Feier unseres Patroziniums „Mariä Himmelfahrt”

15. August 2025 | Meldungen

Mit dem Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grabe, Fernando Kardinal Filoni, und einer bunten Gemeinde aus einheimischen Gläubigen und Ordensleuten haben wir am 15. August das Hochfest der „Aufnahme Mariens in den Himmel” gefeiert.

Gebet um den Frieden, Kräutersträuße und herzliche Begegnungen

Marienfigur in der Krypta am Festtag mit den Körben mit den Kräutersträußchen.
Marienfigur in der Krypta am Festtag mit den Körben mit den Kräutersträußchen. | © Foto: Marie Chowanietz

Unser Patronatsfest der Aufnahme Mariens in den Himmel trägt jedes Jahr die Signatur des hohen Sommers in der Heiligen Stadt: Es sind gewöhnlich sehr heiße Tage im Dazwischen zweiter Schuljahre, Tage zwischen akademischen Jahren, Tage vor den personellen Wechseln auch in den Pfarreien und Schulen des Lateinischen Patriarchates, Zwischen-Situationen für viele Menschen. Normalerweise durchaus eine Zeit mit vielen Pilgern, die dann auch an unserem Hochfest teilnehmen. – Doch Mariä Himmelfahrt 2025 ist auch vor dem Hintergrund des immer noch wütenden Krieges zu sehen. Und wie viele größeren kirchlichen Feiern im Heiligen Land wurde so auch unser Patronatsfest zu einem Gebet um Versöhnungm Heilung und Frieden.

Auch (oder gerade weil) immer noch kaum größere Pilgergruppen im Heiligen Land sind, haben wir uns umso mehr über unseren Ehrengast gefreut: Kardinal Fernando Filoni, den Großmeister des Ordens der Ritter vom Heiligen Grabe zu Jerusalem, der im Rahmen einer kleinen privaten Pilgerreise diese Tage mit unserer benediktinischen Gemeinschaft in Jerusalem und in Tabgha verbracht hat. – Es war uns eine große Ehre und Freude und zugleich ein prophetisches und ermutigens Zeichen für alle, die nicht nur im Herzen ins Heilige Land pilgern (wollen), dass Kardinal Filoni mit uns das Hochfest gefeiert hat, dass er sich auch für unsere Mönchsgemeinschaft Zeit zur Begegnung genommen hat, dass er mit den Brüdern und unseren jungen „Kloster-auf-Zeit”-Gästen die Heiligen Stätten aufgesucht und dort gebetet hat.

Unser Fest selbst war eine wunderbare Feier, die gezeichnet war von der letztlich internationalen und bunten Festgemeinschaft, was sich auch in den verschiedenen Sprachen spiegelte, die in der Liturgie im gemeinsamen Gebet erklangen. Dem Pontifikalamt stand der Kardinal-Großmeister vor, seine Predigt dokumentieren wir hier in deutscher Übersetzung, während Abt Nikodemus die traditionelle Segnung der Kräuter am Marien-Heiligtum dr Krypta vollzog. Die vorbereiteten 180 Sträußchen waren im Nu verteilt und tragen so den Segen des Hochfestes weiter. Beim anschließenden Empfang mit Gemüse- oder Gulasch-Suppe, Obst und Gebäck ging in bewährt katholischer Weise das Fest weiter.

Wir danken Kardinal Filoni und allen, die mit uns auf dem Zion gebetet, gesungen und gefeiert haben, sehr herzlich für die gemeinsamen Stunden!

Gruppenbild der Klosterfamilie mit dem Kardinal-Großmeister am Abend nach der Zweiten Vesper.
Gruppenbild der Klosterfamilie mit dem Kardinal-Großmeister am Abend nach der Zweiten Vesper. | © Foto: Marie Chowanietz

Aufnahme Mariens in den Himmel: Entschlafung oder Ostern Mariens

Fernando Kardinal Filoni
Fernando Kardinal Filoni | © Foto: Marie Chowanietz

Dieser Tag Mitte August ist in der Kirche gemäß einer alten historischen und liturgischen Tradition der Verehrung des Ostern Mariens, der Mutter des Herrn gewidmet. Dieses Fest ist auch unter dem Namen Heimgang der Jungfrau oder Entschlafung Mariens oder allgemein Aufnahme Mariens in den Himmel bekannt.

Das Hochfest an seinem eigenen Ort

In dieser ehrwürdigen Basilika hat die Gemeinschaft der deutschen Benediktiner der Kongregation von der Verkündigung die Wahrheit der marianischen theologischen und spirituellen Tradition ans Licht gebracht, die in Jerusalem ihren ersten und größten Verfechter in der Person des Patriarchen Sophronius (634-638) gefunden hat, der in seinen Anakreontischen Liedern (das heißt Elegien über das Geheimnis der Menschwerdung Christi) die mystische Größe dieser Heiligen von Zion feierte und versicherte, den Stein gesehen zu haben, an dem Maria laut der Überlieferung gestorben ist. An diesem heiligen Ort, den wir als den letzten irdischen Aufenthaltsort der Mutter Jesu betrachten, sind wir heute Pilger.

Ich bin auch Abt Nikodemus sehr dankbar für die Einladung, die er mir bereits vor einem Jahr zukommen ließ, hier in Jerusalem diese feierliche Liturgie zu begehen, und ich danke auch der gesamten Benediktinergemeinschaft für ihre liebenswürdige Gastfreundschaft.

Das Ostern Mariens

Wir fragen uns: In welchem Sinne sprechen wir vom Ostern Mariens?

Eine alte fromme Überlieferung erzählt, dass sich die Apostel zum Zeitpunkt des Todes Mariens hier, unweit des Abendmahlssaals versammelt haben, in den Jesus selbst gekommen war, um ihr beizustehen und ihren letzten Atemzug entgegenzunehmen. In einer sehr schönen und frommen Überlegung wurde angenommen, dass derjenige, der von ihr empfangen wurde, beim letzten Atemzug seiner Mutter dabei sein wollte. Dann wurde Maria begraben. Der Überlieferung zufolge erhob die Kirche unermüdlich ihr Gebet zu ihrem Sohn, sie wieder zum Leben zu erwecken. Also kam ein Engel, öffnete das Grab, und der Leib Marias wurde glorreich in den Himmel aufgenommen.

Alle sehen in dieser frommen Tradition eine starke Analogie zum Tod, zum Begräbnis und zur Auferstehung des Herrn, der seiner eigenen Mutter das vorbehalten hat, was wir als Ostern Mariens bezeichnen könnten.

Seit Menschengedenken glaubt die theologische Tradition der Kirche, wie Papst Pius XII. 1950 anlässlich der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel erklärte, dass bei ihrer glorreichen Entschlafung auf dieser Erde der Leib Marias nicht der Verwesung anheimfiel, sondern in einem festlichen Chor der Engel, der Patriarchen, Märtyrer und Heiligen in den Himmel aufgenommen wurde. Diejenige, die aufgrund der Verdienste Christi vor der Sünde bewahrt worden war, wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.

In der Tat war Maria berufen, am Geheimnis der göttlichen Erlösung mitzuwirken, und deshalb scheint es höchst angemessen, dass ihr Leib nicht der Verwesung anheimfiel. Wir können also davon ausgehen, dass das Ostern Mariens auf das Ostern des Herrn Jesus folgt und dass ihre Aufnahme in den Himmel das Tor ist, das sich am Ende ihrer historischen Zeit auf die Ewigkeit in der Herrlichkeit Gottes hin öffnet.

Der Glaube Mariens

Wenn wir von der Entschlafung Mariens sprechen, meinen wir damit also, dass sie die letzte Schwelle des Lebens nicht mit den für jeden Menschen üblichen Zweifeln oder der Angst vor dem Tod überschritten hat, sondern in der Hingabe ihres unermesslichen Glaubens an Gott. Derselbe Glaube, der sie seit ihrem ersten Ja zum Engel Gabriel begleitet hatte, welches die Menschwerdung Gottes unter uns ermöglichte, bis hin zu allen anderen Ereignissen, die in ihrem Leben folgten: Von der Verfolgung des Jesuskindes durch Herodes über das lange stille Leben im Verborgenen in Nazareth bis hin zum öffentlichen Leben und dem Geheimnis des Todes und der Auferstehung ihres Sohnes.

Gewiss, Maria trug das Leben und den Tod Jesu immer in ihrem Herzen.

Der Glaube steht im Mittelpunkt des ganzen Lebens der Jungfrau Maria: Es war derselbe Glaube wie der Israels, genährt von den Verheißungen an die Patriarchen und Propheten, der Glaube der anawim, das heißt der Demütigen und Armen, die ihr Vertrauen auf den Allerhöchsten setzten und das Kommen Christi erwarteten: Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes (Lk 6,20). Maria, die Tochter Sion, war die Erste der anawim, denn aus ihr hat der Sohn Gottes die Menschennatur angenommen (LG 55).

Maria ist jener brennende Busch, in dem die Theophanie des Ewigen Gestalt angenommen hat. Sie ist die Arche des Neuen Bundes, das Heiligtum, der Tempel, in dem die Herrlichkeit Gottes menschliche Gestalt angenommen hat.

Der Glaube Israels findet somit seinen höchsten und vollendeten Ausdruck in Maria. Deshalb verkündet die Kirche seit jeher, wie wir im Vorwort zum heutigen Hochfest folgendes lesen: Da Gott sie vor der Erbsünde bewahrt hat, „sollte ihr Leib, der den Urheber des Lebens geboren hat, die Verwesung nicht schauen“.

Stellen wir uns nun die Frage: Was bedeutet die Aufnahme Mariens in den Himmel für unseren Weg, für unser Leben? Inwiefern betrifft uns das? Handelt es sich lediglich um eine „kirchliche Lehre” oder bedeutet es noch etwas anderes?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich einen Gedanken von Benedikt XVI. aufgreifen, der in einer Predigt anlässlich dieses Hochfestes von einer dreifachen Dimension der Aufnahme in den Himmel sprach. Sie bedeutet folgendes:

  1. Wir erkennen in der Aufnahme in den Himmel, dass in Gott Raum für den Menschen ist: Gott ist nicht in sich selbst eingeschlossen, er ist der Menschheit gegenüber nicht gleichgültig, auch wenn viele angesichts des moralischen Verfalls der Menschheit das Gegenteil denken.
  2. Maria ist die Heilige Arche, die der Menschheit die Gegenwart Gottes bringt: und dies ist sehr eindrücklich, vor allem wenn man bedenkt – wie der heilige Irenäus von Lyon sagte –, dass „die Herrlichkeit Gottes der lebendige Mensch ist”.
  3. In der Menschheit kann es Raum für Gott geben. Und er fügte hinzu: Die Aufnahme Mariens in den Himmel bedeutet nicht, dass Maria sozusagen in eine unbekannte Galaxie gelangt, sondern dass sie in die Vereinigung mit Gott eintritt, die das letzte Ziel unserer Existenz ist.

Die Türen weit für die Hoffnugen öffnen

In unserer Welt, die so oft in Traurigkeit, in den Dramen des Krieges, in der Armut von Millionen von Menschen gefangen ist, die mit Krankheiten kämpfen und vom Tod bedrängt werden, ist es äußerst wichtig, dass wir uns wie Maria dem Glauben öffnen und die Türen unseres Wesens weit für die Hoffnung öffnen, damit Gott in uns eintreten kann und nicht aus unserem Leben, aus unserer Geschichte ausgeschlossen wird.

Wir erleben derzeit im Heiligen Land sehr traurige Tage aufgrund des Hasses und des Grolls, die die Köpfe und Herzen derer verblenden, die sich davon für ihre politischen, sozialen und religiösen Handlungen inspirieren lassen. Aufgrund dieses Hasses und Grolls werden Menschen getötet, zerstört und durch Akte unerhörter Gewalt vernichtet. Wir wissen inzwischen, dass dies ständig neue Kriege hervorbringt und schürt, die weder heilige Stätten noch Krankenhäuser, noch Kinder oder ältere Menschen verschonen und ganze Volkswirtschaften erschüttern, um immer ausgefeiltere und tödlichere Waffen herzustellen und einzusetzen.

Hass ist die Abwesenheit Gottes und entsteht, wenn Gott aus unserem Leben, unseren Gesellschaften und der Geschichte ausgeschlossen wird. In dieser Leere, die Gott ausschließt, lädt uns das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel ein, den Blick zu heben, und sät einen Samen neuer Hoffnung, damit sich niemand mit Groll und Gewalt abfindet.

Bitte um die Fürsprache Mariens

Möge Maria, die auserwählte Tochter dieses Heiligen Landes, heute die Herzen und den Geist derer öffnen, die Verantwortung für die Völker tragen, und bei ihrem Sohn Fürsprache einlegen – der ihr wie in Kana in Galiläa sein liebevolles Eingreifen für die Bedürfnisse der Welt nicht verweigern wird – damit die Steine, die die Gräber verschließen, in denen die Menschheit ihr Gewissen begraben zu haben scheint, weggerollt werden wie am Ostern Christi, dem Vorläufer des Ostern Mariens. Mit dem Vertrauen und der Freude des Ostern Christi und heute auch des Ostern Mariens möchten wir von Jerusalem aus voller Glauben auf die Zukunft und auf die Welt blicken.


Fotos vom Festtag


Weitere Medien

  • Auf Facebook und Instagram hat unsere Mitarbeiterin Marie Chowanietz ein feines Reel zum Festtag zusammengestellt.
  • Einen eigenen Festtags-Impuls hat der Kardinal-Großmeister für unseren Instagram-Acount aufgezeichnet.
  • Ein deutschsprachiger Beitrag des Christian Media Center beleuchtet die ganze Bandbreite der Feierlichkeiten in Jerusalem.