Ein Zelt mit Wurzeln. – Klingt fast wie ein Widerspruch in sich selbst. Denn Wurzeln sind ja eben nicht nur ein Bild, sondern sogar das Versprechen von Stabilität, von Dasein und Bleiben, von Wachsen und Gedeihen, fest und verwurzelt eben. Ein Zelt ist dagegen ein Dach auf Zeit, heute hier und gegebenenfalls morgen schon wo-ganz-anders, mobil eben, leicht und frei.
In der alttestamentlichen Lesung dieses Sonntags sagt die personifizierte Weisheit aber genau das von sich selbst aus: Dass sie auf Geheiß des Schöpfers des Alls ihr Zelt in Jakob, in Israel, auf dem Zion, in Jerusalem aufschlagen soll, und dass sie diesem Auftrag folgend genau dort dann Wurzeln schlägt.
Wir dürfen in dieser personifizierten Weisheit – zumal in unserer christlich-weihnachtlichen Brille – Christus selbst sehen, das Fleisch gewordene Wort Gottes, den Logos. Zumal es im Tagesevangelium ja auch heißt, dass dieses Wort Gottes „unter uns gewohnt“, wörtlich: „gezeltet“, hat.
Wir Mönche leben und beten im Heiligen Land, und das tun wir sehr gerne, und das wollen und werden wir auch weiterhin tun! Als Mönche sind wir aber auch immer wie Fremde und Pilger in einem fremden Land: Unterwegs mit unserem Gott, der sich selbst einwurzelt in unsere Herzen, in unser Gebet, in unsere Dienste, in die Zelte unseres Lebens, damit wir den Weg zu IHM selbst finden.
In dieser Demut, in dieser Hoffnung, in dieser Freude wollen wir auch mit Euch in dieses neue Jahr gehen: Mit dem Zelt der Freiheit der Kinder Gottes über unseren Köpfen und unter den Füßen die Wurzeln derer, die auf Gott, den Schöpfer des All vertrauen!
SEINEN überreichen Segen für das noch junge Jahr wünschen wir Euch von Seinem Berg und von Seinem See!
Eure Brüder in Tabgha und Jerusalem!