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Stell Dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben...

24. Dezember 2016

Krippenszene (Klosterrefektorium Tabgha, 2016) Krippenszene (Klosterrefektorium Tabgha, 2016)

Predigt von Pater Basilius in der Heiligen Nacht in Tabgha (24./25. Dezember 2016)

„Stell Dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben!“

Das waren die Worte eines Impulses zum Advent, auf den ich vor ein paar Tagen im Internet gestoßen bin.

Weil uns unser Leben nur geschenkt ist

Er stammte noch nicht mal aus einem besonders religiösen, schon gar nicht aus einem explizit christlich-kirchlichen Kontext. Aber diese wenigen und einfachen Worte sind bei mir hängengeblieben, und beschäftigen mich seither: Stell dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben.

In einem sehr weiten Kontext spielt der Satz natürlich darauf an, dass wir keinen Anspruch auf unser Leben haben, dass es uns eben geschenkt und anvertraut ist, dass sich daraus eine Wahlmöglichkeit und Verantwortung ableitet.

Denn ein Geschenk kann man schätzen und ehren, es benutzen und gebrauchen – oder man kann es achtlos in der Ecke liegen lassen… Stell dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben…

Im Advent und kurz vor dem neuen Jahr lädt der Satz insofern sicher auch säkulare Menschen ein, über das vergangene Jahr nachzudenken, zu sehen, ob und wie man dieses Geschenk des Lebens geehrt und benutzt hat, und wo es im neuen Jahr vielleicht besser und anders sein kann, und was man selbst dazu beitragen kann.

Solche Fragen sind kein Privileg der säkularen Gesellschaft, sie gehören zum Kernbestand aller prophetischer Botschaft der Bibel und der Kirche. Wir umschreiben es mit den vielleicht etwas sperrigen Begriffen Reue und Umkehr, Gnade und Vergebung, Milde und Barmherzigkeit.

Aber der Anspruch, mit dem die Propheten des Alten Bundes bis zu Johannes dem Täufer an die einzelnen Menschen und an die Gesellschaften herantreten, und den wir als Kirche mit Christus ebenso auf Auftrag übernommen haben, ist und bleibt immer gültig, wo Menschen miteinander leben:

Weil Schenken mehr bedeutet als nur geben

Richte dein Leben neu aus! Wahre und sichere Gerechtigkeit und Frieden! Schaue auf die Unterdrückten, die Armen und die Fremden! – Stell Dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben!
Geschenke, gerade zur Weihnachtszeit gehören sie dazu. Man mag über Art und Aufwand geteilter Meinung sein. Aber wenn wir einander etwas schenken, ist das in der Regel auch ein Zeichen persönlicher Verbundenheit, freilich eines, das man im Einzelfall auch richtig lesen muss.

Gehen wir aber vom Idealfall aus: Der, der schenkt, freut sich, dem anderen eine Freude machen zu können; und der, der beschenkt wird, freut sich ebenso über das Geschenk wie auch über den, der ihn da beschenkt.

Schenken ist, so gesehen, ein Teilen von Freude, von Verbundenheit und Freundschaft. – Stell Dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben…

Weil Gott selbst uns schenkt...

Ja, und genau das feiern wir heute Nacht: Gott schenkt uns ein Leben. Nicht irgendein Leben, sondern das Leben Seines Sohnes. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16). – „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt“ (Jes 9,5), hieß es vorhin der Lesung aus dem Propheten Jesaja…

Das Leben, dessen Geburt wir heute Nacht feiern, ist ohne Zweifel das bemerkenswerteste und wichtigste unter allen Menschenleben. Jesus von Nazareth, geboren in Bethlehem ist ein Geschenk für diese Welt und für alle Menschen. Sein Leben in Demut und Entschlossenheit, in Liebe und Eifer, in Verbundenheit mit dem Vater im Himmel und in Hingabe an die Menschen zeigt uns ein für alle Mal, wie ein Menschenleben wirklich ein Menschenleben sein kann, wie Menschwerdung und Menschsein gehen kann. – Stell Dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben…

…und wie viele nehmen dieses Geschenk dankbar und liebevoll an!? Damals und heute… – Und wie viele verwerfen es letztlich doch, versuchen, dieses einzigartige Leben des Jesus aus Nazareth wegzuwerfen… Damals und heute…

Weil Gott uns mehr schenkt...

Wenn wir heute Nacht vor dem Kind in der Krippe die Knie beugen, beugen wir auch schon vor dem Gekreuzigten die Knie. Geschenk eines Lebens. – Und so wie uns das Kind aus der Krippe anschaut, so schaut uns auch in dieser Nacht schon der Auferstandene an: in Seinem Wort, im Geheimnis der Eucharistie und nicht zuletzt durch unser gemeinsames Beten und Singen in dieser Feier. – So schenkt Gott. So schenkt Gott Leben!

Und wenn wir nun so auf das Kind in der Krippe schauen, dann wird vielleicht noch einmal klarer, dass, wenn wir den ursprünglichen Adventsimpuls weiterdenken, es um viel mehr gehen kann: Stell Dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben…

Vielleicht ist es zu selbstverständlich und wahrscheinlich schon viel zu oft gesagt worden, aber trotzdem ist es wahr: Dieses Kind in der Krippe von Bethlehem braucht genauso wie alle kleinen Menschenkinder Zuneigung und Liebe, Schutz und Begleitung. Und seinerseits schenkt es diese Zuneigung und Liebe, Freude und Neugier. – So wie alle kleinen Menschenkinder. So wie jeder von uns.

Weil Gott Gott ist

Stell Dir vor, Gott schenkt Dir ein Leben. – Es ist keine bloße Vorstellung und Idee, kein Gedankenexperiment. Es ist einfach wahr: Gott schenkt Dir ein Leben.

Gott schenkt Dir nicht zuletzt Dein eigenes Leben. – Nutz es! Lebe gut und wahrhaftig! Suche Gerechtigkeit und Frieden! Suche Licht und Wahrheit! Falle und stehe wieder auf! Lache und hoffe! Liebe und vergib! Lebe!

Gott schenkt Dir auch das Leben der Menschen um Dich herum! Wie ein Geschenk teilt Gott sie mit Dir, zu Deiner Freude und zu Deinem Wohl. Diese Menschen sind Dir anvertraut! – Und Du, Du bist ihnen genauso anvertraut.

Gott schenkt Dir vor allem das Leben Seines eigenen Sohnes. Auch Er ist Dir mit Seinem Leben, Seiner Botschaft in Wort und Werk anvertraut. Und Gott vertraut Dich Seinem Sohn an. Bis hinein in die allereinsamsten und allerfinstersten Momente, bis hinein in den Tod.

Denn Gott schenkt Leben. – Das ist der Kern der Botschaft dieser Nacht, der lichte Samen, der in die Dunkelheit dieser Nacht eingelassen wird, und der in unserem Leben wieder neu wachsen und aufstrahlen will. So, wie nach den ersten Regentagen auch die Natur hier um uns herum wieder neu erwacht ist und ergrünt.

Gott schenkt uns Leben! – Liebe Schwestern und Brüder, in diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch allen ein frohes und gesegnetes, ein lebensfrohes und lebenweckendes Weihnachtsfest!

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