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Alle Blogbeiträge von P. Basilius OSB

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Was man nicht sieht

Nach mehr als eineinhalb Jahren fließt wieder Wasser durch unseren Fische-Brunnen. Nach mehr als eineinhalb Jahren fließt wieder Wasser durch unseren Fische-Brunnen. Es ist kaum zu glauben. Und trotzdem, wann immer ich in den letzten Tagen und Wochen durch unser Atrium ging, wurde es immer mehr wahr und immer mehr mit Händen zu greifen: Nach 20 Monaten ist unser Atrium – man verzeihe den heir nicht passenden Ausdruck – wieder erstanden. Naja, ganz so unpassend ist der Begriff vielleicht doch nicht. Schließlich ist das Gebäude zumindest zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes wie Phoenix aus der Asche undsoweiter undsofort...

Die Beton-Stahl-Konstruktionen im Sommer haben mich ja schon sehr beeindruckt. Die ganzen Leerrohre und Kabel für Strom und Licht und Alarmsysteme und Kommunikation könnten einen verwirren. Das Holz der flachen Decken und die Ziegel beruhigen in ihrer Natürlichkeit und mit der archaischen Geborgenheit, die sie ausstrahlen. Die neuen Möbel machen Lust zum Arbeiten und zum benutzt werden.

Die neue Tür zur Klosterpforte. Die neue Tür zur Klosterpforte. Was mich aber mit am meisten derzeit beeindruckt und beschäftigt, ist das, was man nicht sieht: Gestern wurden die kleinen Glasscheiben in die neue Pfortentür eingesetzt. Heute hat Pater Matthias den Fischpool wieder mit Wasser befüllt. Man kann durchsehen. Noch. Natürlich wird das Wasser mit den Fischen und Pflanzen auch wieder trübe. Und die Scheiben der Pfortentür werden nicht immer so glänzen und spiegeln. Heute aber kann man auf sie sehen, sich sehen, nichts sehen, hindurch sehen.

Es gab einige große und wichtige Schritte auf diesem Weg seit dem 18. Juni 2015. Glas und Wasser sind unscheinbar. Für mich sind sie heute, drei Tage vor der feierlichen Segnung am Sonntag ein Hinweis auf das Viele und die Vielen, die auf diesem Weg wichtig waren und sind. Ihnen seien diese Zeilen in den ruhigen Stunden vor dem Fest-Sturm gewidmet. Glas und Wasser, die man nicht oder kaum sieht, mögen mich auch weiterhin an sie erinnern. In Dankbarkeit.

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Von der Perspektive der Spatzen

Tabgha: Kirche, Kloster und Begegnungsstätte. Tabgha: Kirche, Kloster und Begegnungsstätte.

Dieweil es in Deutschland eher kalt und weiß ist, ist es in Tabgha grün – aber auch immer wieder kalt. Mit dem Regen wird alles wunderbar grün. Wenn man sich einem der zahlreichen Spatzen auf den Rücken setzt, die es in Tabgha auch gibt, dann sieht man das sehr schön...

Zwei Wochen ist das Jahr alt. In der Kirche steht der Weihnachtsbaum noch ein paar Tage, bis auch die armenischen Christen ihr Weihnachtsfest gefeiert haben. Im Haus ist der Weihnachtsschmuch schon weitgehend verschwunden. Und auch die meisten Plätzchen haben wir erfolgreich verwertet. – Das Jahr nimmt seinen Lauf und ist in seinem Alltag angekommen.

Vom Spatzenrücken aus sieht man, dass das Atrium äußerlich schon so ziemlich wieder komplett ist. Derzeit stehen noch einige Innenarbeiten an, v.a. Möbel und letzte elektrische Installationen. Und dann freuen wir uns auf Sonntag, 12. Februar. Denn an diesem Tag dürfen wir Kardinal Woelki und viele andere Menschen hier begrüßen, um mit ihnen die Wiedereinweihung und Segnung des Atriums zu feiern!

Wer dann glaubt, dass wir damit das Bauen einstellen, der irrt. Denn der Platz vor der Kirche braucht dringend eine Renovierung. Und auch sonst haben wir in diesem Bereich einige Ideen, damit Tabgha auch weiterhin – und im Grunde noch mal stärker – ein Ort der Begegnung und der Sammlung für die Vielen sein kann, wie wir es im Evangelium lesen können.

Insofern wird sich für unseren Spatz die Perspektive im Laufe dieses Jahres womöglich noch einmal ändern und er kann Neues entdecken...

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Und wieder mal ein neues Jahr....

See Genezareth bei Tabgha am 2. Januar 2017. See Genezareth bei Tabgha am 2. Januar 2017.

Das Foto zu diesem Blog habe ich heute am späten Nachmittag aufgenommen. Da war das neue Jahr in etwa soviele Stunden alt wie ich Jahre... Dass sich Mondsichel und Venus, untergehende Sonne und erste Laternenlichter ein Stelldichein über dem See und in seinem Spiegel gaben, ist dann schon keine Parallele mehr zu meinem Leben. Denke ich.

Aber als ich so an Dalmanutha stand, und die Szenerie überblickte, kamen mir diese ersten Stunden des neuen Jahres in den Sinn. Angefangen hat es nämlich ähnlich beschaulich: Lobe den Herren.... waren die ersten Worte, die in dem Jahr aus meinem Mund kamen. — Mit meinen Mitbrüdern Zacharias, Josef und Matthias stand ich in unserer Kirche. Nur vom Weihnachtsbaum und ein paar Kerzen an den Ikonen erleuchtet. Als die Uhren umschlugen, haben wir den Klassiker gesungen. Vielleicht nicht die hohe Kunst und Theologie eines Te Deums. Aber es passte einfach, wie so viele Pilger in der Brotvermehrungskirche zu singen Lobe den Herren. Ich habe den Segen gegeben, und wir haben uns gegenseitig ein gutes und gesegnetes neues Jahr gewünscht.

Danach ging es eher profan weiter: Wir haben unsere Sektgläser und entsprechende Flaschen gepackt und sind zu unseren Volontären gegangen. Und das Jahr war kaum zwanzig Minuten alt, als ich auch schon eine Faust im Gesicht hatte. Gottseidank nur die unseres kleinen Katers Laundry. (Er heißt wirklich so, weil er in der Laundry, also in unserer Wäscherei geboren wurde.) Ich wollte auch ihm ein gutes Jahr wünschen, und er revanchierte sich mit einem Faustschlag. Peng!

Es war trotzdem ein guter Start in das neue Jahr. — Was vom Abend davor übrig war, vom Raclette der Volos und von unserem Fondue gab es heute Abend dann in Form einer gehaltvollen und leckeren Reste-Gulasch-Suppe. Und ungefähr so bin ich mit der Neujahrsnacht auch in 2017 eingestiegen: Sich von einem Faustschlag nicht aus der Bahn werfen lassen, das Beste vom Vergangenen mitnehmen und weiterverwenden!

Und eines der besten Dinge im Leben eines Mönches ist eben auch der Kern unserer Berufung: Lobe den Herren!

In diesem Sinne Euch und Ihnen ein frohes und gesegnetes neues Jahr, in dem ich versuchen will, an dieser Stelle mal wieder öfter etwas aus dem Klosteralltag (v.a. in Tabgha) zu teilen!

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Ein Haus des Gebetes für alle Völker

Brotvermehrungsfest 2016: Bischof Marcuzzo bei der Predigt Brotvermehrungsfest 2016: Bischof Marcuzzo bei der Predigt

Freitagabend, vor einer Woche. Die Brotvermehrungskirche ist voll! – Samstagvormittag, heute. Und unsere Kirche ist wieder voll!

Das eine Mal ein Benefizkonzert des Gary Bertini Israeli Choir. Wunderbare Chor-Musik. Vieles aus der geistlichen Tradition des Christentums, einige israelische oder jüdische Stücke. Manches aus der gemeinsamen Gebetstradition. Gekommen waren vor allem Israelis, zum Teil aus dem Umfeld von Tel Aviv. Die Kirche war voll. Und Tabgha konnte teilen und geteilt werden. Die Welt wurde ein Stückchen bunter und weiter in der kleinen Kirche auf dem galiläischen Land.

Benefizkonzert des Gary Bertini Israeli Choir in Tabgha. Benefizkonzert des Gary Bertini Israeli Choir in Tabgha. Bunt und weit war es auch heute Morgen: Wieder war die Kirche voll. Dieses Mal waren es einheimische Christen aus Galiläa, viele Kinder darunter. Eine ganze Reihe Ordensleute. Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo aus Nazareth, Nuntius Erzbischof Giuseppe Lazzarotto und der melkitische Erzbischof Georges Bacouni. Unsere Studenten aus der Dormitio. Und eine ganze Busladung von Borromäerinnen, Volontären, Mitarbeitern usw. vom Zionsberg. Liturgiesprache war Arabisch. Das Evangelium das unseres Ortes. Wieder: Das Wenige teilen, und es reicht für Viele. – Die Kirche des Heiligen Landes, sagte Bischof Marcuzzo in der Predigt, ist eine einzigartige: Einheimische Christen und so viele Ordensleute und Volontäre aus aller Welt. Das macht die Kirche von Jerusalem aus. Weit und bunt.

Zwischen dem Konzert und dem Gottesdienst zum Brotvermehrungsfest liegt eine Woche mit vielen, vielen Bussen, die viele, viele Pilger und Besucher aus aller Welt gebracht haben. Es ist eine gute Reisezeit für das Heilige Land. Und die kleine Kirche auf dem galiläischen Land war immer und immer wieder gefüllt mit Gebeten und Liedern, mit Worten – laut gesprochen oder auch nur still gedacht – aus aller Herren Länder.

Benefizkonzert des Gary Bertini Israeli Choir in Tabgha. Benefizkonzert des Gary Bertini Israeli Choir in Tabgha. Aller Herren? – Nein... Als ich heute morgen aus der Apsis in die Kirche schaute, sah ich einen kleinen Jungen, der sich intensiv mit den Opfer-Kerzen an der Christus-Ikone beschäftigte: Kerzen aus dem Körbchen heraus und auf die Abstellfläche vor die Ikone und umgekehrt. Anzünden und ausblasen und wieder anzünden... Ich glaube, der Kleine hat etwas über das Leben und über Tabgha gelernt: Es geht immer weiter. Ein Neuanfang vor dem Antlitz Christi (hier konkret unserer Ikone) ist möglich.

Es mag sein, dass es den allermeisten Besuchern unserer Kirche nicht bewusst ist: Aber wer etwas von Tabgha mitnimmt, von dem, was hier geteilt wird, der nimmt immer auch etwas von Christus mit. Die Botschaft der Brotvermehrung hat eine sehr universale, ja, globale oder globalisierte Bedeutung. Da gibt es dann nicht mehr die Herren aller Länder, seien es Präsidenten oder Kanzler oder Diktatoren... Da gibt es im letzten vor allem DEN Herrn. Den Herrn des Lebens. Mithin das Leben selbst. Der Mensch in seiner Bedürftigkeit und in seinen wunderbaren Chancen.

Brovermehrung geschieht deshalb auch heute. Wenn wir es wollen und zulassen. Und unsere Kirche in Tabgha wird dann wahrlich zu einem Haus des Gebets aller Völker...

Ich bin immer wieder froh und besonders heute auch sehr dankbar, dass ich als Prior hier mit meinen Mitbrüdern, Mitarbeitern und Volontären und den philippinischen Schwestern sein darf. Da fallen schon mal Kerzen ins Körbchen zurück. Manche Kerze wird ausgeblasen. Oft genug aus Unachtsamkeit. Aber man kann sie wieder anzünden. Neue Kerzen dazu stellen und anzünden. – Danke Euch allen!

Samstagabend. Wir beten gleich mit den „Jerusalemern” noch die Vesper. Die Kirche füllt sich wieder. Wir teilen Psalmen und Weihrauch. Und die Welt wird wieder ein bisschen größer...

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Fast ein Jahr danach

Manchmal mag es ja ganz gut im Leben sein, wenn Gras über Dinge wächst. Aber ich gestehe offen, dass ich auf das Gras, sprich Unkraut, das inzwischen aus den Fugen des abgebrannten Atriums wächst, gerne verzichtet hätte! – Wir nähern uns schon dem ersten „Jahrestag“ des Brandanschlages, und doch leben wir weiterhin mit der Feuerruine. Dabei bin ich auch kein Fan eines solchen „Jahrestages“. Natürlich wird keiner von uns Brüdern hier in Tabgha ohne Zwischen-Zeilen-Text in die Nacht vom 17. Juni auf den 18. Juni gehen. Aber daraus ein Gedenken zu machen, würde den Gewalttätern und ihren Hintermännern viel zu viel Gewicht geben.

Wichtiger ist für uns, dass es in diesem Jahr auch ungeheuer viele Menschen im Land und darüber hinaus gibt, die uns zur Seite stehen, und, dass es eben doch auch vorangeht. Langsam, ermüdend und frustrierend langsam über weite Strecken dieses Jahres. Ein solches Feuer dauert nur wenige Stunden. Das, was danach an Gesprächen und Verhandlungen, an Streit und Lösungen kommt, braucht viel mehr Zeit und Energie. Ob das wirklich sein muss? – Aber letztlich geht es doch weiter.

Und – noch so ein Sprichwort, das Wahres sagt – gut Ding will Weile haben… – Mitte Mai haben wir, denke ich, berechtigten Grund zur Hoffnung, dass es bald wieder los geht mit dem Baulärm in Tabgha. Und wir ertragen ihn gerne!

Euch und Ihnen allen, die Ihr uns zur Seite steht, sei an dieser Stelle ganz, ganz herzlich gedankt! Wir bleiben weiterhin verbunden!

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Wie in einem fremden Land

Ich sitze im Zug und fahre durch ein fremdes Land. Felder und Wiesen der Eifel liegen noch schweigend da am frühen Morgen. Etwas Schnee bedeckt. Gegenüber unterhalten sich junge Frauen darüber, dass sie noch Geschenke kaufen müssen.

Geschenke? Richtig, Weihnachten. Weihnachten ist klar. Aber mir wird auf einmal bewusst, wie lange ich schon im Koster bin. Wann habe ich zuletzt Weihnachtsgeschenke gekauft.

Es ist etwas surreal: der Schnee, der Zug, die Gespräche. - Friedlich, fast wie ein Märchen. Aber nur fast. Denn es ist sehr real. Wenn auch nicht Bestandteil meiner normalem Welt im Kloster in Jerusalem.

Das Geheimnis der Menschwerdung, darum geht es doch wohl zu Weihnachten, hat verschiedene Facetten. Fast würde ich sagen: verschiedene Orte und Zeiten. Eifel und Bethlehem, heute und damals, Schnee und Wüstensand. Ob wir es je verstehen, was es bedeutet, dass Gott in unsere Welt eintritt, durch unser Land geht, wie ein Fremder?

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Nix „Business as usual”!

Die Welt hat sich weitergedreht. Das ist normal. Aber irgendwie ist sie seit gestern ein bisschen anders. Als die Sirenen gegen fünf Uhr hier in Jerusalem ertönten, stand ich unter der Dusche und war mir erst gar nicht sicher, was ich durch das Wasserrauschen hindurch gehört habe. Denn es war bis dahin ja auch ziemlich undenkbar, dass irgendwer wirklich auf Jerusalem schießen würde. – Wir sind nun eines besseren belehrt.
Eigentlich wäre in den kommenden Tagen eine ganze Reihe von Brüdern zu wichtigen dienstlichen Terminen nach Deutschland aufgebrochen, wie jedes Jahr im November. Nun bleibt ein Teil von uns hier. Dabei können wir an der Situation selbst natürlich nichts ändern. Müssen hinnehmen, was kommt. – Es ist auch eine Zeit, sich auf das mönchische Kerngeschäft zu konzentrieren: Während die Welt sich eben immer schneller dreht in diesen Stunden, erinnern wir uns als Mönche, dass unser Leben von einem anderen Rhythmus bestimmt wird. – Keine Panik, keine Hysterie. Business as usual.
Business as usual, das gilt auch für die Israelis. Tel Aviv, so liest man in verschiedenen Zeitungen im Internet, feiert schon wieder am schönsten Strand der Welt. Fast so, als ob 40-50 km südlich nicht ein, ja, was? – Krieg heranwächst, dessen Ausmaß unkalkulierbarer scheint als die meisten anderen Konflikte dieser Region der vergangenen Jahrzehnte…

Jenseits schädlicher Panik und Hysterie wehrt sich in mir aber immer mehr gegen ein (irgendwie sogar vernünftiges) Business as usual! – Ich träume. Ich träume davon, dass die ganze Welt einen Augenblick inne hält, das usual business aufgibt und einfach hinstarrt. Hinstarrt auf das, was da einmal mehr geschieht. Ich rede nicht von Schuld und Verhältnismäßigkeit der Mittel auf der einen oder anderen Seite.

Ich träume vielmehr von zwei Kindern, die sich im Sandkasten zanken, und die erst stutzig werden und aufhören, als alle anderen Kinder auf dem Spielplatz, die Mütter und Omas, die Hunde und die zufälligen Spaziergänger alle innehalten, stehen bleiben und schweigend und sprachlos auf das schauen, was da vor sich geht.
Geschieht das nicht, werden sie sich ewig zanken. Kinder dürfen das im Zweifelsfall, denn diese Ewigkeit von Kindern im Sandkasten geht mit der Sonne unter. Staaten und Völker dürfen das nicht. Nicht unbegrenzt. Deshalb muss irgendwann Schluss sein mit dem business as usual.

Denn ich träume auch davon, dass die Kinder aus Gaza-Stadt und aus Ashkelon gemeinsam an einem der schönsten Strände spielen können.

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Was kommt da auf uns zu?

Die Überschrift dieses Blog stammt von einem Beitrag der online-Ausgabe der F.A.Z. dieser Tage. Der Beitrag von Marcus Jauer macht zumindest nachdenklich. – Kommt da wirklich etwas auf uns zu? Jauer gibt natürlich keine Antwort. Und ich gebe auch keine. Ich bin Mönch, weder Unheilsprophet noch Immobilienmakler, der seine Häuser und Wohnungen los werden will.

Zumal: Seit Jahren spricht man hier im Heiligen Land immer wieder von Krieg, einem großen Krieg. Man, das sind mal die Einheimischen gleich welcher Religion oder Sprache, mal ausländische Journalisten, mal unsere Verwandten und Freunde in Europa, die besorgt nachfragen. Gekommen ist bisher noch nichts. – Nichts ist natürlich untertrieben, wenn man Tag für Tag die Meldungen in den Zeitungen und im Internet verfolgt. Das Heilige Land und die ganze Region sind und bleiben eine Region der Gewalt und des Leides. Das begleitet uns im Alltag hier, manchmal allzu alltäglich. Oft aber einfach und vor allem im Gebet.

Der große Knall aber ist – dem Ewigen sei Dank! – bislang ausgeblieben. Ob daran die anstehenden Wahlen in den USA und in Israel etwas ändern? Um ehrlich zu sein: Ich will es mir im Moment nicht ausmalen. Die politische Kaste hier im Land sehe ich durchaus kritisch. Aber ich hoffe und baue auf die die vielen Menschen, die (zum Beispiel) den Krieg nicht wollen, die eine friedliche und gerechte und freie Gesellschaft wollen. Wie viele Europäer habe auch ich eine deutliche Präferenz, wenn ich auf die Präsidenten-Wahl in Amerika schaue. Und auch hier hoffe und baue ich auf die Vernunft und den Gestaltungswillen der Menschen.

Denn was auf uns zukommt, das liegt auch an uns. Nicht nur. Wir haben, Gott sei Dank, nicht alles in der Hand. Das müssen wir manchmal schmerzhaft erfahren und immer wieder neu lernen.

Wenn uns Jesus immer wieder zu Wachsamkeit ermahnt, wie in den Tagesevangelien dieser Woche, dann bestimmt nicht als bloßen Selbstzweck. Und wenn ER uns heute mahnt, die Zeichen der Zeit zu sehen und zu deuten, dann gewiss, um Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und entsprechend zu handeln. Das gilt für jeden Tag. Es geht um Vergebung und Versöhnung. Die, die man gibt, und die, die man empfängt. Wenn wir dazu immer neu bereit sind, dann können wir wohl auch mit dem umgehen, was da auf uns zukommt.

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Und sie reden vom Krieg...

Ich bin schon zu lange im Orient, seit ziemlich genau elf Jahren, um zu wissen, dass man hier im Grund nie irgendetwas wirklich weiß. Vor allem, wenn es um die Frage nach Krieg oder Frieden geht. – Aber ich bin auch nicht lange genug hier, um es auf die leichte Schulter zu nehmen.

Sie sagen, die Planungen seien so konkret wie nie. Sie sagen, der Zeitpunkt sei günstig. Sie sagen, die Zeit sei reif, man dürfe nicht länger warten.

Sie sagen, alleine können die das gar nicht. Sie sagen, die anderen wollen das auch nicht. Sie sagen, das sei alles nur Säbelrasseln.

Und sie reden vom Krieg.

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob er kommt. Ich weiß nicht, ob er nicht kommt.
Aber es hört sich wahnsinnig an. Und es sieht sich wahnsinnig an, wenn man unterwegs Menschen (noch nur wenige) mit ihren Pappboxen mit den Gasmasken sieht. Und bei aller (Gott behüte, dass es das überhaupt gibt!) Gewöhnung an Gewalt und Waffen, Bedrohung und Kriegsszenarien, fühlt es sich auch wahnsinnig an. Es fühlt sich falsch an.

Denn sie reden vom Krieg...

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Wunder gibt es immer wieder... oder?

Seit gestern nachmittag steht ein einsamer Rollstuhl in unserer Kirche. Vergessen kann man einen Rollstuhl doch eigentlich nicht. Wer ihn braucht, braucht ihn. Und der wird an ihn denken.
Bedeutet das nun umgekehrt, dass der Besitzer/die Besitzerin des Rollstuhls in der Dormitio-Basilika ihn nicht mehr braucht?
Das ist ein durchaus spannender Gedanke, der uns seit gestern beschäftigt. Ob es wohl eine Heilung, ein Wunder in unserer Kirche gegeben hat, von dem wir nichts mitbekommen haben?
Wie viele Wunder geschehen wohl Tag für Tag um uns, womöglich sogar mit uns und in uns, ohne dass wir etwas davon mitbekommen?

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