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Und das Wort wurde Fleisch

25. Dezember 2016

Krippenszene (Brotvermehrungskirche Tabgha, 2016) Krippenszene (Brotvermehrungskirche Tabgha, 2016)

Predigt von Pater Basilius am Weihnachtsmorgen in Tabgha (25. Dezember 2016)

Liebe Schwestern und Brüder,

mit diesem Weihnachtstag sind wir auch dem Ende des bürgerlichen Jahres schon sehr nahe gekommen. In einer Woche gehen wir in das neue Jahr 2017.

Das Wort Gottes im Leben der Kirche

Vor 500 Jahren, 1517, begann das, was wir Reformation nennen. Deshalb wird es im kommenden Jahr eine Reihe von Feierlichkeiten geben, um der Ereignisse von 1517 zu gedenken.

Anders aber als vorangegangene Jubiläen ist das Jubiläumsjahr 2017 nicht eine triumphale Martin Luther-Feier oder eine Zelebration eines vermeintlichen Sieges der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen. Die Wunden und Verletzungen von 500 Jahren Trennung und Kampf sind auf beiden Seiten zu stark.

Hier in Tabgha konnten wir dies sehr eindrucksvoll erleben, als eine Delegation von hochrangigen Bischöfen und Würdenträgern der katholischen und der lutherischen Kirche im Oktober dieses Jahres als ökumenische Pilgergruppe ins Heilige Land kam. Wie sehr haben sie genossen, die Heilige Schrift zu teilen und zusammen die heiligen Stätten zu besuchen. Und wie traurig waren sie, dass es nicht möglich ist, solche Freude und Ermutigung auch in der gemeinsamen Feier der Eucharistie und der Kommunion zu teilen.

Daher werden die lutherischen Kirchen und Gemeinden zumindest in Deutschland den Fokus ihrer Aktivitäten während des Jubiläums auf Christus selbst richten.

Das Wort Gottes als Mensch in unserer Mitte

Jesus Christus. Der Messias. Das neue geborene Baby in der Krippe in Bethlehem. – „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“ (Joh 1,14).

Es ist sicher eines der wichtigen und klugen Anliegen von Martin Luther, dass alle Gläubigen Zugang zu Gottes Wort haben sollten. Mit seiner Übersetzung der Bibel hat er daher einen ganzen Prozess kultureller und religiöser Entwicklung ausgelöst. „Das Wort wurde Fleisch“, hat in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung.

So gesehen, können auch wir als Katholiken das Jubiläum der Reformation als erneute Einladung verstehen, Gottes Wort auch in unserem Leben durch das Lesen und Meditieren der Schrift Fleisch werden zu lassen. Nicht nur hier im Heiligen Land und in einem Benediktinerkloster.

Der Menschen Worte und unser Leben

Gerade in diesem zu Ende gehenden Jahr 2016 haben wir erleben müssen, dass unsere Worte sehr mächtig sein können, und dass sie massive Auswirkungen haben können: Wenn wir z.B. auf den sich ändernden Grundton politischer Reden schauen, vor allem von politisch rechten Parteien, wenn wir den Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten betrachten, wenn man sich die Reden und Erklärungen anhört, die im Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen, mit dem Krieg in Syrien und vielen anderen Gelegenheiten der Gewalt gegeben werden ... Dann müssen wir erkennen, dass unsere Worte enorme Konsequenzen haben können. Und nicht immer zum besseren ...

Aber hier geht es um menschliche Worte.

Doch wir feiern Weihnachten. Und wir haben gerade die wunderbaren ersten Verse aus dem Evangelium des Heiligen Johannes gehört. „Und das Wort wurde Fleisch!“

Unser Fest und unsere Festfreude dreht sich um Gottes Wort. Wir feiern, dass Gott Mensch geworden ist. Das Wort Gottes, das unter uns lebte, das noch heute unter uns lebt – es bedeutet Licht und Leben und Wahrheit. Es geht um Liebe und Barmherzigkeit, um Mitgefühl, Hilfe und Hingabe, um Versöhnung und Frieden und die Kraft eines Neuanfangs mit diesem Wort Gottes. Wieder und immer wieder. In dieser Lebenszeit und jenseits dieses Lebens in einer Weise, die wir mit unseren Worten nicht beschreiben können.

Denn trotz der Kraft unserer menschlichen Worte können sie keine endgültige und ewige Erlösung und Errettung bewirken. Alleine das Wort Gottes ist unser Weg zum Leben und zur Rettung.

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“

Das Wort Gottes Fleisch werden lassen

Liebe Schwestern und Brüder, lasst Sie uns dieses Weihnachtsfest zusammen mit dem Jubiläum von 1517 als Einladung verstehen, Gottes Wort mehr Raum und Kraft in unserem Leben zu geben.

Setzen wir alles daran, die Worte des Hasses, des Neides und des Misstrauens, des Zorns und der Aggressivität zu schwachen und trockenen Knochen zu machen, damit sie zu Staub und Dreck verfallen, weggeblasen vom Heiligen Geist.

Auf dass unsere Worte der Barmherzigkeit und Versöhnung, des Lichts und der Wahrheit, des Friedens und der Liebe, stärker werden und mehr Fleisch und Kraft in unserem Leben bekommen.

Lasst das Wort Gottes Fleisch werden. In unseren Leben.

Yes, Lord, we greet thee, born this happy morning, Jesus, to thee be all glory giv’n; Word of the Father, now in flesh appearing: O come let us adore him, o come, let us adore him, o come, let us adore him, Christ, the Lord!

Amen.

Hinweis: Dieser Text ist eine überarbeitete Übersetzung der Predigt, die im Original in Englisch gehalten wurde, da wie schon seit etlichen Jahren eine große Pilger-Gruppe des Nordamerikanischen Priesterseminars in Rom den Weihnachtsgottesdienst mit uns gefeiert hat.

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