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Klosterweisheiten: „Apophthegmata der Hagiosioniten des 20. Jahrhunderts“


Altväter 1996: Abt Benedikt mit Br. Eduard (+2002), Br. Hilarion (+1998) und P. Paul (+1998).

Aus dem Vorwort:

Hier im vorderen Orient ist das christliche Mönchtum entstanden. Seit dem dritten Jahrhundert gibt es sie [die Mönche] in Ägypten, Sinai, Palästina, Syrien und an anderen Orten. Sie sind uns bekannt durch ihre Schriften, besonders aber auch in kleinen Überlieferungen, Anekdoten und Aussprüchen, die von ihren Schülern tradiert wurden.

Diese Wüstenvätersprüche oder Apophtegmata charakterisieren diese Väter vortrefflich in ihrem Glauben, ihrer Weisheit, ihrer Lebenserfahrung, ihrer Demut und Askese und nicht zuletzt in ihrem Humor.

In diesem Jahrhundert [ d.h. das 20. Jahrhundert ] nun hat sich ein neuer Zweig dieser Wüstenmönche gebildet, die so genannten Hagiosioniten, die Bewohner des heiligen Berges Sion. – Von diesen stammen die folgenden Aussprüche oder Apophtegmata.


Altvater Hilarion

Bruder Hilarion und Pater Paul (ohne Jahr).

Über das Streben nach oben

Altvater Hilarion, der Sionit, sprach, als er nachsinnend zur neuen Orgel hinauf blickte: „Höher hinaus geht es nicht! Auch jedes Streben nach oben hat einmal seine Grenze.“ (1982)


Über den Sinn von Weihnachten

Es sprach der Altvater Hilarion über den Sinn von Weihnachten: „Nicht Abt, nicht Prior, nicht Priester, nicht Mönch, nicht Pfarrer, sondern Bruder geworden ist Gottes Sohn. – Darin liegt der Grund für alle Verständigung.“ (24.12.88)


Über die Gabe der Unterscheidung der Geister

In der großen Versammlung berieten sich die Brüder über die Urlaubsregelung. Da stellte der Altvater Hilarion den Antrag für ein Sabbatjahr anläßlich seines 60. Professtages.
Altvater Natanael fragte ihn: „Und wo gehst Du hin?”
Hilarion: „Entweder nach Maria Laach, nach Trier oder ins Makarius-Kloster.”
Natanael: „Und wie entscheidest Du Dich?”
Hilarion: „Mal gucken, wo die beste KrankenStation ist.”
(1989)


Altvater Paulus

Pater Paul und Bruder Bruno (ohne Jahr).

Über Fragen der 'Aus-Schbrache'

Ein arabischer Christ fragte einst den Altvater Paulus: „What's your name, Abuna?“
„Abuna Boulos!“
Darauf die Frage: „How do you speIl Boulos? With ‚b‘ like ‚Police‘?” (1986)


Über wahren Geschäftssinn

Ein Studiosus kauft im Laden beim Altvater Paul ein Buch, der aber hat kein passendes Wechselgeld.
Altvater Paulus: „Kommen Sie später zum Zahlen!”
Der Studiosus wundert sich: „Haben Sie soviel Vertrauen?”
Darauf Altvater Paulus: „Das müssen Sie eh' beichten!”


Über die Melodie des Lebens

Nach einem Hustenanfall des Abbas, sprach der Altvater Paulus: „So, und jetzt die zweite Strophe!“ (1988)


Altvater Eduard

Bruder Eduard am Ufer des Sees Genezareth.

Über ein Thema, das alle angeht

Es sprach der Altvater Eduard im Gebet:
„Herr schenke uns den nötigen Regen
– auch wenn die anderen dagegen sind!” (1987)


...wird unterschätzt!

Eine Pilgerin sprach einst am Ort der Brotvennehrung : „Ich muß unbedingt den Altvater Eduard fotografieren: Er sieht genauso aus wie mein Gartenzwerg!” (1986)


Über wahren Erfolg

Derselbe sprach zum Pater Prior: „Lieber Altvater, Ihr Buch geht gut, gestern habe ich erst noch eins verkauft.” (1986)


Altvater Hilarion

Bruder Hilarion und Bruder Bruno.

Über die Herausforderung der Berufung

Ein ehemaliger Student der Theologie im Zönobium auf dem heiligen Berg Sion begrüßt den Altvater Hilarion und erzählt, dass er inzwischen Franziskanermönch geworden wäre. Da erwiderte der Altvater Hilarion: „Zum Benediktiner hat es wohl nicht gereicht!“ (1988)


Über wahren Fortschritt

Der Sionit Hilarion wurde von seinen Schülern nach seiner Zukunftsvision des Zönobiums auf dem Berge Sion gefragt. Er sprach in feierlicher Weise: „Wie es war zu aller Zeit, so bleibt es auch in Ewigkeit. Amen!“ (1987)


Über seine Oberen

Derselbe sprach zu seinen Freunden: „Ich bin jetzt 78 Jahre alt, aber dass ich schon mein graues Haar habe, habe ich alles meinen Oberen zu verdanken!“ (1987)


Altvater Benedikt

Benedikt Stolz

Über die Freiheit eines Mönches

Altvater Benediktos sprach zu seinen Lebzeiten: „Bei uns ist alles erlaubt – und auch dazu ist man nicht verpflichtet!” (1985)


Über seinen Prior

Einst gab der greise und deshalb auch sehr weise Altvater Benediktos, der bereits mit den Vätern und den Engeln das Trishagion singt, seinen Schülern folgendes Rätsel auf: „Was ist der Unterschied zwischen dem lieben Gott und dem Pater Prior?”
Niemand konnte dies beantworten. – „AIso”, sprach er, „der liebe Gott ist überall. Der Prior ist auch überall, nur nicht in der Dormitio.” (1985)


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