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Dazwischen

06. Juli 2017 Basilius

„Twilight” – Landschaft um den See Genezareth an einem späten Dezembernachmittag. „Twilight” – Landschaft um den See Genezareth an einem späten Dezembernachmittag.

Für einen Moment bin ich wieder zwischen den Zeiten und Erfahrungen: Als mich am frühen Montagnachmittag die Nachricht vom (vorläufigen) Urteil im Gerichtsprozess gegen zwei der mutmaßlichen Brandstifter erreicht, bin ich in Köln, im Generalsekretariat des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande. Eine Bausitzung steht an, um die nächsten Projekte vor und neben der Kirche in Tabgha zu besprechen.

Das Atrium ist nach dem Brandanschlag ja wiederhergestellt und in Funktion. Der Kirchenvorplatz und das Gelände des früheren Klostergebäudes sollen eine positive Antwort auf die Feuernacht sein: Keine Mauern und Zäune, sondern Begegnung und Offenheit, Kennenlernen und Vorurteile überwinden, Ruhe und Erholung finden, Schatten, Sitzmöglichkeiten. „Denn es gab dort viel Gras…“ (vgl. Joh 6,15).

Wie die dunklen Aschespuren im ganzen Haus jener Tage im Sommer 2015 kommt dann die Nachricht aus Nazareth – eine Verurteilung, ein Freispruch. Dazwischen. Zwischen der Brandnacht und den geborstenen Mauern und Dächern einerseits und der Perspektive auf ein neues, Hoffnung stiftendes Bauprojekt andererseits. Zwischen der Beruhigung, dass jemand Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss, und der Irritation, dass das für andere vielleicht nicht gilt.

Aus der Zeit nach dem Brandanschlag und verschiedenen Begegnungen mit israelischen Sicherheitskräften kenne ich eine ganze Reihe ihrer Ermittlungsergebnisse. Für mich als Laien sehr beeindruckend. Was das Gericht daraus macht, ist Angelegenheit des Gerichtes. Dazu habe ich als Mönch nichts zu sagen. Das immer wieder in israelischen und deutschen Meldungen zitierte Statement des Staatsanwaltes aber ist eindeutig: Es geht auch um eine Positionierung des Staates gegenüber „jüdischem Terrorismus“. – Und ich höre die vielen Fragen von Menschen um uns herum, in denen sich angesichts des Urteiles Enttäuschung und Ratlosigkeit und auch Wurt und Ärger mischen.

Dazwischen…

Am Ende der Woche sehe ich in diesem Urteil vor allem einen Appell. Eine Gesellschaft, in diesem Falle die israelische, erkennt an, dass es in ihren Reihen Extremismus und Terrorismus gibt. – Damit steht Israel wirklich nicht alleine auf der Welt. – Gerade in dem Zwiespältigen des Urteils vom Montag klingt für mich daher auch die Anfrage an unsere Gesellschaften mit: Was können Eltern, Erzieher, Lehrer, Religionsvertreter, was kann jeder Einzelne von uns künftig tun, damit es solche Gerichtsprozesse erst gar nicht mehr braucht? Warum kommt es im Zusammenleben von Menschen immer wieder zu Hass, der in Gewalt umschlägt?

Die Antworten sind vielfach bekannt. Alleine, es fehlt uns so oft der Mut und die Phantasie, das Vertrauen und die Hoffnung. – Vielleicht ist auch das ein Teil unseres Ortsevangeliums: In Ruhe hinsetzen, das vermeintlich Unmögliche geschehen lassen, auch dem Nächsten seinen Platz und sein Stück Brot und Fisch lassen… denn es gab dort viel Gras.

Es muss niemand dazwischen bleiben.

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