Zum Tod von Abt Nikolaus Egender (1923-2025)

31. Mai 2025 | Meldungen

Mit unseren benediktinischen Mitbrüdern in der Abbaye de la Sainte-Croix in Chevetogne trauern wir um unseren Altabt Nikolaus Egender OSB, der nun auf dem Pilgerweg ins Himmlische Jerusalem ist.

Abt Nikolaus Egender OSB (1923-2025)
Abt Nikolaus Egender OSB (1923-2025)

Biographische Notizen

Nikolaus (Pierre) Egender wurde am 19. August 1923 im elsässischen Mülhausen geboren. Von 1934 bis 1940 besuchte er das Gymnasium in Zillisheim, von 1940 bis 1942 dann das Gymnasium in Mühlhausen. Nach einem erstem theologischen Studienabschnitt in Freiburg (1942-1945) trat er in das Kloster Chevetogne ein, wo er am 15. April 1947 die Monastische Profess ablegte. Hieran schlossen sich weitere theologische Studien in Sant’Anselmo in Rom an, die er mit dem Lizentiat abschloss. Am 30. September 1950 wurde er in seinem Professkloster Chevetogne zum Priester geweiht. Von 1954 bis 1963 versah er hier den Dienst des Novizenmeisters und von 1963 bis 1971 den des Konventualpriors. – In dieser Zeit kam er auch 1966 als Visitator in die Dormitio und nach Tabgha und lernte unsere Gemeinschaft erstmals kennen.

Am 19. Juli 1979 wurde Pater Nikolaus in der ersten Abtswahl in der Dormitio zum neuen Abt gewählt; alle seine Vorgänger waren noch von entsprechenden kirchlichen Stellen eingesetzt bzw. ernannt worden. Die Abtsbenediktion empfing er am 9. November 1979 in unserer Abtei-Kirche durch Erzbischof Augustin Mayer OSB, den damaligen Sekretär der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens.

Grenzgänger und Brückenbauer: Abt der Dormitio

Abt Nikolaus und Shalom Ben-Chorin (1979).
Abt Nikolaus und Shalom Ben-Chorin (1979).

Abt Nikodemus beschreibt den Dienst seines Vorgängers: „Als Elsässer, dem in seiner Kindheit und Jugend zunächst die deutsche Sprache und später die französische Sprache verboten wurde, und als Mönch des belgischen Klosters Chevetogne, was bis heute in zwei liturgischen Traditionen parallel lebt, nämlich der lateinischen und der byzantinischen, ist er ein Grenzgänger und Brückenbauer von Anfang an gewesen.“⑴

Das innerchristliche Gespräch war Abt Nikolaus daher ein besonders großes Anliegen. Er formulierte es schon 1986 mit Worten, die heute nicht weniger gültig und wichtig sind: „Die ökumenische Frage ist im Heiligen Land eine lebendige, existentielle Frage. Nicht nur, dass sie ins tägliche Leben der Kirche eingreift und man sie auf Schritt und Tritt antrifft, sondern auch, weil sie mit den Hauptproblemen der hiesigen Christen zusammenhängt, nämlich mit der Auswanderung, also letztlich dem Aussterben der Ortschristen. […] Was wäre das Heilige Land ohne einheimische Christen, reduziert auf ausländische Institutionen und Hüter der Heiligen Stätten! Eine Zusammenarbeit der Kirchen im pastoralen und sozialen Bereich ist dringend notwendig. Aber eine solche Zusammenarbeit der Kirchen kann nur in einem neuen, ökumenischen Klima wirksam sein.“⑵

Für sein großes ökumenisches Engagement wurde Abt Nikolaus 1982 vom Armenischen Patriarchen Yeghishe Derderian mit dem „Armenischen Kreuz“ geehrt, der höchsten Auszeichnung der armenischen Kirche für Außenstehende. – In ähnlicher Weise wurde er 1992 zum Ehrenbürger Jerusalems ernannt, womit sein Einsatz für den Dialog zwischen den abrahamitischen Religionen ausgezeichnet wurde.

Wegmarkierungen im Leben der Gemeinschaft

In Abt Nikolaus‘ Amtszeit (1979-1995) fallen auch wichtige Ereignisse im Leben unserer Gemeinschaft: die Grundsteinlegung (23. Mai 1980) und die Weihe (23. Mai 1982) der Brotvermehrungskirche in Tabgha und damit auch die „Geburt“ der Begegnungsstätte Beit Noah sowie des ikonischen Gottesdienstplatzes „Dalmanutha“ am Seeufer; die beiden „neuen“ Orgeln in der Dormitio-Basilika (1982-2021), die sinnbildlich auch für eine außerordentliche Kultur- und Konzertarbeit in der Abtei stehen; ein größerer Anbau an der Abtei auf dem Zion mit dem heutigen Klosterladen, der Cafeteria sowie einer Reihe von Büro-Räumen und Gastzimmern.

Gesegneter Lebensabend

1997 kehrte Altabt Nikolaus wieder in sein belgisches Professkloster zurück, wo er sein reiches geistliches und wissenschaftliches Wirken fortsetzte, seinen 90. und seinen 100. Geburtstag feierte. „Er hatte drei große Leidenschaften, die ihn bis kurz vor seinem Tode beschäftigten: das Mönchtum, die Ökumene und die Liturgie“⑶, beschreibt Abt Nikodemus diese hohen Lebensjahre, in denen er Pater Nikolaus auch immer wieder in Chevetogne besuchte.

Zu seinem 100. Geburtstag hat uns Altabt Nikolaus einen sehr rührenden Video-Gruß geschickt, den man auf dem Instagram-Kanal von Abt Nikodemus genießen kann!

Darüber hinaus engagierte sich Pater Nikolaus seinerseits auch immer wieder beim Kloster-Neuprojekt der Cella St. Benedikt auf der Bodensee-Insel Reichenau, das Pater Stefan Vorwerk OSB 2001 ins Leben gerufen hatte, den er durch dessen Zeit in unserem Kloster Tabgha kannte.

In der festen Hoffnung auf Versöhnung

Am 31. Mai 2025 verstarb Altabt Nikolaus im geradezu biblischen Alter von 101 Jahren in Chevetogne

Zeitgleich mit den Brüdern und der Trauergemeinde in Chevetogne haben wir auf dem Zion am 5. Juni 2025 das Requiem für Altabt Nikolaus gefeiert. Auch wenn wir vor allem kriegsbedingt eine eher kleine Gemeinde waren, waren doch eine Reihe Menschen und Gruppen zusammen, die Abt Nikolaus so wichtig und wertvoll waren: aus verschiedenen christlichen Kirchen, aus dem Studienjahr, aus dem interreligiösen Dialog. In seiner Ansprache hob Abt Nikodemus hervor, wie zentral das Brückenbauen und die feste Hoffnung auf Versöhnung für den Verstorbenen waren, autobiographisch wie auch geistlich, in seinem Wirken nicht nur in Jerusalem.

Aus dem Chor der singenden Mönche ist er nun aufgebrochen zur letzten großen Pilgerreise ins Himmlische Jerusalem. „Die Chöre der Engel mögen dich empfangen, und durch Christus, der für dich gestorben, soll ewiges Leben dich erfreuen.”

„Letztlich steht über dem Gebet der Dormitio das Zeichen des Heimgangs Mariens in seiner doppelten Bedeutung der Endlichkeit dieser Welt und des Übergangs, des Heimgangs zu Gott. – Das Magnificat von Ain-Karem wird auf dem Sion zum Lobgesang der ganzen Schöpfung, in den Himmel und Erde, Engel und Menschen, Sonne und Mond einstimmen, und der von dem Throne Gottes und des Lammes erschallt:
Komm, Herr Jesus! – Ja, ich komme bald!“
(P. Nikolaus Egender OSB⑷)

Abt Nikolaus im Kreuzgang der Dormitio (21. März 2006).
Abt Nikolaus im Kreuzgang der Dormitio (21. März 2006).

Quellen-Angaben
⑴ Zitiert aus einem Beitrag bei domradio.de vom 31. Mai 2025
⑵ Festschrift des Theologischen Studienjahres der Dormition Abbey für Abt Dr. Laurentius Klein OSB, St. Ottilien, 1986, S. 143.
⑶ Zitiert aus einem Beitrag bei domradio.de vom 31. Mai 2025
⑷ Festschrift des Theologischen Studienjahres der Dormition Abbey für Abt Dr. Laurentius Klein OSB, St. Ottilien, 1986, S. 134.