Mit Hoffnung und Liebe gegen die/das Wüste!

9. März 2025 | Elias Pfiffi OSB| Impulse

Impuls zum Ersten Fastensonntag

P. Elias Pfiffi OSB
P. Elias Pfiffi OSB

In Tabgha am See Genezareth ist schon mit Macht der Frühling ausgebrochen, überall grünt und blüht es. Am Wegrand stehen die gelben Ginsterbüsche in voller Pracht und auf den Wiesen blühen die roten Anemonen. Da fällt es schwer, sich die Wüste vorzustellen. Da braucht es schon eine gute Fantasie. Oder man fährt von uns aus hundert Kilometer in den Süden ans Tote Meer oder nach Jericho zum Berg der Versuchung, dem traditionellen Ort des Sonntagsevangeliums.

Wüste ist aber nicht nur ein lebensfeindlicher Ort oder eine steinige Landschaft. Wüste kann auch Beziehung, Verhalten oder einen Charakterzug beschreiben. Im Hochdeutschen wird das Wort „wüst“ eher selten verwendet, aber im meinem pfälzischen Heimatdialekt war es das meistgebrauchte Wort, um ein bösartiges und hässliches Verhalten zu beschreiben. Im Kindergarten und in der Schule waren wir oft „wüst“ zueinander. Ein wüster Kerl ist rücksichtslos, rüde und ruppig, ein wüstes Treiben ausschweifend, abscheulich und abstoßend. Leider erleben wir auch heute immer wieder im Großen und im Kleinen ein solch unhöfliches und grobes Miteinander, einen Wust von Hass, Frechheit und Hässlichkeiten.

Jesus war vierzig Tage in der Wüste und hat den Versuchungen der Macht und der Geltungssucht standgehalten – den Versuchungen, die häufig die tieferen Gründe für das wüste Treiben und Miteinander bei uns Menschen sind. Die Fastenzeit kann uns wachsam werden lassen für das eigene grobe Verhalten und auch für die wüste Hetze um uns herum. Sie lädt uns ein, bei diesem hässlichen Spiel nicht mitzumachen, sondern diesem üblen Teufelskreis mit Geduld, mit Barmherzigkeit und mit Vergebung entgegenzutreten. Mit dem Vertrauen auf Gottes Wort, mit gläubiger Hoffnung und mit beharrlicher Liebe kann uns dies gelingen.

Pater Elias und alle Brüder in Tabgha und auf dem Zion wünschen Euch einen gesegneten ersten Sonntag in dieser Österlichen Bußzeit!