Um uns heil zu machen

7. Juni 2026 | Josef San Torcuato OSB| Impulse

Impuls zum 10. Sonntag im Jahreskreis

P. Josef San Torcuato OSB
P. Josef San Torcuato OSB

Eine wahre Begebenheit aus der Seelsorge: „Herr Pater, ich komme zur Beichte, aber wenn Sie wüssten, wie schwer mir das fällt!“ – „Ja, das verstehe ich; aber Sie sind nicht allein: mir geht’s oft genauso!“ Woher kommt das? Wieso fällt es uns oft so schwer uns zu öffnen, uns auszusprechen oder zu beichten, das Sakrament, ja, das Fest der Versöhnung zu feiern?

Es ja wahr: wenn ich so auf mein Leben schaue, ist da noch lange nicht alles Gold, was zu glänzen vorgibt. Trotz all meiner Bemühungen, meiner guten Vorsätze und meines guten Willens verfalle ich immer wieder in die alten Fehler, in dieselben kleinen oder großen Ungerechtigkeiten und Lügen, in den immer gleichen Egoismus, kurz gesagt, in meine allzu vertraute Sünde. Das kann auf Dauer ganz schön entmutigend und sehr demütigend sein!

Die Frommen, die Gottsucher, die Pharisäer im heutigen Sonntagsevangelium glauben, dass sie sich sozusagen „anstecken“ könnten, wenn sie mit einem notorischen Sünder, einem verachteten Kollaborateur, einem „Kranken“ Tischgemeinschaft hätten. Jesus möchte ihnen und seinen Hörern zeigen, dass Ansteckung auch in die andere Richtung wirken kann: Sein Wort und seine Haltung der Güte können stärker sein als alle faulen Kompromisse, die uns kompromittieren, stärker als alles Versagen und alles Böse. Sein ansteckendes Wort kann alle heil machen, die nur darauf hoffen. „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“

Und dann steht da das andere starke Wort Jesu: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ Aber täuschen wir uns nicht: Jesus ist kein Populist, der polarisieren, die gute Barmherzigkeit gegen das schlechte Opfer ausspielen will. Im Lateinischen stammt das Wort Opfer von „sacrum facere“, etwas heilig machen.

Im Gottesdienst des Tempels von Jerusalem wurden Hunderte von Tieren geopfert, um Gott etwas Wertvolles darzubringen, das man Ihm als Opfer des Lobes, der Gemeinschaft oder der Sühne zurückgab. Denen, die Gott im Opferdienst des Tempels begegnen wollten, ruft schon der Prophet Micha in Erinnerung:

Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist
und was der HERR von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott. Micha 6,8

Eine gut erfüllte Aufgabe, eine gut gemachte Arbeit, ein froh und großmütig geleisteter Dienst, ohne auf Lohn zu schielen, der Verzicht auf ein verletzendes Wort: das ist es, was „das Heilige tun“, was Opfer bedeutet. Jesus ist gekommen, um dies mit und für uns zu tun. Er lässt sich an unseren Tisch einladen, um uns heil zu machen, das Fest der Versöhnung zu feiern und das, was Er in uns begonnen hat zu vollenden.

Pater Josef und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!