens voller Gewissheit: „Machthaber stürzt ER von Thronen und Niedrige erhöht er.“ (Lk 1,52)
Pater Simeon und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche im Vertrauen auf Gottes Macht und Liebe!