Viel schöner, wenn es nutzlos ist...
21. März 2026 | Josef San Torcuato OSB| Impulse
Impuls zum Hochfest des heiligen Benedikt
Gedanken zum Mönchsein am Hochfest des Heiligen Benedikt und in diesem zugleich dem 120. Jahrestag der Ankunft der ersten Mönche auf dem Jerusalemer Zionsberg.
Wollte man das Leben und die Regel unseres heiligen Vaters Benedikt mit einem Wort zusammenfassen, könnte man das Wort PAX wählen; stellt es doch gewissermaßen die Zusammenfassung der Anliegen Benedikts inmitten der Krisen und der Gewalt jenes späten Römischen Reiches dar, die uns Heutigen wieder so schmerzlich bekannt vorkommen. Man könnte aber auch ein anderes Wort wählen, das in der Benediktsregel mehrfach vorkommt: HUMANITAS. Vordergründig bedeutet es, dass der Mensch im Mittelpunkt von allem steht, und in gewisser Weise ist das auch wahr.
Doch seit der Spätantike hat sich die Bedeutung dieses Wortes ständig weiterentwickelt, bis hin zu unserer Zeit, in der manche meinen, die Menschenrechte und die Rechte Gottes radikal gegeneinander ausspielen zu müssen. Woraus besteht aber dann dieser benediktinische Humanismus, wie man ihn nennen könnte? Worin liegt das Geheimnis dieser Humanitas?
Ist es nicht der Vorrang Gottes vor jedem anderen Unterfangen, jedem anderen Verlangen, jeder anderen Tätigkeit? Bedeutet es nicht, dass ein Mönch zunächst einmal zu nichts nützt? Dass er einfach da ist in der Gegenwart Gottes, was ihn freilich zu einem Rätsel für Menschen macht, die andere Prioritäten setzen (müssen)?
Doch da man auf Erden leben muss, auch wenn man den Himmel erwartet und ersehnt, kann man sich bestimmten Verpflichtungen nicht entziehen, die nicht unbedingt spiritueller Natur sind: Das Genie des heiligen Benedikt besteht darin, aus ihnen selbst Realitäten und Tätigkeiten zu machen, die ebenfalls zu Gott führen.
Man denke nur an die Bestimmung der Benediktsregel, dass die „Gerätschaften des Klosters, die wie heiliges Altargerät“ behandelt werden sollen. Wer wäre nicht empfänglich für die ästhetische Dimension, die diese Sichtweise beinhaltet? Denn ist nicht das Schöne die Ausstrahlung des Wahren?
Es war ein Schriftsteller, der sagte: „Es ist viel schöner, wenn es nutzlos ist.“ Ja, denn Gott ist nutzlos: Er ist, ganz einfach. Er ist unendliche Liebe, die es verdient, dass wir ein Leben auf etwas anderem aufbauen als dem Rentablen; denn was uns am tiefsten leben lässt, ist dieses unverzichtbare Überflüssige, dieses „Mehr“, das nicht der Ordnung des Nützlichen oder Technischen dient, um ein quantifizierbares Ergebnis zu erzielen.
Es ist das, was aus der Unentgeltlichkeit der Liebe kommt, die das Kennzeichen all dessen ist, was Gott aus Überfluss tut. Möge der heilige Benedikt, der treue Inspirator all dessen sein, was wir wollen, tun und lassen, damit Gott in allen Dingen verherrlicht werde.
Pater Josef und alle Brüder in Tabgha und auf dem Zion wünschen Euch einen gesegneten Festtag!