Wenn der Wind sich legt
9. August 2026 | Basilius Schiel OSB| Impulse
Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis
Es geschieht fast unerwartet. Zumindest ungezwungen. Nicht gemacht: Ein Moment tiefsten Friedens und alles erfüllender Ruhe. – Beim Propheten Elija am Gottesberg und bei den Jüngern im Boot.
Das Laute und Große und Gewaltige bringt Elija nicht aus der Fassung, während es die Jünger mächtig ängstigt. – Doch im Moment der Stille, beim „sanften, leisen Säuseln“ (1 Kön 19,12), und als sich „der Wind legte“ (Mt 14,32), da sind sie gepackt: Elija verhüllt sein Gesicht, die Jünger fallen im Boot vor Jesus nieder. Ein Moment der Ewigkeit, ein Geschenk, eine Offenbarung. Die Gegenwart Gottes ist Alles und Eines.
Das Mönchtum kennt Traditionen und quasi-Techniken, die auf diesen Moment abzielen. Erlebbar und erfahrbar ist der Moment für jeden, der wach und frei bleibt. Der sich überraschen und überwältigen lässt. Der sich nicht am Steuerrad des eigenen Lebens verkrampft. Sondern der es zulässt, dass es um ihn still wird. Einfach. Reduziert. Klein.
Jesus selbst zeigt uns den Weg: Er hat sich in Liebe und Barmherzigkeit um die Vielen gekümmert, in Wort und Tat (vgl. Mt 14,13–21). – Danach „stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort“ (Mt 14,23).
Kein Luxus, kein Urlaub. Sondern Lebensmitte und Perspektive des Lebens. Ein-Norden. Neu-Kalibrierung. Ausrichten. Sich ausrichten lassen. Ankommen. Da sein. – Bei Gott.
Pater Basilius und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!