„Schwerter zu Pflugscharen!"

30. November 2025 | Basilius Schiel OSB| Impulse

Impuls zum Ersten Advent

Basilius Schiel OSB
Basilius Schiel OSB

„Schwerter zu Pflugscharen!“ – Dieser prophetische Aufruf trifft uns am ersten Adventssonntag aus dem Mund des Propheten Jesaja. Aber auch die Propheten Joel und vor allem Micha rufen es in die Welt.

Ein beherzter und tiefer Appell zu Abrüstung und echtem Streben nach Gewaltfreiheit und Frieden!

Zugegebenerweise, Vereinfachungen und Reduzierungen sind selten wirklich hilfreich und können leicht an der Komplexität des Lebens scheitern. Aber dürfen wir deshalb solche kraftvollen und sehnsuchtsvollen Worte der alten Gottsucher einfach zur Seite legen? Können wir das überhaupt?

Nein. Schlicht: Nein!

Das scheint weltfremd und realitätsfern. Das räume ich gerne ein. – Angesichts der todesverliebten Hamas und einer israelischen Regierung im immer noch irrationalen Kriegsrausch; angesichts eines Despoten und Weltverächters im Kreml und eines erratischen, geld- und geltungsmoralischen Präsidenten im Weißen Haus scheint das Singen der alten Lieder der Propheten und Gottessucher tatsächlich naiv und utopisch:

„Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. – Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. – Haus Jakob, auf, wir wollen gehen im Licht des Herrn.“ (Jesaja 2,4-5)

Wir aber leben in Tagen, in denen wieder mehr Schwerter und Lanzen geschmiedet werden, in denen wieder mehr Frauen und Männer den Krieg lernen. – Realismus, Vernunft, Realpolitik? Vielleicht.

Als Kirche treten wir mit diesem Sonntag wieder ein in den großen Weihnachtsfestkreis:

Wir erinnern uns gerade der Worte und Mahnungen der Propheten. Der alten Verheißungen über den kommenden Friedenskönig.

Und wir feiern Seine Ankunft. Seine Geburt: in Bethlehem, Washington und Moskau, Gaza und Yaffa. – Sein Leben mitten unter uns Menschen: im Krankenhaus und im Kindergarten, in den Flüchtlingscamps dieser Welt und in den Parlamenten und Regierungssitzen, bei Dir und bei mir.

Wir verkünden in unserem Beten und Feiern Seine Königsherrschaft, die nicht auf Waffengewalt und Geldmacht basiert.

„Schwerter zu Pflugscharen!“ – Was den einen als vernunftloser, ja, verantwortungsloser Pazifismus erscheinen mag, das bleibt für uns als Christinnen und Christen gültige Verheißung, legitimer Wunsch und gläubige Verpflichtung!

Als Schwestern und Brüder Christi können und dürfen wir eigentlich gar nicht anders als für Abrüstung einzutreten…

Mit den Worten von Papst Leo XIV.:

„Entwaffne deine Hand und noch zuvor dein Herz. […] Der Friede ist unbewaffnet und entwaffnend. Er ist keine Abschreckung, sondern Geschwisterlichkeit, kein Ultimatum, sondern Dialog. Er wird nicht als Ergebnis von Siegen über den Feind kommen, sondern als Ergebnis der Aussaat von Gerechtigkeit und mutiger Vergebung.“ (11. Oktober 2025)

…und Schwerter werden zu Pflugscharen!

Pater Basilius und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Ersten Adventssonntag! – Und allen Frauen und Männern mit dem Patronat des Apostels Andreas wünschen wir einen gesegneten und glücklichen Namenstag!