Weil er selbst das Leben ist

22. März 2026 | Simeon Gloger OSB| Impulse

Impuls zum 5. Fastensonntag

P. Simeon Gloger OSB
P. Simeon Gloger OSB

Das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus gilt bei den orthodoxen Kirchen als Tor zur Heiligen Woche. Es wird dort am Samstag vor dem Palmsonntag gelesen, also unmittelbar vor den Tagen, an denen der Höhepunkt des Kirchenjahres gefeiert wird: Leiden, Kreuz, Tod und schließlich die Auferstehung des Gottessohnes.

Mit der Botschaft von der Auferweckung des Lazarus wird vor der Passion Jesu angekündigt, dass derjenige, der von sich selbst sagt „Ich bin das Leben“, der eigentliche Herr über den Tod ist. Derjenige, der über sich selbst sagt „Ich bin die Auferstehung“, hat wirklich die Vollmacht zum Leben zu erwecken.

Dort, wo Jesus durch die Auferweckung seines Freundes Lazarus sein größtes Wunder vollbringt, in Bethanien, sozusagen auf der Türschwelle vor dem Eintritt in die Heilige Stadt, ist ein Vorgeschmack von dem erfahrbar, was ein paar Tage später und ein paar Kilometer weiter alle Vorstellungen sprengt: Jesu Auferstehung am Ostertag als endgültiger Sieg über alle Todesbefangenheit, über schmerzvolles Leiden und endlose Trauer.

Das Heilige Land, in dem solch große und irgendwie auch unfassbare Wunder passiert sind, versinkt in diesen Tagen wieder einmal in Leiden, Tod, Trauer, Krieg und Schrecken.

Mit dem heutigen Sonntag wird zwar deutlich: Der Tod ist nicht ganz beseitigt, es gibt ihn weiterhin und es wird ihn geben, mit allem, was er „zu bieten hat“: Trauer, Leid, Schmerz. Denn auch wenn Lazarus wieder lebendig wird und in sein altes Leben zurückkehrt, so wird er doch wieder sterben. Er lebt hier auf Erden nicht ewig.

Aber in unserem Glauben wissen wir um jemanden, der all dies durchgemacht hat, ja zutiefst umfangen hat – und doch selbst das Leben ist. Wie kann da der Tod das letzte Wort haben?

Pater Simeon und alle Brüder in Tabgha und auf dem Zion wünschen Euch einen gesegneten 5. Fastensonntag und eine gute Woche!