Vertraut auf den Herrn der Ernte
19. Juli 2026 | Elias Pfiffi OSB| Impulse
Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis
Normalerweise bin ich kein allzu großer Freund der englischen Sprache. Doch beim Gleichnis des Sonntagsevangeliums (Mt 13,24-30) spiegelt sich in der englischen Übersetzung buchstäblich der besondere Sachverhalt des Gleichnisses wider: So wie man das Unkraut kaum vom Weizen unterscheiden kann, so klingen auch das englische Wort für Unkraut „weed“ und das Wort für Weizen „wheat“ sehr ähnlich. Der Unterschied ist für einen Nicht-Muttersprachler kaum zu hören.
Im griechischen Urtext steht „zizánion“, was eigentlich Schwindelweizen oder Taumellolch bedeutet. Ein tückisches Kraut bzw. Gras, das zu Beginn dem Weizen sehr ähnlich sieht und nur schwer von ihm zu unterscheiden ist. Erst wenn es hochgewachsen ist und zu blühen beginnt, ist der Unterschied einfacher zu erkennen.
Mit dem Gleichnis vom Weizen und Unkraut sagt Jesus etwas sehr Wichtiges darüber, wie wir Menschen oft die Welt sehen – und wie Gott die Welt sieht.
Für den Menschen gibt es immer wieder die Versuchung, das Reich Gottes auf Erden so zu sehen, als dürfte es das Böse nicht geben. Es müsse von Anfang an ausgerottet werden. So wie es ein aufmerksamer Gärtner normalerweise mit dem Unkraut tut. Und dabei macht der Mensch mindestens zwei Fehler: Er glaubt, er selbst könne erkennen, was gut und was böse ist. Und der zweite Fehler: Er glaubt, das Gute in der Welt ist so schwach, um sich gegen das Böse zu behaupten.
Jesus erklärt dagegen: Man kann Unkraut und Weizen nicht trennen. Man würde beim Versuch zu trennen, viel Gutes zerstören. Vieles wächst auf dem gemeinsamen Boden, man kann zunächst gar nicht genau erkennen, was gut ist oder nicht.
Aber das Gute ist stark genug, es wird sich behaupten! Und am Ende wird es auf jeden Fall eine gute Ernte geben. Vertraut dem Herrn der Ernte! Er weiß am besten, wie man mit allem Lebendigen umgehen muss.
Pater Elias und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag!