Von der Unbedingtheit des Glaubens

21. Juni 2026 | Elias Pfiffi OSB| Impulse

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

P. Elias Pfiffi OSB
P. Elias Pfiffi OSB

Das Kloster ist gleichsam eine Schule. Am Anfang werden viele innere Schwierigkeiten lauern und das Leben in der klösterlichen Gemeinschaft schwer machen. Und aus wohlüberlegtem Grund kann es deshalb auch etwas strenger zugehen. Aber das soll den neuen Mönch nicht beunruhigen. Darauf weist schon der hl. Benedikt seine Zuhörer am Ende des Prologs seiner Regel hin (vgl. Benediktusregel Prolog 45-49).

In seiner Aussendungsrede bereitet Jesus seine Apostel auch auf all die äußeren Schwierigkeiten vor, die sie erwarten werden. Und er fordert sie deshalb mehrmals auf: Fürchtet Euch nicht! Habt keine Furcht. Lasst Euch nicht von Angst überfallen in den Widersprüchen von Dunkelheit und Licht, von Geheimnis und Verkündigung.

Mitten in der Komplexität und Verwirrung des Lebens, mitten in den Konflikten um Wahrheit und Liebe – da, genau da, beginnt die Verkündigung des Reiches Gottes.

Unser menschliches Leben, so wie es eben ist, sei es im Kloster oder in der Welt, spielt sich in einem Dickicht von Bedingtheiten ab. Es gilt das Wenn und Aber bzw. das Wenn und Dann. Glauben aber hat immer etwas Un-Bedingtes an sich. So werden dort, wo es um das Reich Gottes geht, Konflikte unvermeidbar sein, vor allen mit denen, die sich an die vorherrschende Meinung und die jeweilige Situation angepasst haben. Wo Christen aber niemals des Zuspruchs „Fürchtet Euch nicht“ bedürfen – da muss etwas falsch gelaufen sein. Da lebt man in folgenloser Angepasstheit und die Unbedingtheit des Glaubens ist aufgeweicht.

Fürchtet Euch nicht! Innere und äußere Konflikte und Widersprüche werden unvermeidlich sein und dürfen nicht umgangen werden. Die Wahrhaftigkeit des eigenen Glaubens und die Glaubhaftigkeit des christlichen Lebens stehen auf dem Spiel. Der hl. Benedikt endet seinen Prolog mit einem hoffnungsvollen Zuspruch: Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft im unsagbaren Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.

Pater Elias und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!