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Liturgie


Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden. (RB 43,3)

Diese Mahnung des heiligen Benedikt an seine Mönche markiert die zentrale Bedeutung der Liturgie im Leben des Klosters. Auf diesen Seiten stellen wir vor, was das für unsere Gemeinschaft bedeutet.


Gottes-Dienst

Gottesdienst in der Dormitio

Liturgie ist die öffentliche Feier des Gottesdienstes der Kirche. Kaum einem Thema widmet der heilige Benedikt von Nursia in seiner Regel derart breite Aufmerksamkeit wie dem Gottesdienst. Benedikt lebte in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhundert – eine unruhige und bewegte Zeit. Das Weströmische Reich war untergegangen, und die Völkerwanderung erschütterte die gewohnten Ordnungen des Lebens in ganz Europa und auch in seiner italienischen Heimat.

In dieser Situation knüpfte Benedikt ganz bewusst an die Überlieferungen des Mönchtums an, wie es seit dem vierten Jahrhundert in Ägypten, Syrien und Palästina entstanden war. Er wollte den Mönchen mit seiner Regel und der Ordnung des gemeinschaftlichen Lebens in dieser rastlosen Welt Stabilität, einen festen Ort, geben.

Einen besonderen Platz in dieser Ordnung hat der Gottesdienst: Seine Rhythmen und Zyklen im Laufe des Jahres, der Woche und der Tages geben dem Leben des Mönchs eine äußere Gestalt, die ihm helfen soll, sich dem zu widmen, was seine Hauptaufgabe ist: Gott suchen in allen Dingen. Deshalb legt Benedikt größten Wert darauf, dass „dem Gottesdienst nichts vorgezogen werden soll“ (RB 43,3).

In der Feier des Gottesdienstes stellt der Mönch sich ganz bewusst in die Gegenwart Gottes und nimmt sein Leben und die ganze Schöpfung als Gabe und Aufgabe an: in Dankbarkeit, Verantwortung und Freiheit.

Der Gottesdienst ist daher zuerst Gottes Dienst an uns Menschen. Er will uns in die Gegenwart seines Sohnes Jesus Christus führen und uns im Heiligen Geist so Anteil schenken am Leben des dreieinen Gottes. Diese Vereinigung mit Gott ist das eigentliche Ziel der Gottessuche des Mönchs im gemeinschaftlichen und persönlichen Gebet, in seinem Gemeinschaftsleben und seiner Arbeit.

Wenn wir die Liebe und das Erbarmen Gottes miteinander teilen, feiern wir Gottesdienst, dienen wir Gott.


Mit allen Sinnen

Apsismosaik in der Dormitio Pfingsten in der Dormitio Abtei in Jerusalem

Christlicher Glaube ist auch, aber bei weitem nicht nur eine Sache des Verstandes. Er spricht den ganzen Menschen an, so wie der ganze Mensch mit Leib und Seele als Mann und Frau Geschöpf Gottes ist. Benedikt von Nursia weiß um diese Ganzheit des Menschen. Deshalb ordnet er in seiner Regel auch Dinge, die Äußerlichkeiten zu sein scheinen, wie zum Beispiel den Stoff des Habits oder das Maß des Weines. Er tut dies im Bewusstsein, dass Mönche, die ihr Leben lang an einem Ort bleiben, eine gute und geordnete Beziehung zu ihrer Umwelt leben müssen, um das Glück zu erlangen, für das sie geschaffen sind.

Auch die Liturgie der Kirche weiß um diese Ganzheitlichkeit des Menschen. Sie erschöpft sich nicht in der bloßen Wiederholung heiliger Texte, sondern bezieht alle menschlichen Sinne in das Gebet ein. So sehr die liturgische Feier auf die kommende Welt ausgerichtet ist, so findet sie doch immer in dieser Welt statt. Sie ist Ausdruck das Dankes und der Freude über das Heil, das schon in dieser Welt erfahrbar ist in den konkreten Gaben der Schöpfung.

Wir Benediktinermönche in Jerusalem und Tabgha feiern die Liturgie deshalb mit den Elementen des Lebens, mit Leib und Seele und mit dem Heiligen Land.


Mit den Elementen des Lebens

Feuer

Das Feuer ist ein doppeldeutiges Sinnbild: Steht es auf der einen Seite für die Fähigkeit des Menschen, die Welt zu beherrschen, so symbolisiert es auf der andere Seite, dass der Mensch auch in einer hochtechnisierten Welt den Mächten der Natur schutzlos ausgeliefert sein kann. Vor allem aber ist Feuer für den Menschen lebenswichtig, da es ihm Wärme, Licht und Schutz bietet. So hat das Feuer an verschiedenen Angelpunkten des Kirchenjahres und der Liturgie seinen festen Platz:

  • In der Osternacht als Zeichen des neuen Lichtes, das durch Christi Auferstehung die Welt und das Leben jedes einzelnen Menschen erhellt.
  • In den Feuerzungen des Pfingstfestes, die für die befreiende Macht des Geistes Gottes stehen.
  • In den Kerzen auf dem Altar, den Apostelleuchtern, dem Adventskranz, am Fest der Darstellung des Herrn und beim Blasiussegen.
  • In den vielen Kerzen, die unsere Pilger in der Krypta auf dem Zion, am Benediktsaltar, an den Ikonen der Brotvermehrungskirche und in der Weihnachtszeit an der Krippe entzünden, um ihrem Gebet sichtbar Ausdruck zu verleihen.

Wasser

Das Wasser gilt als Element des Lebens schlechthin. Es stillt den Durst, es reinigt, es kühlt, es heilt. Diese symbolische Bedeutung des Wassers wird auch von der Liturgie immer wieder aufgenommen:

  • Im Wasser der Taufe, in dem der Täufling sakramental mit Christus stirbt und aufersteht und so Anteil am Leben Gottes erhält.
  • Im feierlich geweihten Osterwasser, das versinnbildlicht, dass die Auferstehung Christi für alle die glauben, zur Quelle des neuen und unvergänglichen Lebens wird.
  • In der Fußwaschung am Gründonnerstag, in der wir den Auftrag des Herrn erfüllen.
  • In der Händewaschung des Priester während der Eucharistiefeier.
  • Im Weihwasser, mit dem wir uns täglich bei Betreten der Kirche bekreuzigen und mit dem wir den Sarg und das Grab segnen.

Erde

„Gepriesen bist du Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit...”, betet der Priester meist leise bei der Gabenbereitung. – Die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit lassen mit Händen Aufgabe und Gabe der Schöpfung greifen:

  • In den Blumen, mit denen wir auch unsere Kirchen schmücken; in den Kräutern, die zu Mariä Himmelfahrt gesegnet werden; in den Palmzweigen des Palmsonntags.
  • In der Kreide, mit der wir am Jahresbeginn unsere Häuser und Räume segnen.
  • Im Öl der Oliven, das für die Salbung bei der Taufe, bei den Weihen und bei der Krankensalbung verwendet wird.
  • Im Brot, das wir zum Altar bringen und das uns als Brot des Lebens wieder gereicht wird, und im Wein, den wir zum Altar bringen und der uns im Kelch des Heiles wieder gereicht wird.

Mit Leib und Seele

Hören, sprechen, Singen, Schweigen

  • Schon der Apostel Paulus wusste, dass der Glaube vom Hören kommt (vgl. Römerbrief 10,17). Er ist immer zuerst ein freies Geschenk der Liebe Gottes. Deshalb nimmt das Hören auf das Wort Gottes in der klösterlichen Liturgie und im monastischen Leben einen so breiten Raum ein. Sei es im Stundengebet oder in der Messe, bei Tisch im Refektorium oder in der persönlichen lectio divina in der Zelle: Immer wieder bemühen wir uns darum, Hörende zu werden, Menschen, die ihr Leben von Gottes Wort und seinem Anruf prägen lassen.
  • Das gläubige Hören kann vielfältige Antworten im Menschen hervorbringen: Dank, Lob und Preis, Bitte, Klage, Anbetung. So wird der Mensch vom rein wahrnehmenden Hörer zum Beter und Freund und Partner Gottes.
  • „Wer singt, betet doppelt“, sagt Augustinus von Hippo und bringt damit zum Ausdruck, dass die Feierlichkeit und Erhabenheit des Gesangs dem Umgang mit Gott besonders angemessen ist. Deshalb geben wir dem singenden Beten in unseren liturgischen Feiern einen sehr breiten Raum.
  • Die Liturgie kennt aber auch immer wieder Augenblicke des Schweigens vor dem Angesicht Gottes: „Ich ließ meine Seele ruhig werden und still. Wie ein gestilltes Kind bei der Mutter, so ist in mir meine Seele gestillt.“ (Psalm 131,2)

Sehen, Schmecken, Riechen

  • Jede Kirche, ganz gleich ob es sich um eine einfache Dorfkirche oder eine prachtvolle Kathedrale handelt, will eine Erinnerung an Gott sein. Sie will mit ihrer Architektur und ihrer Kunst den Blick auf Gott lenken: „Ich erhebe meine Augen zu dir, der du thronst im Himmel.“ (Psalm 123,1)
  • Brot und Wein stehen mitten im Leben. Sie verbinden Alltag und Fest. Für den, der Christus begegnet ist, werden sie Zusage zum Leben: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lukasevangelium 22,19)
  • Keiner unserer Sinne lässt uns mehr das Geheimnis erahnen als der Geruch. Nicht alles, was wir riechen, sehen wir unmittelbar. Was wir riechen, regt an, kann Sehnsüchte und Hoffnungen wecken: Wie Zimt und duftendes Gewürzrohr, wie beste Myrrhe strömte ich Wohlgeruch aus, wie Galbanum, Onyx und Stakte, wie Weihrauchwolken im heiligen Zelt (Jesus Sirach 24,15). – Gottes Weisheit will uns in die Nase steigen.

(Sich) bewegen und berühren

Liturgie will uns in jeder Faser unseres Leibes erfassen:

  • Wenn wir in Prozession Teile der Liturgie gestalten: beim Ein- und Auszug, am Palmsonntag, bei der Evangelien- und Gabenprozession, beim Friedhofsgang.
  • Wenn wir mit der ganzen Hand das Kreuzzeichen machen, von der Stirn zur Brust, von einer Schulter zur anderen, oder mit dem Daumen ein kleines Kreuz auf der Stirn, den Lippen und der Brust zeichnen.
  • Wenn wir uns vor Gottes Angesicht zu Boden werfen: am Karfreitag, bei den Weihen und Professen.
  • Wenn wir niederknien vor Gottes Gegenwart in der Eucharistie. Wenn wir uns verneigen beim Beten der Doxologie der Psalmen und Cantica und beim Betreten des Altarraumes.
  • Wenn wir als Ausdruck der Verehrung das Evangeliar, den Altar, eine Ikone oder Kreuz am Karfreitag küssen.
  • Wenn wir die Hände erheben bei den Orationen und besonders beim Vaterunser.
  • Wenn wir beim Segen oder bei den Weihen in Gebet oder im Schweigen einem anderen die Hände auf den Kopf legen.
  • Wenn wir uns einander zuwenden und berühren im Friedensgruß.
  • Wenn wir bewusst unseren Weg zu Gott gehen im Kommuniongang.

Mit dem Heiligen Land

Am Ufer des Sees Genezareth

Für uns Mönche, die wir unsere Beständigkeit auf dem Zion und in Tabgha leben, hat Liturgie als ein Lebensvollzug, der den ganzen Menschen erfasst und angeht, in unserem Fall eine weitere Dimension: Das Heilige Land.

Biblische Stätten

Wir leben in unmittelbarer Nähe vieler biblischer Ereignisse besonders der Evangelien. Die Heiligen Stätten des Alten und des Neuen Bundes sind unser Lebensumfeld:

  • Zu Weihnachten können wir in Bethlehem in der Geburtsgrotte beten wie damals die Hirten und Könige.
  • Zu Ostern können wir das Leere Grab besuchen und dem Auferstandenen nach Galiläa folgen.
  • Wir haben unsere „Haus-Hochfeste”: Auf dem Zion die Einsetzung der Eucharistie und das Geschenk der Fußwaschung, die Gabe des Heiligen Geistes und der Auftrag zur Versöhnung, die Aufnahme Mariens in den Himmel. In Tabgha das Wunder der Brotvermehrung als Zeichen der Großzügigkeit Gottes.

Sonne und Regen

Die Jahreszeiten und Klimawechsel, die sich in den Erzählungen der Bibel spiegeln, erleben wir ganz alltäglich mit:

  • Die jüdischen Wallfahrts- und Erntefeste mit ihren jeweils typischen Früchten und Gaben.
  • Den Frühregen aus Psalm 84 ebenso wie die Stürme um Pfingsten herum; in den letzten Jahren immer wieder auch Schnee im Winter und besonders im Frühjahr Sandstürme aus der Wüste.
  • Die trockene und heiße Wüste und das Aufatmen und Neu-Ergrünen der Natur beim ersten Regen.

Die Bevölkerung des Heiligen Landes: Juden, Christen, Muslime und Drusen

Schließlich die Menschen:

  • Das bunte Völkergemisch, das im Heiligen Land schon zu allen Zeiten lebte, ist ebenso anstrengend wie spannend. Ihre Emotionalität in Auseinandersetzungen aber auch in religiösen Vollzügen scheint stärker ausgeprägt als bei den meisten Europäern. Für sie und mit ihnen um Frieden und Versöhnung zu beten, ist eine eigene Gabe und Aufgabe,
  • Tausende von Pilgern und Touristen besuchen nicht nur das Heilige Land, sondern kommen auch zu unseren Gottesdiensten und Gebetszeiten.
  • Und immer wieder: Für uns ist es vor allem das Heilige Land, weil es das Land ist, in dem Gott selbst Mensch wurde. Als Mensch lebte. Starb. Auferstand.

    (Alle vier Fotos dieser Seite von Frieder Blickle (2002) / „Peace Counts”)

Die Heilige Schrift

An der Stadtmauer Jerusalems (Foto: Frieder Blickle, 2002).

Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift ist für Christen eine wesentliche Nahrung. Dies gilt besonders für Mönche.

Ur-kunde des Glaubens

Die Bibel spricht von den Erfahrungen, die Menschen in einem Zeitraum von über tausend Jahren mit ihrem Gott gemacht haben. Sie erzählt im Alten Testament von dem Gott Israels, der mit seinem Volk durch Licht und Dunkelheit geht, und sich ihm in seinem Bund endgültig zusagt. Immer mehr erfährt Israel, dass sein Gott der Gott aller Völker ist und empfängt von ihm die Verheißung, dass er einst alle Völker zu seinem himmlischen Mahl versammeln wird.

Das Neue Testament spricht von Jesus Christus. In seinem Leben und in seinem Tod erkennt die junge christliche Gemeinde den endgültigen Einbruch Gottes in die Geschichte jedes einzelnen Menschen. Seine Auferstehung und die Sendung des Heiligen Geistes eröffnen den Menschen aller Nationen und Generationen den Weg zu einer neuen persönlichen Beziehung zu dem lebendigen Gott. So wird die Bibel als ganze zu einer Einladung, selber zu glauben und Freund Gottes zu werden.

Die Schrift lesen und verstehen

Aber die Bibel weiß auch darum, dass Gott und die Erzählungen von seiner Geschichte mit den Menschen nicht selbst-verständlich sind. Vielmehr bedarf sie der Auslegung, damit der Leser Zugang zu ihr finden kann.

Der geheimnisvolle Dritte, der sich den verunsicherten Jüngern auf dem Weg nach Emmaus zugesellt, legte ihnen „ausgehend von Mose und allen Propheten“ dar, was in der gesamten Schrift über den Christus geschrieben steht (vgl. Lukasevangelium 24,13-35). Er erläutert ihnen das, was sie erlebt haben, im Lichte der Bibel und dieses neue Verständnis des Wortes Gottes macht sie bereit, ihn selbst im Brechen des Brotes zu erkennen.

Die Apostelgeschichte erzählt davon, wie der Apostel Philippus auf seinem Weg nach Gaza einem Fremden, einem Äthiopier, begegnet, der laut in der Heiligen Schrift lies. Er stellt ihm die Frage: „Verstehst du auch, was du liest?“ (Apostelgeschichte 8,30) Seine Antwort ist sehr einfach: „Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?“ Er weiß, dass die Schrift nicht selbst-verständlich, dass sie der Auslegung bedarf, dass er jemanden braucht, der ihn einführt.

Es gibt viele Zugänge, die Bibel besser zu verstehen. Die Bibelwissenschaft will dazu eine Hilfe sein, indem sie hilft, besser zu verstehen, was der Text sagen will, wo er herkommt, was sein Ziel ist. In der Eucharistiefeier nimmt die Predigt einen herausragenden Ort ein, die Hilfe sein will, die Verkündigung in der Eucharistiefeier auf unser eigenes Leben zu beziehen.
In unserem klösterlichen Leben gibt es vor und neben wissenschaftlicher, geistiger und intellektueller Beschäftigung mit der Heiligen Schrift zwei ganz entscheidende Orte, an denen wir ihr begegnen: In der Feier der Liturgie und in der persönlichen Bibellesung, der lectio divina.

Die Bibel in der Liturgie

In der Liturgie wird das Wort Gottes auf vielfältige Art und Weise gefeiert. Immer wieder hören wir Texte aus der Schrift, singen wir Psalmen und Cantica. Auch die nichtbiblischen Texte des Gottesdienstes enthalten eine Vielzahl von Anspielungen auf die Heilige Schrift. Man kann sagen, dass die Heilige Schrift der Lebensatem der liturgischen Feiern ist. Dadurch, dass wir Mönche uns im Laufe des Tages immer wieder in der Kirche versammeln, um Gottesdienst zu feiern und dass wir auch im Refektorium beim Mittagessen jeden Tag einen Abschnitt aus der Bibel hören, werden die biblischen Texte zu einem Grundakkord unseres Lebens. Die Bibel gibt nicht nur dem Gottesdienst seine eigene Farbe und seinen Klang, sondern einzelne Verse gehen immer wieder im Alltag mit und helfen so, auch bei den vielen Beschäftigungen im Verlaufe des Tages wirklich Gottsucher zu sein.

Lectio Divina – Die Schrift als Quelle der Gottesbeziehung

Eine alte klösterliche Tradition des Umgangs mit der Heiligen Schrift ist die lectio divina. Diese persönliche Lesung der Bibel kommt aus der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes und führt auch wieder zu ihr zurück. Sie ist für uns als Mönche so wichtig, dass wir uns jeden Tag nach dem Abendessen bewusst etwa eine dreiviertel Stunde Zeit nehmen, um sie zu üben. Die lectio divina will nicht zu erst eine „Technik“ oder eine „Methode“ sein, sondern sie will eine Hilfe sein, die Worte der Schrift auf mich selber zu beziehen und so mit Gott selbst leichter und unmittelbarer ins Gespräch zu kommen. Sie hat nicht zuerst eine Erkenntnis des Verstandes zum Ziel, sondern die Vereinigung mit dem Gott, von dem die Heilige Schrift uns kündet.


Die Feier des Kirchenjahres

Die Feier des Geheimnisses

Die gesamte Liturgie der Kirche feiert die Erlösung. Sie tut dies, indem sie sich immer wieder in die Gegenwart des Lebens, des Todes und der Auferstehung Christi stellen lässt. In Taufe und Firmung hat jeder Gläubige den Geist empfangen, den Christus am Pfingsttag ausgegossen hat und durch den er allen Menschen aller Zeit an jedem Ort gegenwärtig sein soll. Immer da, wo Menschen sich in seinem Namen versammeln, ist Christus da. Die Liturgie feiert immer das ganze Geheimnis der Erlösung und doch beleuchtet sie wie mit einem Scheinwerfer immer wieder andere Aspekte und Facetten der Geschichte Gottes mit den Menschen und seines heilvollen Wirkens an uns. In den Zyklen des Tages, der Woche und des Jahres entfaltet sich so immer mehr das Geheimnis des Heils vor unseren Augen.

Leben im Rhythmus des Geheimnisses

Das Leben im Kloster ist ganz und gar von den Rhythmen des Kirchenjahres geprägt. Geprägte Zeiten und der Jahreskreis, Alltag und Sonntag: Sie prägen unser ganzes Leben vor allem durch die Texte, Zeichen und die Musik in unseren Gottesdiensten, aber zum Beispiel auch bei den Mahlzeit im Refektorium, mit ihrem breiten Spektrum zwischen eine kargen Fastensuppe und einem reichen Festtagsessen am Ostersonntag. Die große Verschiedenheit der liturgischen Jahreszeiten kann unmittelbar ins Gebet führen: Zeichen und Texte eines Festes können immer wieder das persönliche Beten anregen und den betenden Menschen so zu einer tieferen Begegnung mit dem dreieinen Gottes führen, dessen Heilswerk im Mittelpunkt unseres Feierns steht.

In das Geheimnis hineinwachsen

Das Kirchenjahr ist nicht einfach eine stumpfe jährliche Wiederholung des ewig Gleichen. Vielmehr treffen die Feiern und ihre Texte den Beter in immer neuen Situationen an und können so in je neuem Licht erscheinen. Die Wiederholung, die zur Liturgie wesentlich dazugehört, kann eine Hilfe sein, das ganze Leben im Licht des Geheimnisses der Erlösung zu sehen und so die Beziehung zu Christus immer mehr zu vertiefen. So wird die Feier der Liturgie im Laufe des Jahres besonders für Mönche im Kloster die Hauptquelle, um den persönlichen Glauben zu nähren und reicher werden zu lassen.


Die Feier der Sakramente

P. Nikodemus teilt die Erstkommunion in der Dormitio aus.

Die Liturgie will Berührungspunkte mit dem Geheimnis des dreieinen Gottes in dieser Welt eröffnen. Sie tut dies, indem sie uns am Geheimnis Christi teilhaben lässt, der uns den Heiligen Geist gesandt hat, um uns zum Vater zu führen.

Die Sakramente der Kirche wollen solche Berührungspunkte sein: Sie wollen das Leben der Gläubigen an seinen Wendepunkten mit dem Geheimnis Christi verbinden und uns so in dieser Welt schon an dem Leben teilhaben lassen, das uns erwartet.

Im Glauben begründet: Taufe, Firmung, Eucharistie

Die Taufe ist der Beginn eines jeden christlichen Lebens. In ihr empfängt der Täufling Anteil am Tod und an der Auferstehung Christi und wird so Kind Gottes und Glied seines Volkes, der Kirche. Dieses neue Leben wird in der Firmung durch die Kraft des Heiligen Geistes gestärkt. Im Kloster werden Taufe und Firmung naturgemäß nur selten gefeiert, auch wenn das monastische Leben als eine entschieden christliche Lebensform in der Taufe seinen Ursprung hat. Manchmal haben wir allerdings die Freude eine Taufe unserer katholischen Auslandsgemeinde in unserer Kirche zu feiern. Informationen hierzu erhalten Sie bei unserem Auslandsseelsorger Pater Nikodemus.

Die Feier der Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des gesamten christlichen Lebens, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt. In ihr wird das Ostergeheimnis gegenwärtig. Im Empfang des gewandelten Brotes und des gesegneten Kelches will Christus auch uns zu einem, zu seinem Leib wandeln. In unserer Klostergemeinschaft hat die Eucharistiefeier eine besondere Bedeutung, leben wir doch an zwei biblischen Orten, die sehr vom Geheimnis der Eucharistie geprägt sind: Das Wunder der Brotmehrung in Tabgha erinnert uns an den Heilswillen des Herrn und sein Erbarmen mit uns Menschen, das unsere Vorstellungen weit übersteigt. Und doch werden alle satt. – Der Berg Zion schließlich ist der Ort der Einsetzung der Eucharistie. Hier wird das Erbarmen des Herrn und Seine Hingabe über den Tod hinaus ausgestreckt und schenkt uns neues Leben.

Ausgehend vom Triduum Paschale, den drei heiligen Tagen von Gründonnerstag bis Ostersonntag, sammeln wir uns daher Sonntag um Sonntag und Tag um Tag als Klostergemeinschaft um den Altar und feiern das Sakrament des Todes und der Auferstehung des Herrn.


Mit Gott versöhnt: Beichte und Krankensalbung

Als der auferstandene Herr am Abend des Ostertages zu seinen Jüngern kam, die sich auf dem Zion versammelt hatten sagte er zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“ (Johannesevangelium 20,21-23). Durch diesen Auftrag des Herrn ist der Zion auch ein Ort der Versöhnung. Auch das klösterliche Leben ist durch das Gelübde der conversatio morum vom Weg der Versöhnung und der Umkehr gekennzeichnet. Das Sakrament der Buße ist eine Einladung des Herrn, sein eigenes Leben wieder auf Gott und den Nächsten auszurichten und sich vom Herrn das Wort der Versöhnung zusprechen zu lassen. Dafür stehen unsere Brüder in Jerusalem und Tabgha gern zu Verfügung. Melden Sie sich hierfür bei Ihrem Besuch in der Dormitio oder der Brotvermehrungskirche gern an der Pforte.

Krankheit und Sterben sind Situationen, die für den gläubigen Menschen zu einem Anruf werden können, sich wieder auf Gott hin ausrichten. Besonders einem kranken oder sterbenden Menschen spricht die Kirche deshalb in der Krankensalbung Trost und Kraft zu und steht ihm in dieser Phase seines Lebens bei.


Zum Dienst gesandt: Ehe und Weihen

Die Entscheidung für einen bestimmten Lebensentwurf prägt ein ganzes Leben. Für Christen ist es wichtig, Gott bei dieser Entscheidung mit ins Boot zu holen und um seinen Segen, sein Weggeleit zu wissen.

In der Ehe sprechen sich zwei Menschen ihr „Ja“ zu. Wo dieses „Ja“ in Treue gelebt wird, ist es ein Zeichen der Treue Gottes zu uns Menschen. Die kirchliche Eheschließung ist daher eine Bitte an Gott, dass er selber den Lebensweg der Neuvermählten mit seiner Gnade begleiten möge und sie so zu einem Segen für ihre Kinder und für viele andere Menschen mache. Wenn Sie daran denken, sich dieses Ja-Wort im Heiligen Land zu geben, nehmen Sie bitte Kontakt mit unserem Auslandsseelsorger Pater Nikodemus auf.

Bei der Weihe zum Diakon und zum Priester kniet der Weihekandidat vor dem Bischof. Er legt seine Hände in die des Bischofs und verspricht Ehrfurcht und Gehorsam. Damit bringt er seine Bereitschaft zum Dienst in der Kirche zum Ausdruck. Dem neugeweihten Diakon gibt der Bischof das Evangeliar in die Hände: „Empfange das Evangelium Christi: Zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben; was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben!”. Dem neugeweihten Priester salbt der Bischof die Hände und gibt ihm Hostienschale und Kelch: „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.”

Auch wenn viele Mönche, als Priester oder Diakone wirken, so ist die Verbindung zwischen Mönch- und Priestertum doch nicht zwingend. Es handelt sich vielmehr um zwei unterschiedliche Berufungen, die zwar in einem Leben zukommen können, aber nicht müssen. Innerhalb der Gemeinschaft sind Priester und Nichtpriester in allem gleichberechtigt außer bei den liturgischen Funktionen, die ausdrücklich nur den Priestern oder Diakonen zukommen.


Die Suche leben: Profess

Neben den Sakramenten gibt es noch andere kirchliche Feiern und Zeichenhandlungen, die zu den Sakramenten hinführen oder diese vertiefen. Dazu gehören zum Beispiel Segnungen, Weihen oder auch das kirchliche Begräbnis.

Für das klösterliche Leben ist die Profess grundlegend. In dieser Feier legt der Mönch seine Gelübde ab und verpflichtet so ein Leben lang zu Gehorsam, klösterlichem Lebenswandel und Beständigkeit. Damit gibt er seinem Taufversprechen einen ganz konkreten Ausdruck, der sein christliches Leben von nun an prägen soll. Die Feier der Profess enthält manche Anklänge an der Osterliturgie und auch an die Taufe: Der Mönch will sich in seinen Gelübden ganz mit Christus, mit seinem Hinübergang vom Tod zum Leben, verbinden. So stirbt er gleichsam für die Welt und lebt ein neues Leben, das ganz auf Gottes Barmherzigkeit baut. Dafür steht zeichenhaft das Suscipe, der Gesang des Neuprofessen: „Nimm mich auf, o Herr, nach deinem Wort und ich werde leben. Lass nicht zuschanden werden mein Vertrauen.“


Die Feier des Stundengebets

Psalmengebet in der Dormitio

Gott Raum geben im Alltag

Immer wieder versammeln Benediktinermönche sich im Laufe des Tages in der Kirche, um Gott zu loben. Sie tun dies, indem sie in das Stundengebet der ganzen Kirche einstimmen. Früh am Morgen, um die Mittagszeit, abends und vor dem Schlafengehen singen wir die Psalmen und Hymnen, hören die Lesungen, die seit vielen Jahrhunderten das Herz des Stundengebets sind. Diese Stunden öffnen einen Raum, an Gott zu denken, zu ihm zu beten, selbst und gerade dann, wenn es im Alltag einmal hektisch zugeht.

Gebet als Wache

Die Regelmäßigkeit des Gebets erinnert an den Auftrag des Herrn: „Wacht und betet!“ Mönche sind Menschen, die in ihrem Leben versuchen, diesen Auftrag zu leben und die Zeichen der Nähe und Gegenwart Gottes in allen Dingen zu entdecken. Die Tagzeitenliturgie richtet in ihrer stetigen Wiederkehr immer wieder den Blick auf den Auferstandenen, der auf uns zukommt und den wir voll Freude und Hoffnung erwarten und der uns erwartet – am Ende der Zeiten, am Ende unseres Lebens und jeden Tag neu.

Ökumenisch das Wort Gottes feiern

Das Stundengebet besteht zum überwiegenden Teil aus Texten der Heiligen Schrift. Die Heilige Schrift ist das ökumenische Buch schlechthin: Sie gehört allen Christen, ja der ganzen Menschheit. In einer Zeit, in der die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften noch auf der Suche nach der Einheit sind, die nur Gott schenken kann, ist das Stundengebet deshalb eine große Chance, da es vorwiegend das Gebet der Schrift ist. Und so steht das Stundengebet in der Dormitio und in Tabgha allen offen und lädt alle zur Gemeinschaft ein, die zu uns kommen: Mönche, Volontäre, Lehrende, Studierende, Jugendgruppen, Priesterseminaristen, Gäste, Neugierige, Sucher.


Ikonen

Ikone

Das griechische Wort εικόνα, Ikone, meint mehr als einfach Bild. Ikonen sind in ihrer Entstehung und Technik zwar Bilder. Doch sie beziehen sich auf ein Ur-Bild, das sie nicht einfach nur abbilden wollen, sondern das sie vielmehr gegenwärtig machen.

Man kann sie vielleicht mit einem Foto eines geliebten Menschen vergleichen, das man in einem Medaillon an einer Halskette mit sich trägt, oder zwischen Ausweis und Kredit-Karte in der Brieftasche. Was man einem solchen Foto an Zuneigung entgegenbringt, welche Erinnerungen man damit verbindet – das bezieht sich auf die Person selbst, nicht aber auf das Fotopapier und die Farbe.

In dieser Weise sind es auch nicht die Ikonen selbst, denen besonders in der Liturgie der Ostkirchen Verehrung zukommt. Es sind vielmehr die dargestellten Personen und Ereignisse, die mit den Ikonen in der Liturgie und im Kirchenraum gegenwärtig sind.

Theologie in Farbe

Ikonen sind daher mehr als Bilder und Dekoration: Mit Farben und Gold, in meist einfachen Formen und Linien, festgelegten Gesten und Darstellungsformen wird in ihnen Theologie sichtbar, ja, nahezu greifbar.

Ikonen sind Theologie in Farbe, denn sie sprechen über Gott und Seine Geschichte mit den Menschen, über die Heilsereignisse in Jesus Christus, über die Heiligen des Alten und des Neuen Bundes bis in unsere Tage hinein.

Bestimmte Ikonen haben in unseren Klöstern einen festen Platz. Andere haben ihren Ort und ihre Zeit zu bestimmten Tagen und Festen.

In unserer Liturgie an beiden Orten spielen Ikonen eine wichtige Rolle. So findet der Besucher der Brotvermehrungskirche in Tabgha dort zwei große Ikonen der Stifter des ersten Klosters an diesem Ort. Die Mönche haben bei ihren Mahlzeiten im Refektorium des neuen Klosters ein großes Fresko des Besuchs der drei Männer bei Abraham vor Augen. Diese Ikone, die man als „Fremdenliebe“ (φιλοξενια) bezeichnet, erinnert einerseits an die Fremdenliebe des dreieinen Gottes, der uns zuerst geliebt hat, andererseits an unsere klösterliche Berufung, einander und besonders auch unsere Gäste in Liebe anzunehmen.

Auch in der Dormitio kann man Ikonen sehen. Während der Liturgie steht im Altarraum regelmäßig die Festtagsikone, die uns das Geheimnis, der wir feiern, vor Augen stellen möchte. Auch im Kloster gibt es an verschiedenen Stellen unterschiedliche Ikonen verschiedener Zeiten und Stile. Sie haben alle einen gemeinsamen Zweck: Sie wollen der inneren Sammlung dienen und uns dort, wo wir gerade sind, an die Gegenwart Gottes erinnern. In diesem Sinne sind Ikonen Erinnerungen an Gott und sichtbare Zeichen seiner Gegenwart.


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