Keine Ausrede für Nächstenliebe

28. Juni 2026 | Simeon Gloger OSB| Impulse

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

P. Simeon Gloger OSB
P. Simeon Gloger OSB

Ein „Becher frisches Wasser“ (Mt 10,42) – in diesen ungewöhnlich, ja fast schon unerträglich heißen Sommertagen tut dieser besonders gut. In Gedanken bleibt man bei der heutigen Verkündigung des Evangeliums unwillkürlich bei diesem Wort hängen. Das Wasser-Trinken ist im Hochsommer sehr wichtig und diese so banale und alltägliche Geste, über die wir eigentlich nie groß nachdenken, ist für viele in diesen Tagen lebensnotwendig.

Noch einmal mehr wird deutlich wie passend dieses Wort aus dem heutigen Matthäus-Evangelium ist, wenn man genauer in den Text schaut. Eigentlich müsste es sogar als „Becher kühlen Wassers“ (nach Fridolin Stier) übersetzt werden, der dem Gegenüber gereicht wird. Diese simple Handlung ist jedenfalls die grundsätzlichste Geste der Nächstenliebe überhaupt.

Der heilige Hieronymus meint, dass jeder, sogar der Ärmste, diese Handlung leicht erfüllen kann: „Wir sollen von ganzem Herzen einen Becher kalten Wasser reichen. Er (Jesus) sprach von ‚kaltem‘ statt von ‚heißem‘ Wasser, damit wir nicht wegen unserer Armut – etwa aus Mangel an Brennmaterial für heißes Wasser – Einwände erheben könnten.“ Es gibt also (eigentlich) keine Ausrede für dieses Handeln.

Ein kleines alltägliches Zeichen der Nächstenliebe gewinnt auf einmal große Bedeutung – mitten im Sommer. Manchmal ahnen wir es nicht einmal, wie wichtig diese Gesten für unser Gegenüber (geworden) sind. Ausreden gibt es jedenfalls keine mehr, im Hochsommer mit einem „Becher frischen Wassers“ anzufangen... Noch dazu ruft Jesus jedem, der so handelt, zu: „Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.“ (Mt 10,42).

Pater Simeon und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche mit wohlkühlen Erfahrungen!