Verleihung des Mount Zion Award 2025

10. Oktober 2025 | Mount Zion Award

Der Mount Zion Award 2025 wird an Personen verliehen, die ihren eigenen Weg gefunden haben, ihre Menschlichkeit und die Menschenwürde des Anderen angesichts der Massaker vom 7. Oktober 2023 zu verkörpern.

Die Dormitio-Basilika vor der Altstadt und dem Ölberg.
Die Dormitio-Basilika vor der Altstadt und dem Ölberg.

Das Verständnis zwischen den drei monotheistischen Religionen – dem Judentum, dem Islam und dem Christentum – zu fördern, war ein Herzensanliegen, von Pfarrer Wilhelm Salberg (1925–1996), dem Stifter der Mount Zion Foundation. Im Jerusalemer Zionsberg erkannte den er ein wirkmächtiges Symbol für das Wirken des Geistes Gottes in der Geschichte der Menschheit. Der Mount Zion Award wird daher in der Regel alle zwei Jahre in unserer Abtei an Menschen verliehen, die sich auf diesem Feld besonders verdient gemacht haben. Dies geschieht meist Ende Oktober in zeitlicher Nähe des Jahrestages der bahnbrechenden Konzilserklärung Nostra Aetate über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, das am 28. Oktober 1965 veröffentlich wurde.

In diesem Jahr haben wir die besondere Ehre und Freude, sowohl den 100. Geburtstag von Pastor Salberg als auch den 60. Jahrestag der bahnbrechenden Erklärung Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils zu feiern.

Der Mount Zion Award 2025 wird an Dr. Karma Ben-Johanan und die vier Cousins Ismail, Rafi, Chamad und Dahesch Alkrenawi verliehen. Sie haben jeweils auf ihre Weise angesichts der Massaker des 7. Oktober Menschlichkeit und Menschenwürde gelebt und verkörpert. Damit haben sie Brücken und Wege über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg gefunden, die unsere Welt gerade jetzt so dringend braucht.

Einladung zu den Veranstaltungen

Samstag, 25. Oktober 2025, 20.00 Uhr

  • Vorlesung von Dr. Karma Ben-Johanan
  • “Dialogue While the Canons Roar?”
  • Dormitio-Basilika

Sonntag, 26. Oktober 2025, 16.00 Uhr

  • Verleihung des Mount Zion Award 2025
  • Laudator: Bodo Ramelow MdB, Vizepräsident des Deutschen Bundestages
  • Dormitio-Basilika

Die Alkrenawi Cousins

Ismail, Rafi, Chamad und Dahesch Alkrenawi, vier Cousins, gehören zu den Menschen, die verhindert haben, dass der 7. Oktober 2023 zu einem noch unmenschlicheren und grausameren Tag wurde.

Die vier Alkrenawi-Cousins. (Zum Foto siehe im Text.)
Die vier Alkrenawi-Cousins. – Photo Credit: Screenshot aus dem Youtube Video “Partners in Fate - Arab citizens heroic rescue of Jews from the Be’eri Massacre”(*)

In den frühen Morgenstunden dieses Sabbatmorgens machten sie sich in ihrem Jeep auf den Weg, um ihren Cousin Hisham Alkrenawi zu retten, und fanden sich mitten auf dem Gelände des Nova-Festivals wieder, und es war für sie in diesem Moment fraglos, dass sie diesen verfolgten, verwundeten, verängstigten und verwirrten jungen Menschen helfen mussten. Unter Einsatz ihres egenen Lebens evakuierten sie nach und nach etwa vierzig Festivalbesucher mit ihrem Jeep aus dem Kriegsgebiet, bevor sie erst einige Stunden später ihren eigenen Cousin retten konnten.

Die muslimische Familie Alkrenawi gehört zu den Beduinenclans, die in der Wüstenstadt Rahat leben, sie sprechen sowohl Arabisch als auch Hebräisch, arbeiten in den nahegelegenen Kibbuzim rund um den Gazastreifen oder in Be'er Sheva. Natürlich haben sie auch Verbindungen zur Bevölkerung in Gaza. Das verschafft ihnen eine einzigartige Position im Süden Israels, wo sie ein Leben im „Dazwischen“ führen. Auch ihr Glaube verleiht dieser Existenz im „Dazwischen“ auch das Potenzial, als Brücke zu wirken.

Die Realität des 7. Oktober aber ist deutlich prosaischer und grausamer: Kurz nachdem sie ihren Cousin Hisham und seine israelische Begleiterin Aya Maydan, die sich stundenlang in einem Erdnussfeld versteckt hatten, gerettet hatten, umzingelten israelische Soldaten den weißen Jeep der Familie Akrenawi mit erhobenen Waffen. Nachdem sie vierzig jungen Juden das Leben gerettet hatten, drohte ihnen nun der Tod durch israelische Soldaten. Aya Maydan, selbst verängstigt, gelingt es, die emotional aufgeladene Situation zu klären. – Vermutlich nur einer der zutiefst bewegenden Momente des „7. Oktober“, in dem trotz der absolut verstörenden Unmenschlichkeit auf die bestmögliche Weise auch die Menschlichkeit zum Vorschein kommt.

Später, als Aya Madan mit anderen Evakuierten und Geretteten in einem Bus nach Be'er Sheva gebracht wird, folgen die Akrenawi-Cousins in ihrem Jeep dem Bus. Hisham ruft sie an und sagt:

Wir sind hier bei dir! Du bist nicht allein!“

Link zum Youtube-Video “Partners in Fate - Arab citizens heroic rescue of Jews from the Be’eri Massacre” auf dem Kanal von “Have You Seen the Horizon Lately”


Dr. Karma Ben-Johanan

In den Tagen nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 nahmen nicht nur antisemitische Äußerungen und Handlungen weltweit sprunghaft zu. Viele Dialoginitiativen in Israel und im Westen wurden seitdem ausgesetzt oder sind in eine Krise geraten.

Dr. Karma Ben-Johanan
Dr. Karma Ben-Johanan (Foto: Assaf Feldman)

Dr. Karma Ben-Johanan, eine der innovativsten Israelis im jüdisch-christlichen Dialog, wendete sich am 12. November 2023 in einem offenen Brief an Papst Franziskus, der seitdem von renommierten jüdischen Intellektuellen und Rabbinern unterzeichnet wurde. Darin beschreibt sie den tiefen Schock für das jüdische Vertrauen und erinnert den Papst daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil das gemeinsame spirituelle Erbe von Juden und Christen betont (Nostra aetate 4). Sie schreibt, dass es um das Band der Freundschaft geht, das sich seitdem entwickelt hat und sich nun bewähren muss. Der Brief sei weder politisch noch diplomatisch motiviert, da die Krise über soziale Dimensionen hinausgehe. Spirituelle Solidarität müsse durch eine klare Verurteilung des Antisemitismus, die ausdrückliche Anerkennung des Staates Israel und ein starkes Bekenntnis zur Gerechtigkeit zum Ausdruck gebracht werden, damit das Böse nicht die Oberhand gewinnt.

Dr. Ben Johanan, Dozentin am Institut für Vergleichende Religionswissenschaft der Hebräischen Universität, hat sich unermüdlich für die interreligiöse Verständigung eingesetzt, selbst in der schwierigen politischen Situation der letzten zwei Jahre, in der akademische Einrichtungen in Israel zunehmend isoliert wurden. Sie ist Mitglied des Akademischen Ausschusses des Zentrums für Christentumsforschung und des Avraham-Herman-Forschungsinstituts für zeitgenössisches Judentum an der Hebräischen Universität sowie des Stephen-Roth-Instituts für die Erforschung von zeitgenössischem Antisemitismus und Rassismus an der Universität Tel Aviv. Sie hat ein Forschungsprojekt zum Christosemitismus ins Leben gerufen und ist weiterhin eine wichtige Dialogpartnerin in den Vereinigten Staaten, prägt den jüdisch-römisch-katholischen Dialog in Frankreich und Rom und analysiert den Wandel im jüdisch-christlichen Dialog vor dem Hintergrund gesellschaftlich disruptiver Entwicklungen und Kriege.

Dr. Ben-Johanan wird auch für ihre früheren Arbeiten geehrt. Als Mutter von drei Kindern erhielt sie während ihrer akademischen Ausbildung und für ihre Doktorarbeit, die sie in die Vereinigten Staaten führte, mehrere Auszeichnungen. Von 2020 bis 2022 war sie Professorin für jüdisch-christliche Beziehungen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Für ihr Buch „Jacob‘s Younger Brother“, das sich dem Dialog der Päpste und der jüdischen Orthodoxie in Israel widmet, erhielt sie 2021 den Zalman-Shazar-Preis für Forschung in jüdischer Geschichte und den Dan-David-Preis. Im Jahr 2023 lehrte sie im Studienjahr der Abtei Dormitio.


Weitere Informationen in der Einladung zur Preisverleihung