Wir brauchen Christi helles Licht
15. März 2026 | Elias Pfiffi OSB| Impulse
Impuls zum 4. Fastensonntag
In der letzten Zeit hatte ich Schwierigkeiten mit dem Lesen, besonders wenn es klein geschrieben oder klein gedruckt war. Meine Augenärztin meinte irgendwann, das sei normal, wenn man älter wird, und sie riet mir zu einer Lesebrille. Bevor ich diesen ärztlichen Ratschlag erhielt, hatte ich mir beim Lesen meist damit beholfen, dass ich eine bessere und stärkere Lichtquelle benutzte.
Wir brauchen Licht, um die Dinge richtig zu erkennen. Wir brauchen Licht, um all die Details zu erkennen, welche das Leben ausmachen und bunt machen. Weil wir oft nicht in der Lage sind, unsere eigene Wirklichkeit klar zu sehen, können wir aber auch die allgemeine Wirklichkeit nicht erkennen. Wir alle haben unsere blinden Flecken und unsere Schatten – alle, aber natürlich „nur ich selbst nicht“!
Spiritualität jedoch bedeutet Sehen. Dies wird besonders deutlich bei der Blindenheilung im Johannesevangelium, Kapitel 9. Wenn ich nicht sehe, bin ich blind. Ich habe keine Selbsterkenntnis und lebe deshalb in der Sünde. Nur wenn ich weiß, dass ich blind bin, kann ich sehend werden. Wenn ich meine Blindheit und meine blinden Flecken gar nicht mehr erkenne, dann „bleibt meine Sünde“.
Der heilige Gregor von Nyssa schreibt sinngemäß: Sünde ist immer eine Weigerung genau zu sehen, genau auf mein Leben hin-zuschauen und damit die Weigerung zu wachsen.
In der Österlichen Bußzeit singen wir in unserem Offizium oft den Hymnus: Nun ist sie da die rechte Zeit, die Gottes Huld uns wieder schenkt, nun ist der Tag des Heils erfüllt von Christi hellem Licht (Gotteslob Nr. 638). Diese Verse machen mich jedes Mal stutzig. Denn nicht nur der Advent oder die Weihnachtszeit bzw. die Osterzeit sind Tage des Heils und des Lichts, auch und besonders die vierzig Tage der Fastenzeit.
Wenn ich genau auf mein Leben schaue, bereit bin zur Umkehr und zur Selbsterkenntnis, dann heilt mich Gott von meiner Blindheit. Erst wenn ich meine Blindheit als Blindheit erkenne, kann ich von Christi hellem Licht erleuchtet werden. Wir brauchen dieses Licht, um die Dinge richtig zu erkennen: mich selbst, die anderen und vor allem Gott.
Pater Elias und alle Brüder aus Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche im Lichte Gottes!