Ostermensch sein

3. Mai 2026 | Josef San Torcuato OSB| Impulse

Impuls zum 5. Ostersonntag

P. Josef San Torcuato OSB
P. Josef San Torcuato OSB

Ich frage mich in diesen Wochen oft: „Bist du ein Ostermensch? Sind wir – als kleine Mönchsgemeinschaft, als Teil der Kirche von Jerusalem – Ostermenschen?“

Es gibt so vieles in meiner kleinen und in der großen Welt, das dagegen spricht: Lüge und „Neusprech“ menschenverachtender Opportunisten, die politisch oder wirtschaftlich von den heißen und kalten Kriegen unserer Zeit zu profitieren scheinen; Hass, Rassismus, Gewalt und Tod in der Ukraine, dem Nahen Osten und im Heiligen Land; die Verzweiflung der Vertriebenen und Flüchtlinge; die permanente Versuchung zur Hoffnungslosigkeit derer, die bleiben, sich nicht abfinden wollen mit der sogenannten Macht des Stärkeren.

Was ist der Ausweg aus diesen und ähnlichen Erfahrungen, die mich täglich bedrängen? Kann es in solch einem Wahnsinn überhaupt Vernunft geben?

Es gibt keine einfachen Antworten. Aber ich halte mich daran fest: Tod und Vernichtung des Unschuldigen sind nicht das Ende der Geschichte. Die Hoffnung auf Auferstehung ist dem Tod mehr als gewachsen. Das heutige Sonntagsevangelium ruft es mir mit den Worten Jesu selbst in Erinnerung: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Das Ostergeheimnis, das ja in der Gleichzeitigkeit des Todes Jesu und seiner Auferstehung liegt, kann zu meiner Antwort werden.

Ich bin dann ein Ostermensch, wenn ich im Glauben anerkenne, dass den todbringenden Ereignissen meines Lebens und meiner Zeit etwas Entscheidendes entgegensteht: die den Tod besiegende Liebe Gottes im Leben, Tod und der Auferstehung seines geliebten Sohnes, Jesus Christus.

Pater Josef und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche im Licht der siegreichen Liebe Gottes!