Wahrhaft menschlich handeln
27. September 2026 | Simeon Gloger OSB| Impulse
Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis
In den zweiten Lesung des heutigen Sonntags hören wir den sogenannten Philipper-Hymnus aus dem zweiten Kapitel des Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi (Phil 2,1-11). Bei Vers 6 fällt auf, dass er, wortwörtlich übersetzt, so ganz anders klingt:
Nicht als Beute für sich
dachte er [Christus] das Sein wie Gott.
Was ist damit gemeint, das Sein-wie-Gott als Beute zu betrachten? Könnte an dieser Stelle Paulus an Adam, den ersten Menschen und damit den Urtypus der Menschheit, gedacht haben? Adam wollte sein wie Gott (vgl. Gen 3,5). Er hat im Paradies nach dem Apfel vom Baum der Erkenntnis gegriffen. Er hat sich damit etwas Verbotenes angeeignet, hat eine Art Beute mit diesem Sein-wie-Gott für sich ergattert – und wurde aus dem Paradies vertrieben. Der Gottessohn jedoch hat diese räuberische Schattenexistenz Adams, die in unser aller Wesen steckt, durchkreuzt. Der obige Satz geht so weiter:
Sondern er [Christus] entäußerte sich,
wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich. Phil 2,7
Seitdem erlangt man das Sein-wie-Gott ganz anders. Die Ermahnung des Paulus geht dahin, dass alle dem Beispiel Christi folgen sollen. In Demut nicht zuerst an sich selbst denken, sondern jeden anderen höher achten als sich selbst. Gott-gleich handeln, heißt somit wahrhaft menschlich handeln.
Eine herausfordernde Aufgabe, da wir oft wie Adam sind: nur Ausflüchte und Schuldzuweisungen haben wir im Sinn (s. Gen 3,10.12).
Pater Simeon und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.