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Gold, Weihrauch und Myrrhe am Felsen in Tabgha

06. Januar 2017

Die drei Weisen an der Krippe in Tabgha (2017) Die drei Weisen an der Krippe in Tabgha (2017)

Predigt von Pater Basilius am Hochfest der Erscheinung des Herrn in Tabgha (6. Januar 2017)

Liebe Schwestern und Brüder,

einmal mehr sind wir um die Krippe versammelt und schauen auf das Kind von Bethlehem. Am heutigen Fest aber stehen wir hier nicht mit den Einheimischen, mit denen von Nebenan, nicht mit den Hirten von Bethlehems Feldern.

Mit denen, die nicht dazugehören...

Heute stehen wir hier mit den Weisen, den drei heiligen Königen, mit denen, die von weither kamen. Mit den Völkern. Mit denen, die eigentlich und erstmal noch nicht dazu gehören.
Alleine das ist schon ein schönes Bild für uns in Tabgha. Denn ich glaube, dass das Hochfest der Epiphanie, das Hochfest der Erscheinung des Herrn ein wirkliches und richtiges Tabgha-Fest ist. – Denn auch hier her kommen so viele von Fern. So viele, die auf den ersten Blick nicht dazu gehören.

Unsere Krippendarstellung in diesem Jahr macht das vielleicht besonders deutlich: Ochs und Esel, die Hirten und der Anbetungsengel und heute eben die drei Weisen mit dem Kamel sammeln sich um den heiligen Felsen unter dem Altar. Um jenen Felsen, auf den der HERR der Überlieferung nach Brote und Fische gelegt hat, um sie dann auszuteilen. Und es hat für viele gereicht. Wohl auch für die, die erst mal nicht dazugehörten. Sicher für die, die von so weit hergekommen waren, dass sie abends nicht mehr nach Hause zurückgehen konnten. Und es hat gereicht, es war sogar noch übrig…

Mit den Gaben der drei Weisen an der Krippe

Mit den drei Weisen stehen und knien wir nun um die Krippe und um unseren Felsen. Gaben haben sie dabei: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Das Gold, so haben wir es heute Morgen im Hymnus der Laudes gesungen, steht für den König, der Weihrauch für den Gott, die Myrrhe für Tod und Grab. Diese kostbaren Gaben der Männer aus der Ferne bringen es ganz dicht auf den Punkt, worin die Sendung des Kindes in der Krippe liegt: Er, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist, soll herrschen, über Lebende und Tote, er soll Grab und Sünde und Tod besiegen, damit viele, hoffentlich wir alle einen Platz im Reich des Himmlischen Vaters haben. – Vielleicht auch die, die auf den ersten Blick gar nicht dazu gehören, deren Wege zum Kind, zum Felsen, zum Heil weiter zu sein scheint. – Gold und Weihrauch und Myrrhe.

Und auch diese drei kostbaren Gaben passen sehr gut in unser einfaches Tabgha:

Brotvermehrung 2016 (1/3): Einsamkeit. Brotvermehrung 2016 (1/3): Einsamkeit.

Myrrhe in Tabgha

Es gibt Sünde und Tod, es gibt Scheitern und Leiden in unserem Leben, die kleinen Tode in unseren Beziehungen und Hoffnungen, die Gräber für unsere Wünsche und Sehnsüchte.

Wir brauchen Myrrhe, um sie dann auch wirklich Tod und Grab sein zu lassen. Mühsale anerkennen, aber nicht dabei stehen bleiben: Kommt mit an einen einsamen Ort, sagt der Herr zu Seinen Jüngern.

Es braucht diese Zeiten und Orte, um loszulassen.

So wie die Myrrhe das Begräbnis und Loslassen eines geliebten Menschen begleiten kann, so will der Herr selbst auch uns zur Seite stehen, wenn wir loslassen sollen und wollen. Einsamkeit und Stille, Erholung und Sammlung.

Das ist die Myrrhe unseres Felsens.

Brotvermehrung 2016 (2/3): Barmherzigkeit. Brotvermehrung 2016 (2/3): Barmherzigkeit.

Gold in Tabgha

Und der HERR bleibt dabei nicht stehen. Loslassen alleine wäre fatal, wenn es nicht etwas Neues danach geben würde.

Das Gold der Weisen, das für den König und seine Herrschaft steht, ich erkenne es wieder im „Mir ist weh um die Leute“, das Jesus spricht, als er die an Leib und Seele Kranken sieht.

Das Gold der Weisen ist in der Geschichte der Brotvermehrung die Barmherzigkeit, mit der sich Jesus den Menschen zuwendet. Seine heilenden Worte und Hände, Sein offenes und hörendes Herz, Sein liebender Blick.

All das ist viel kostbarer als das Gold aller Könige der Erde.

Dieses Gold ist unser Felsen.

Brotvermehrung 2016 (3/3): Lobpreis. Brotvermehrung 2016 (3/3): Lobpreis.

Weihrauch in Tabgha

In der Herrlichkeit und im Licht, das uns in diesem Festtag aufstrahlt, und das alle unsere liturgischen Texte besingen, wird aber noch mehr deutlich: In der Geburt Jesu und in Seiner Offenbarung mitten unter uns wird deutlich, dass auch wir noch zu mehr, viel mehr berufen sind.

Der Weihrauch der Weisen steigt auf, es ist Gebet, es ist Lobpreis. So, wie Jesus die fünf Brote und die zwei Fische nimmt und den Lobpreis spricht.

So wenig wir vielleicht haben, so klein wir uns vielleicht fühlen – vor Gott hingehalten, in Lieben und Vertrauen, in Offenheit und Ehrlichkeit, kann es so viel mehr sein, und noch mehr werden. So wie ein kleines Weihrauchkorn mit seinem Rauch und seinem Duft einen ganzen Raum ausfüllen kann. – Und alle wurden satt…

Dieser Weihrauch, auch das ist unser Felsen.

Mit den Gaben der Pilger am heiligen Felsen

Gold, Weihrauch und Myrrhe der Weisen: Ich erkenne sie wieder in unserem Ortsevangelium.

Und jeden Tag bringen unsere Pilger und Besucher ihre Nöte und Sorgen, ihre Tode und Gräber mit, ihre Myrrhe.

Jeden Tag suchen so viele Menschen nach Heil und Heilung, spüren vielleicht gerade in unserer einfachen und klaren Basilika deutlicher als an anderen Orten im Heiligen Land etwas von Gottes Barmherzigkeit und Liebe. Sehen gerade hier, wo wir nur wenig goldenen Kirchenschmuck haben, vielleicht mehr vom wahren Gold der Königsherrschaft Jesu.

Und wie viele Gebete steigen hier Tag für Tag auf: gesungen und gesprochen, in fast allen Sprachen dieser Welt, von Einzelnen und von Gruppen, still und ohne Worte, in der Geste einer Kerze, die vor den Ikonen angezündet wird… So viel Weihrauch, jeden Tag steigt er in Bitte und Klage, in Dank und Lobpreis auf vor Gott in unserer Kirche.

Das Fest der Erscheinung des Herrn ist ein Fest, das sehr, sehr schön zu Tabgha passt. Und unsere Krippe macht uns das dieses Jahr sehr schön erfahrbar: Wir stehen um den heiligen Felsen der Brotvermehrung, mit den Weisen und den Hirten. Mitten darauf das göttliche Kind, der Heiland und Friedensfürst. Wir bringen ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. – Und das nicht nur heute und an diesem Fest. Und auch nicht nur durch unsere Pilger.

Mit unseren Gaben und dem Herrn in unserem Leben

Auch unsere kleine Gemeinschaft aus Schwestern und Brüdern gemeinsam mit unseren Gästen, wir sammeln uns ja jeden Tag um diesen heiligen Felsen, besonders wenn wir die Eucharistie feiern und unsere Gaben von Brot und Wein zum Altar bringen. Denn in diesen Gaben gibt ER sich ja selbst. ER schenkt uns Leben, jeden Tag neu. Gibt, scheinbar nur Kleines und Weniges. Unscheinbarer als Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Aber es zeigt uns an und verspricht uns, das ER selbst mit uns und unter uns ist. Dass ER unsere Gräber und Tode und Mühsale kennt. Dass ER uns mit Seiner Barmherzigkeit schon entgegenkommt und uns in Seine Arme nimmt. Dass ER unsere Kleinheit und Wenigkeit vor unseren Vater im Himmel hält.

Damit es reicht. Für die vielen. Für die Fernen. – Und nicht zuletzt auch für uns, die Weitgereisten, die noch so viel weiter reisen sollen…

Ich wünsche Euch und Ihnen in diesem Sinne ein gesegnetes Fest und gesegnete weitere Wege.

Von Tabgha aus bis an die Enden der Erde.

Und weit darüber hinaus…

Zu den Bildern: „Brotvermehrung 2016”, Basilius Schiel OSB
Brotvermehrung 2016 (1/3): Einsamkeit – „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.” (Mk 6,31).
Brotvermehrung 2016 (2/3): Barmherzigkeit – „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen.” (Mk 6,34).
Brotvermehrung 2016 (3/3): Lobpreis – „Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis...” (Mk 6,41).

Jeweils Acryl auf Leinwand, 50×70 cm, 2016.

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