Schwachheit und Ohnmacht: Grund der Freude Jerusalems
8. Dezember 2024 | Simeon Gloger OSB| Impulse
Impuls zum Zweiten Advent
Leg ab, Jerusalem
das Kleid deiner Trauer und deines Elends...
(Baruch 5,1)
Schon wieder ist an diesem 2. Adventssonntag von Jerusalem die Rede. Bereits am vergangenen Sonntag sagte ein guter Bekannter: „Die Adventstexte sind ja geradezu auf die Gegenwart und auf das Heilige Land zugeschnitten.“
In der ersten Lesung wird heute Jerusalem als personifizierte Stadt direkt angesprochen: Nach der Katastrophe der Zerstörung und des Exils in Babylon soll sich alles wieder zum Guten wenden. Es sind aufmunternde Worte des Propheten inmitten einer aussichtslosen Lage. Jerusalem ist nicht verloren! Die Verheißung zeigt, dass Gott seine Stadt nicht vergisst. Im Angesicht hoffnungsloser Zerstörung verbreitet Baruch eine geradezu beachtliche Gewissheit. Ja, noch mehr: Die Verlassenheit wird zu einem Triumphzug der Freude und der Gerechtigkeit.
Was sagen uns diese „Jerusalem-Texte“, die uns in dieser Adventszeit aufs Neue geschenkt werden, hereingesprochen in die derzeitige Situation des Heiligen Landes? Inmitten scheinbarer Aktualität darf nicht vergessen werden, dass wir uns auf die Ankunft des Friedensfürsten vorbereiten, der jegliche politische Ambitionen von sich gewissen hat. Statt Macht und Stärke bestimmen Ohnmacht und Schwachheit Krippe und Kreuz, also Anfang und Ende des Lebens unseres Messias.
Doch auch von ihm gilt das Wort Baruchs: „Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm“ (Bar 5,9). Spüren wir in den kommenden Tagen nach, wo wir dies erfahren dürfen. Dann können wir uns auch „mit Jerusalem“ freuen.
Pater Simeon und alle Brüder am See Genezareth und auf dem Zionsberg wünschen Euch einen gesegneten Zweiten Adventssonntag und eine weitere gute weitere Woche in der Vorbereitung auf das Fest der Ankunft des wahren Friedensfürsten!