„Und eines Tages wirst Du...”
23. Februar 2025 | Efrem Stoś OSB| Impulse
Impuls zum 7. Sonntag im Jahreskreis
Das heutige Evangelium (Lk 6,27-38) erinnert uns an zwei der schwierigsten Prinzipien der Ethik Jesu: die Feindesliebe und die Überwindung des Bösen durch das Gute.
Wahrscheinlich hat jeder von uns in seinem Leben schon Situationen erlebt, in denen wir uns die dramatischen Fragen stellen mussten: Ist es wirklich möglich, einen Feind zu lieben, der mir oder meinen Nächsten Böses angetan hat? Wie kann man Böses mit Gutem vergelten? Ist das nicht ein Zeichen von Wahnsinn oder zumindest von Schwäche? Verlangt Gott nicht etwas Unmögliches von uns, das unsere Kräfte übersteigt?
Eine Hilfe bieten die nächsten Verse des heutigen Evangeliums. Jesus begründet das Gebot der Feindesliebe mit der sogenannten Goldenen Regel des Lebens: „Was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!” (vgl. LK 6,31). Das bedeutet eine grundsätzliche Akzeptanz aller Menschen, auch derer, die durch Sünde oder Böses am meisten belastet sind.
Der heilige Johannes Chrysostomus kommentiert diesen Abschnitt des Evangeliums so: „Den Feind lieben heißt, ihm sagen: Ich verurteile dich nicht; du bist von Gott geschaffen, erlöst und geliebt wie ich. Es ist gut, dass du auf der Welt bist! Es ist gut, dass es dich gibt! Trotz allem, was geschehen ist, trotz allem Schrecklichen, will ich, dass du existierst und lebst. Und eines Tages wirst du mit Gottes Gnade den richtigen Weg zu Gott und zu den Menschen finden.”
Pater Efrem und die Brüder auf dem Zion und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!