Weil der Schenkende Seine Liebe nicht verbergen kann
21. Dezember 2025 | Josef San Torcuato OSB| Impulse
Impuls zum Vierten Advent
Je mehr wir jemanden lieben, desto weniger sind wir mit dem Geschenk zufrieden, das wir ihm als Zeichen unserer Liebe machen.
Ich kenne ein altes Ehepaar, das jedes Jahr an seinem Hochzeitstag gemeinsam in ein Schreibwarengeschäft geht; einzeln machen sie sich auf die Suche nach der richtigen Glückwunschkarte. Wenn sie sie gefunden haben, zeigen sie sich gegenseitig ihre Karte, lächeln, küssen sich, legen die Karten zurück und gehen nach Hause. Sie lächeln, weil sie wissen, dass keine Karte der Welt, kein noch so perfektes Geschenk das ausdrücken kann, was sie sagen möchten.
Vielleicht verpacken wir unsere Geschenke, um ihre Armut zu verbergen. Was wir mit einem Geschenk sagen wollen, ist mehr, als wir jemals bezahlen könnten. Mit dem Geschenk, verpackt und mit einer Schleife verziert, wollen wir ausdrücken: Ich habe an DICH gedacht, als ich etwas gesucht habe. Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich kenne, deine persönliche Geschichte. Ich möchte, dass du das „Mehr“ erhältst, das dieses Geschenk umgibt.
Diese letzten Adventstage mit ihrem oft hektischen Geschenkeverpacken sind vielleicht nicht die allerbeste Zeit für das Gebet.
Und doch will Gott jedem von uns gerade jetzt ganz leise sagen: „Ich kenne dich, deine Geschichte, und ich möchte dir ein Geschenk machen. Ich denke an dich, und alles, was ich mir wünsche, ist, dass du das Geschenk und alles, was dieses Geschenk bedeutet, empfängst.“
Wie Josef und Maria wissen auch wir nicht sofort, was dieses Geschenk bedeutet; wir verbringen unser Leben damit, seine Bedeutung zu entschlüsseln. Wir feiern unseren Glauben daran, dass der Geber, der Schenkende, seine Liebe nicht verbergen kann; sie muss immer wieder geschenkt werden, und das ist das Wesen von Zeit und Ewigkeit.
Pater Josef und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Vierten Adventssonntag!