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Impulse


Freiheit des Alltags

Manchmal kommt uns unser Alltag ja doch sehr alltäglich vor. Langweilig, stressig, mühsam.

Und manchmal kommt es dann einfach auch auf den Blickwinkel an. Ich habe großen Respekt, mit welcher Treue unsere Volontäre Woche für Woche, manchmal Tag um Tag die Bettwäsche des Beit Noah bewältigen. Das sind manchmal schon große Berge durchaus stark benutzter Bettwäsche.

Als ich heute an den Wäscheleinen vorbeikam, habe ich auch etwas von der Schönheit dieses Dienstes erahnt: Die aufgehängten Bettlaken leuchteten in der Nachmittagssonne und hingen geradezu majestätisch in Reihen wie die Segel eines großen Segelschiffes.

Die Freiheit und die Weite eines Reisenden auf einem Segelschiff, die wünsche ich unseren Volos und noch mehr unseren besonderen Gästen im Beit Noah! - Und allen, die sich unter Gottes Sonne und mit SEINEM Wind im Rücken auf den Weg machen auf die Meere unseres Alltags...

In Sichtweite

Und da ist es wieder: Eines der vielleicht meist gezeigten Fotos von den gewalttätigen und blutigen Unruhen der letzten Tage.

Die Al-Aqsa-Moschee und den südlichen Bereich des Tempelberges erkennt man ohne weiteres. Sie sind ja auch der Grund der neuerlichen Gewalt von beiden Konfliktseiten.

Wer genauer hinschaut, der wird im Bildhintergrund auch die Dormitio mit ihrer charakteristischen Silhouette ausmachen. Mitten drin. In Sichtweite.

So ist das mit den Konflikten unserer Zeit! Egal ob Jerusalem/Israel/Palästina, Türkei oder Ukraine, Weißes Haus oder Hamburg, Venezuela oder Sudan: Auf bestimmte Weise sind wir immer alle mittendrin.

Wegschauen gilt nicht. – Hinschauen kann auch eine Chance sein!

Alte Fragen und immer wache Kinderaugen

Sehr aufmerksam hat unsere Mitarbeiterin und Fotografin Kathy an Pfingsten diese äthiopische Mutter mit ihren beiden Kindern in der Dormitio-Basilika beobachtet: Sie stehen am „Kölner Altar”, unserer Ganz-Jahres-Krippe mit den „Drei Heiligen Königen” und dem Jesus-Kind im Zentrum der Szene.

Da kommen also zwei Kinder zu einem anderen Kind. Der Altersunterschied beträgt mehr als zweitausend Jahre. Aber die Kinderaugen und die Kinderfragen dürften sich durchaus gleichen. Die Antworten der Erwachsenen und ihre Blicke auf die Welt gleichen sich vermutlich ebenso sehr, damals wie heute.

Die Fragen und Probleme unserer Zeit sind groß. Der Blick in die Nachrichten ist nicht immer ermutigend. – Aber mit den Augen des Gottessohnes dürfen auch wir als Gotteskinder in die Welt schauen, gerade auch auf die Nöte und Krisen. Und wir dürfen sie anpacken, umarmen, segnen – gut machen. – Diese Welt braucht offene Kinderaugen und -hände!

(Foto: © Kathy Saphir)

Weil die Hoffnung stärker und heller ist

Das Atrium in Tabgha ist fast wieder fertig. Es füllt sich langsam wieder mit Leben. Der Klosterladen ist schon seit ein paar Tagen wieder aktiv. Nach der Einweihung (Sonntag, 12. Februar 2017) werden auch Klosterpforte/Pilgerbüro und Diwan wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Es waren keine einfachen 20 Monate für uns Mönche und die Schwestern, für unsere Volontäre und Mitarbeiter. Aber auch diese Strecke eines manchmal beschwerlichen Weges haben wir geschafft. Mit der Hilfe und Freundschaft Vieler von außen, durch gegenseitiges Stützen und Tragen, nicht zuletzt durch eine Hoffnung von Innen.

Denn dieser besondere Ort ist uns anvertraut, damit wir eine Botschaft verkünden. Durch unser Beten und Arbeiten. Durch unser Hiersein. Tabgha ist nicht die berühmte Stadt auf dem Berg. Aber es kann doch leuchten. So wie das erneuerte Atrium. So wie jeder von uns, der Christus, dem Licht der Welt, erlaubt, dass Er in ihr/in ihm ein Licht anzündet.

Die Welt und die Menschen brauchen diese Hoffnung, die aus diesem Licht kommt...

Licht und Leben

„Seht, der Herr wird kommen und alle Heiligen mit ihm. Ein großes Licht wird aufstrahlen an jenem Tag” (vgl. Sach 14, 5.7). – Der Eröffnungsvers der Messfeier an diesem Dienstag der 3. Adventswoche scheint nur auf den ersten Blick nicht zu passen: Hell und licht ist es heute im Heiligen Land nicht. Es regnet, es donnert, es ist kalt.

Und doch sind es genau diese Wolken, die über uns ziehen und die sich über uns ausregnen, die wieder mehr Licht und Segen bringen können: Denn diese Regentropfen spülen das Land und reinigen es, tränken und sättigen es wieder, damit neues Leben sprießen und wachsen kann.

Vielleicht geht es auch unserem eigenen Leben manchmal so: Es braucht Tropfen, Tränen, die reinigen und spülen, die zugleich aber auch den Boden für Neues bereiten. In dieser Erwartung wollen wir weiter auf das Fest der Menschwerdung unseres Herrn weitergehen. Denn ER ist unser Licht und Leben.

Neu-Orientierung

Die Tage des Adventes markieren irgendwie den Übergang vom Herbst zum Winter. Das ist im Heiligen Land natürlich etwas anders. Und doch verschiebt sich vieles. Es wird früher, sehr viel früher dunkel. Und die Erwartung auf den heilsamen und heilenden Regen aus dem Himmel wächst.

Nach einem wieder heißen und trockenen Sommer geht der Blick nach vorne, muss nach vorne gehen. Denn ohne die Hoffnung, dass es besser werden kann, fehlt auch uns die Kraft, das Unsrige dazu zu tun. - "Tauet Himmel, den Gerechten", singen wir in diesen Tagen. Richten wir also unseren Blick neu auf den Himmel: Den physischen, dass er uns ganz konkret Regen bringe. Und den geistlichen, von dem wir in Glauben und Vertrauen Heil und Heilung erwarten dürfen.

Netzwerke

Auch Klöster und Mönche kommen im Jahr 2016 kaum noch ohne Vernetzungen aus – falls das je anders war. Bei allen Möglichkeiten zur Vernetzung, die uns die moderne Welt bietet, ist freilich der Durchblick nicht immer einfach und die Gefahr, sich zu verfangen, ist durchaus gegeben.

Ein einzigartiges Netzwerk bieten uns Mönche die uralten Psalmen: Sie helfen uns mehrmals am Tag, uns neu in das Netz mit unseren Brüdern und unseren Mitmenschen und vor allem mit Gott, dem Herrn, neu einzubinden.

"Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer." (Mk 12,32f)

Den Blick auf den HERRN gerichtet und durch IHN auf unseren Nächsten; das ist die Richtung der Fußwaschung und des Gartens, des Kreuzes und des Leeren Grabes. Gehen wir weiter auf dem Weg nach Ostern!

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