Mehr als nur eine "Tante"...
10. Februar 2026 | Basilius Schiel OSB| Impulse
Impuls zum Festtag der hl. Scholastika
In der benediktinischen Welt, zumal in unseren Frauenklöstern, feiern wir heute das Fest der heiligen Scholastika, der Schwester des heiligen Benedikt.
Aus Mönchsperspektive wäre es so etwas wie das Fest unserer heiligen „Tante“, insofern wir Benedikt oft als unseren „Heiligen Vater“ bezeichnen. Aber das klingt eigenartig, „heilige Tante“. – Nicht weniger merkwürdig wäre es, die heilige Scholastika als „bessere Hälfte“ des heiligen Benedikt zu bezeichnen.
Und doch treffen beide humorvoll verstandenen Bezeichnungen etwas Wahres: Denn natürlich gibt es auch in Ordensfamilien solche quasi-familiären Beziehungen. Wir leben ja nicht als engelgleiche Glaskörper nebeneinanderher. Das kann – wie in biologischen oder anderen soziologischen Familien – mal gut und mal besser und mal ganz anders laufen. Eine „Tante“ kann da ihre eigenen, wichtigen Rollen spielen. Und dass Scholastika die „bessere Hälfte“ ist, erzählt Gregor der Große in seinen „Dialogen“, wenn er von der berühmten letzten Begegnung der heiligen Geschwister berichtet, als Bendikt am Abend in sein Kloster zurückkehren wollte, aber durch das Gebet von Scholastika und das dadurch ausgelöste Unwetter daran gehindert wird. Er wollte sich an das – genauer: an sein – Gesetz halten. Aber sie war mächtiger, weil sie die größere Liebe hatte, wie Gregor schreibt.
So ist das Scholastika-Fest jedes Jahr, wenn wir in den Vigilien diese Episode aus dem Leben Benedikts und Scholastikas lesen, eine Erinnerung und eine augenzwinkernde und herztiefe Erinnerung daran, dass unsere „Männer-Kirche“ immer wieder selbstkritisch die Rolle, die Qualitäten und Berufungen unserer Frauen bedenken und durchbeten darf!
Und daher wünsche ich an diesem Scholastika-Fest besonders allen Schwestern und Tanten, allen Müttern und Töchtern – sei es geistlich oder biologisch verstanden –, allen Beterinnen und Mächtigeren (f) ein gesegnetes und kraftvolles Fest der heiligen Scholastika!
Im Gebet verbunden, Pater Basilius und alle Eure Brüder in Jerusalem und Tabgha!