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Salz der Erde und Licht der Welt sind...

„‘Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt‘, diese Worte Jesu stehen im Evangelium des Matthäus direkt nach den Seligpreisungen. Dies bedeutet, dass diejenigen das Salz der Erde und das Licht der Welt sind, die sich die Seligpreisungen als Prinzip und Inhalt ihres Lebens zu Herzen nehmen.

In den Seligpreisungen spricht Jesus zu denen, die arm vor Gott sind und sich somit nicht an materielle Werte binden. Er spricht zu den Sanftmütigen, die nicht unglücklich sind über den Mangel an Ansehen und Reklame für ihre Person. Er spricht zu all jenen, die so gewöhnlich sind wie Brot und so unmerklich wie die Luft. Er spricht zu Menschen, die von Unglück und Leid getroffen sind, aber vielleicht gerade aufgrund ihres Schmerzes weiter sehen, besser hören und mehr verstehen. Er spricht zu denen, die nach Gerechtigkeit streben und denen nicht alles egal ist. Jesus wendet sich an die Barmherzigen, die fähig sind, anderen zu helfen, auch wenn dies nicht aus ihrem eigenen Interesse heraus geschieht. Er spricht zu den Mutigen, denn es erfordert Mut, sowohl in Zeiten des Krieges als auch in Zeiten des Friedens, rechtschaffend und würdevoll zu leben. Jesus spricht zu denen, die die Wahrheit brauchen, um zu leben; zu Menschen, die reinen Herzens sind, die Lüge und Falschheit nicht mögen, und zu Menschen, die wegen ihres Engagements für Gerechtigkeit belächelt oder gar verfolgt werden.

Diese Menschen sind das Salz der Erde und das Licht der Welt. Wir könnten fragen: Sind das nicht zu große Worte? Leben wir heute so?

Lassen wir uns auf ein Experiment ein, machen wir ein Spiel der Phantasie: Nehmen wir an, dass es unter uns keine solchen Menschen mehr gäbe. Es gäbe niemanden mehr, der bereit wäre, seinen Kopf für die Gerechtigkeit und die Wahrheit hinzuhalten. Stellen wir uns vor, dass es keine barmherzigen Menschen mehr gäbe. Es gäbe niemanden, der nicht gekauft werden könnte. Wäre eine solche Welt lebenswert? Sehnt sich der Mensch nach einer solchen Welt und einem solchen Leben?

Wenn eine Welt ohne diese Menschen, die von Jesus seliggepriesen werden, wirklich existieren würde, wäre es für uns sehr schwierig zu leben. Sind also die Armen, die Sanftmütigen, die Barmherzigen nicht wirklich das Salz der Erde, das heißt, etwas, das den Dingen Geschmack verleiht und vor Geschmacklosigkeit schützt? Machen nicht diejenigen, die barmherzig, gerecht und sanftmütig leben, unserer Welt heller?

Auch heute brauchen wir dieses Salz und dieses Licht, um noch besser füreinander da zu sein, um uns gegenseitig Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben und um unseren Glauben an das Gute und die Wahrheit zu stärken. Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt!“

Pater Efrem und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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"Auf, mir nach!"

!1!„Beim ersten Hören des heutigen Evangeliums könnte man denken: Der Evangelist Matthäus berichtet, wie Jesus am See Genezareth Männer vom Fischfang wegruft, damit sie künftig Menschen fangen, um sie in das Schiff der Kirche einzuholen. Doch von einem besonderen Auftrag für Petrus und seine Kollegen ist hier nicht die Rede. Erst später, in Matthäus 10, spricht der Evangelist von der Berufung des Petrus und der anderen Apostel und ihrer Aussendung mit einem besonderen Auftrag.
Heute im Evangelium geht es um die Jüngerschaft, die jeden angeht, der sich von Jesus rufen lässt. Das Leben des Jüngers muss sich ändern, er oder sie muss der Güte und Menschenfreundlichkeit Jesu Raum geben. Denn in ihm ist die Gottesherrschaft nahegekommen.
Sicher waren Petrus und sein Bruder Andreas, Johannes und sein Bruder Jakobus bei ihrer Arbeit am See dem Prediger Jesus schon begegnet. Vielleicht hatten sie erlebt wie Jesus die Menschen an sich zieht und in seinen Bann zieht. In Petrus und seinen Berufskollegen war schon eine innere Sehnsucht gewachsen, so dass Jesu Ruf ‚Auf, mir nach!‘ auf fruchtbaren Boden fällt und sie alles stehen und liegen lassen, um ein anderes, neues Leben zu beginnen. Mit ihnen beginnt Jesus seine Sammlungsbewegung; das ist der Anfang des neuen Gottesvolkes. Die Jünger müssen zuerst ein neues Miteinander in Gemeinschaft mit Jesus erfahren, wo nicht mehr Menschen über Menschen herrschen, sondern alle Schwestern und Brüder und Kinder des himmlischen Vaters: Das Reich Gottes ist nahe!
‚Auf, mir nach!‘ – Jesu Ruf gilt uns allen! Jede und jeder von uns, mich eingeschlossen, sollen in die Fußstapfen Jesu treten – je nach unseren individuellen Möglichkeiten. Für diesen Ruf gibt es keine Stimme, die vom Himmel fällt. – Es waren Menschen, einfache, aber überzeugte Christen, die mir den Weg zu Jesus gezeigt haben. Ich denke an meine Eltern, den offenen und freundlichen Pfarrer in meiner Kinder- und Jugendzeit, und Josef Maria Reuss, der Regens des Mainzer Priesterseminars, der uns Primanern Exerzitien gab. So stand ich eines Tages vor der Frage meines Vaters: ‚Was willst du eigentlich aus deinem Leben machen, was willst du denn nach dem Abitur studieren?“
Petrus und seine Gefährten sahen an ihrem Arbeitsplatz einen Menschen, diesen Jesus von Nazareth, der sich zunächst in nichts von ihnen unterschied. Aber er sprach in einer einmaligen Weise von Gott, seinem Vater, der der Herr seines Lebens war, der auch der Herr ihres Lebens sein sollte. Als gläubige Juden hatten sie das in ihren Gebeten schon gehört. Aber jetzt steht dieser Jesus vor ihnen, der das in seinem Leben verkörpert. Darum folgen sie seinem Ruf. Sie gehen das Wagnis ein, ihr bisheriges Leben aufzugeben und ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. So fangen sie an, zu verstehen und zu begreifen, wie das aussieht: ein Leben unter der Herrschaft Gottes. – Und erst mit ihrer Erfahrung vom Leiden und dem Kreuzestod Jesu und seiner Auferstehung kommt dieser Lernprozess an ein Etappenziel. ‚Auf, mir nach!‘, dieser Ruf Jesu an uns, an mich, schließt unser ganzes Leben ein, erst im Tod kommt er ans Ziel!“
Pater Zacharias und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Seht, das Lamm Gottes!

„‘Seht, das Lamm Gottes!‘ Unzählige Male haben wir diese Worte schon gehört, gesprochen oder gesungen. Ist dieses Bekenntnis für uns zu einer Formel erstarrt? ‚Lamm Gottes‘, klingt das uns nicht zugleich auch sehr fremd? Wir wundern uns, wenn wir versuchen eine Ähnlichkeit, eine Verbindung zwischen dem Jesus unseres Glaubens und diesen possierlichen Tieren zu sehen, die man im Frühjahr hier und da noch auf einer Schafweide herumspringen sieht.

‚Lamm Gottes‘ ist ein Hoheitstitel, mit dem die junge Kirche versuchte zu verstehen, was es mit diesem Jesus auf sich hat. Die ersten Christen blickten auf das jüdische Pessach, auf das Lamm, das am Vorabend des Auszugs der Israeliten aus Ägypten geopfert und verzehrt wird. Das Blut des Lammes, an die Türrahmen der Hebräer gestrichen, schützte sie vor der Vernichtung durch den vorübergehenden Engel Gottes. Die ersten Christen deuteten Jesus von seinem ersten Auftreten an als denjenigen, der sein Blut hingibt, um alle zu befreien, die verstrickt sind in die Sünde der Welt und die drohen unwiederbringlich in ihr unterzugehen. So ist es verständlich, dass auch der Evangelist Johannes bei der Darstellung des ersten öffentlichen Auftretens Jesu unseren Blick auf das Ende Jesu während des Paschafestes lenkt: ‚Seht, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt!‘

Doch wenn Gott wirklich Liebe ist, kann es dann sein, dass er mit dem Tod Jesu, des Opferlammes, versöhnt und befriedigt werden muss? Nehmen wir nicht zu Recht Anstoß an der schier unerträglichen Passivität eines Losers, wenn in der Apostelgeschichte zur Deutung des Schicksals Jesu der Prophet Jesaja zitiert wird? – ‚Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf.‘

Jesus hat sich frei und souverän in die Hände von Menschen gegeben: ‚Niemand entreißt mir mein Leben, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.‘ Wenn er sein Leben hingibt, dann, um es auf ewig gewandelt zurückzunehmen. Und beim Abendmahl im Obergemach ist es Jesus selbst, das Lamm, das geschlachtet werden soll, der seinen Freunden sein Blut zu trinken gibt. Es sind nicht mehr Türrahmen, die mit Blut bestrichen und markiert werden. Hier nehmen die Freunde Jesu – und dürfen wir uns nicht auch so bezeichnen? - das vergossene Blut innerlich auf. Es wird ihr und unser Blut. Blut ist Leben und Sitz der Seele. Wir leben das Leben des Lammes.

Die Menschen, die zu Johannes dem Täufer kamen, dachten vielleicht, dass sie mit der Taufe im Jordan am Ende ihrer Reise, am Ende ihres Bekehrungsweges angekommen sind. Aber Johannes verweist sie mit Nachdruck auf einen geheimnisvoll Anderen, der ihm voraus ist, weil er vor ihm war; sowohl Vergangenheit als auch Zukunft; sowohl Anfang als auch Ende, Alpha und Omega. Johannes der Täufer ist die Gegenwart, das Jetzt, das nur ein Durchgangsort sein kann. Einige Zuhörer des Johannes werden Jesus nachfolgen - vielleicht in der Hoffnung, dass sie bei ihm ans Ziel ihrer Reise angekommen sind. Aber Jesus wird sie ohne Unterlass auf die Straßen des heiligen Landes führen, und wenn sie ihn bis zu seinem Tod begleitet haben werden, dann geht es für sie hinaus bis an die Enden der Erde - eine Reise, ein Weg, der kein Ende in dieser Welt kennt. Ihr und unser Berufungsweg ist schon jetzt; und gleichzeitig noch nicht. Das letzte Wort ihrer und unserer Geschichte hat ein Anderer.

Wir wollen daher mit unseren Gewissheiten, unseren Gewohnheiten, unseren Überzeugungen und Urteilen vorsichtig sein. Bleiben wir doch offen für ein Anderswo, für einen ganz Anderen, für Christus, der unsere Sehnsucht ist, von dem wir aber wie Johannes der Täufer gleichzeitig bekennen müssen: ‚Ich kannte ihn nicht.‘ Unsere Sehnsucht ist mit der Hoffnung verbunden, dass wir ihn eines Tages mit Gewissheit kennen werden. Hier und jetzt sind wir auf dem Weg. Wir dürfen gewiss sein, dass er schon da ist, dass er selbst der Ursprung für unsere Sehnsucht und unsere Hoffnung ist.“

Pater Josef und alle Brüder in Tabgha und in Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Dienstantritt

„In unseren Familien gehören die Feiern der Taufe von Neugeborenen zu den sehr schönen und frohen Festen. Uns erfüllt Dankbarkeit für die Geburt eines Kindes; diesen Dank geben wir als gläubige Menschen an Gott weiter und zugleich bitten wir ihn um seinen Segen für das neue und noch ganz zarte Leben. Die Taufe des Herrn, die wir heute feiern, ist keine Kindertaufe. Es ist nicht der neugeborene Knabe aus Betlehems Stall, der hier getauft wird. Jesus, der Erwachsene, schon lebenserfahrene und mit der Welt vertraute Mann aus Galiläa kommt an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. ‚Für Jesus bedeutet diese Taufe eine Art Berufsweihe‘, heißt es im Impuls zum heutigen Hochfest im Schott.

Die heutige, zweite Lesung aus der Apostelgeschichte erinnert die Taufe Jesu ganz in diesem Sinne als Indienstnahme: ‚Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.‘ Man könnte mit der Vigil-Antiphon auch sagen: Jesus wird durch seine Taufe ‚gesalbt zum Werk der Erlösung‘. Als Jesus getauft wurde, tat sich der Himmel auf, der Geist Gottes kam auf ihn herab, und die Stimme aus dem Himmel bezeugte Jesus als den Gesalbten, den Messias, als den geliebten Sohn: ‚Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.‘

Berufsweihe, Amtsantritt, Salbung, Erwählung, Indienstnahme – die Not der Welt, das Leid der Menschen, durch seine hingebende Liebe zu verwandeln, das ist Jesu Dienst. Wir glauben, dass sich in seiner Taufe das Gotteswort erfüllt ist, das im Buch des Propheten Jesaja überliefert ist: ‚Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht.“

Kenosis, Erniedrigung, Sanftmut, aufopfernde Liebe ist Jesu Dienst als Gottes Knecht, als Gottes geliebter Sohn. ‚Er schreit nicht und lärmt nicht‘ - würdevoll verkündet er die Menschenfreundlichkeit Gottes! Er ‚lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen‘ - sein Stil ist nicht marktschreierisch und populistisch! ‚Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus‘ - er achtet und schätzt wert auch das noch so Kleine und Geringe; er richtet auf und macht groß! ‚Ja, er bringt wirklich das Recht“ - es geht um die Wahrheit; er zeigt und benennt was gut und böse ist; klar ist sein Urteil; und doch bleibt er immer nachsichtig, dem Wohl und Heil des Menschen verpflichtet!

Gott sucht nicht irgendeinen ‚Dummen‘, der für ihn den Knechtsdienst leistet, der den Preis bezahlt und sein Leben hingibt; nein, er macht es selbst! Bei der Taufe im Jordan wird es offenbar: „Gott wurde Mensch, er entäußerte sich, wurde selbst zum Knecht. Er erniedrigte sich bis zum Tod am Kreuz“, wie es uns der Philipper-Hymnus lehrt. Gott wird Mensch, um uns die Augen zu öffnen und uns herauszuholen aus den oft selbst gemachten Kerkern. Er ist Mensch geworden, um uns aus der Dunkelheit zum wahren Licht zu führen.

Der Mann aus Galiläa, der sich von Johannes im Jordan taufen ließ, ist Gottes geliebter Sohn, Gott selbst, der zu unserem Heil Knechtsgestalt annahm, damit wir im Glauben an das große Geschenk der Erlösung unseren Lebensweg auf Erden gehen und selbst als Getaufte immer mehr bereit sind Knechte Gottes zu sein. Lasst uns als wahre Kinder Gottes leben! Amen.“

Pater Matthias und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Der Mensch braucht Frieden

„Heute, in den ersten Stunden des neuen Jahres, hören wir besonders zärtliche und sorgensame Worte: ‚Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.‘ Gestern, in der Silvesternacht, haben die Menschen auf der ganzen Welt gefeiert. Doch nach der Explosion der Neujahrsfreude, dem gemeinsamen Spaß und der schlaflosen Nacht kommt immer der Wunsch nach Ruhe und Frieden. Aber gibt es - nach den großen Feiern in der Welt - wirklich mehr Ruhe und Frieden im Menschen?

Die Unruhe, die die Welt und unser Leben mit sich bringen, kann nicht - in einer einzigen Neujahrsnacht - zum Schweigen gebracht werden. Am nächsten Tag hat sich die Welt nicht viel verändert .... Überall um uns herum ist - wie in den vergangenen Tagen und Jahren - viel Unruhe geblieben .... Einige sorgen sich im neuen Jahr um Arbeit und Gesundheit, andere sind besorgt um ihre Zukunft. Viele sorgen sich wegen der Politik und der Kriege, die niemand mehr versteht. Deshalb ist es gut, dass die Kirche uns seit vielen Jahren ermutigt, am ersten Tag des neuen Jahres - für den Frieden zu beten. Am ersten Januar feiert die Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria - der Königin des Friedens.

Der Mensch braucht Frieden, um zu lieben und um sich um seine Familie und seine Kinder zu kümmern. Der Mensch braucht Frieden, um friedlich einzuschlafen und aufzuwachen. Der Mensch braucht Frieden, um zur Arbeit zu gehen oder um zu feiern.

Die Gottesmutter bringt uns heute Jesus, den Friedensfürst, bei dessen Geburt die Engel gesungen haben: ‚Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden / den Menschen seines Wohlgefallens.‘ Wir brauchen Frieden in unserem Leben, aber wir müssen auch anderen Frieden schenken. Wir müssen mit unseren Worten anderen Frieden bringen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Beziehungen und Emotionen anderen ein Sicherheitsgefühl vermitteln. Also ist es notwendig, dass unsere Art, auf andere zu schauen, unsere Witze, unsere Arbeit und unsere Erholung - Frieden und Sicherheit in unsere Herzen und Häuser bringen können. Deshalb ist es in diesen unruhigen Zeiten gut und sinnvoll, Jesus, den Friedensfürst, den uns die heilige Mutter Gottes heute bringt, im Glauben in unser Herz aufzunehmen. Echten Frieden kann weder die beste Silvesterparty noch eine Versicherungspolice bieten. Der Friede des Herzens kommt aus dem Glauben an Gott, der stärker ist als jede Bedrohung oder Gefahr.

Mögen wir uns im neuen Jahr 2023 mit den Worten, die uns heute von Mose gegeben sind, wünschen: ‚Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.‘ Amen!”

Pater Efrem und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch ein schönes Hochfest der Gottesmutter Maria, der Königin des Friedens - und alles Gute für 2023!

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Frieden auf Erden!

"Liebe Schwestern und Brüder!

Dass ich Euch und Sie als meine Brüder und Schwestern anrede, hängt mit der Botschaft dieser Nacht und unseres Christseins zusammen. Durch die Geburt des Menschenkindes in Betlehem sind wir alle durch Krippe, aber auch durch Kreuz und Auferstehung Schwestern und Brüder geworden – allen menschlichen Grenzen zum Trotz! Und die Weihnachtsbotschaft, die die Engel verkünden, gilt uns allen, liebe Brüder und Schwestern, die wir uns in diesem Jahr, wie schon lange nicht mehr, nach Frieden sehnen: ‚Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.‘

In all den vergangenen Jahren standen vermutlich eher persönliche Wünsche und Sehnsüchte im Vordergrund, die ihre Berechtigung ja auch in diesem Jahr nicht verloren haben: wie Bitte um Gesundheit, Sorgen um das eigene Wohlergehen sowie auch das der Eltern, der Kinder und der Freunde. Aber in diesem Jahr hat sich unser Blickwinkel geweitet und wir verstehen und erleben viel intensiver, dass die Weihnachtsbotschaft eine universale ist: Frieden auf Erden!

Durch die Ereignisse des zurückliegenden Jahres – und hier steht für mich der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Vordergrund – bekommt unsere Weihnachtsfeier mit guten Wünschen und Geschenken eine andere Tiefe und eine neue Perspektive. Wir dürfen Weihnachten nicht feiern ohne an die Not, Vertreibung, Zerstörung und den Tod unzähliger Menschen zu erinnern. Ein ukrainischer Christ schreibt in seinem Gruß: „Vielleicht ist das Licht einer Kerze die einzige Licht- und Wärmequelle an diesem Weihnachtsfest.“

Der Traum und die Botschaft der Propheten, der mit der Geburt Jesu zur Welt kommt, gewinnen an Dringlichkeit und Intensität. ‚Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht.‘ Die Weihnachtsbotschaft pflanzt eine Sehnsucht in unsere Herzen, die sich nicht mit vordergründigen Lösungen zufriedengibt. Die Weihnachtsbotschaft ist keine Vertröstung auf ein Irgendwann, sondern sie setzt jetzt auf die Kraft der Hoffnung, die sich niemals einschüchtern lässt. In den aktuellen Nachrichten aus dem Krieg in der Ukraine gehen mir immer wieder besonders die Worte von Jung und Alt, die trotz Zerstörung und Entbehrungen, Kälte und Hunger vom Wiederaufbau sprechen und ihre Hoffnung auf Zukunft in der Ukraine nicht aufgeben, zu Herzen. Die Kraft der Veränderung wächst von unten. Sie gründet in einem Gottvertrauen, das konkrete Schritte nicht aufschiebt – aber sich zugleich der Vorläufigkeit allen menschlichen Handelns bewusst ist.

Hirten, die zur Krippe kommen – und da sind gewiss auch Hirtinnen darunter gewesen, wie unsere Krippendarstellung im Pilgerhaus deutlich macht – sie lehren uns dieses Gottvertrauen, das im Kleinen das Große sieht. Der wahre Gott will wahrlich nicht hoch hinaus, sondern geht tief hinab! Vordergründig wird sich damals an Lebens- und Arbeitsbedingungen nichts geändert haben am Tag danach. Aber etwas hat sich in den Menschen verändert: ‚Fürchtet Euch nicht! Heute ist Euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist Christus, der Herr‘. Natürlich ist dieses Heute auf ein Ereignis vor 2000 Jahren gerichtet; und doch ist es zugleich ein Wort, dass in unser Heute hineingesprochen ist und uns auch heute Mut zusagen will für unser Leben, unsere Aufgaben und unsere Verantwortungen.

Diesen Retter, den die Engel verkündeten, feiern wir heute: das Kind einfacher Leute, das keine Throne an sich reißt, keine Söldnerheere befehligt, und keine Kriege anzettelt, keine Schätze für sich und die Seinen zur Seite bringt, sondern ein Leben der Hingabe führen wird von der Krippe bis zum Kreuz. Krippe und Kreuz sind aus demselben Holz geschnitzt. Wir dürfen Weihnachten nicht feiern, ohne zu bedenken, dass dieser Weg von der Krippe ans Kreuz und in die Auferstehung führt, darauf gründet unsere Hoffnung. Das ist der neue Ton, den Gott in unser Leben bringt: ‚Die Herrschaft wurde auf seine Schultern gelegt.‘ – seine Herrschaft ist aufgerichtet durch Liebe, aufgebaut auf gegenseitigen Beistand und ein Vertrauen, das sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen lässt.

Der Lebensweg Jesu läuft manchen unserer Denkmuster zuwider und fasziniert doch bis heute und spornt viele an, sich an ihm ein Beispiel zu nehmen. Wenn wir in dieser Nacht seine Geburt feiern, dann erfahren wir, dass Gott bei uns ist und wir zusammen mit Israel sein Volk sind. ‚Gott hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe‘, so haben wir es in der 2. Lesung aus dem Titusbrief gehört – und Gott sich nicht nur uns, sondern für alle Menschen hingegeben: ‚Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten‘. Weihnachten ist eine Hoffnungsgeschichte. Wir sind Teil davon, wie Jesaja, die Hirtinnen und Hirten, Maria und Josef und im Zentrum die Hoffnung schlechthin, das menschlich-göttliche Kind. An Weihnachten feiern wir diese Geschichte, weiten unseren Horizont und schöpfen neue Hoffnung. ‚Hoffnung ist ein großes rundes Brot, das man zusammen essen muss, erst dann wird man satt‘, schrieb schon so passender der Theologe Fulbert Steffensky.

Seit Gott in Beit-Lechem, im Haus des Brotes, als Mensch geboren wurde, ist keine Nacht mehr so finster, dass sie nicht den Keim und die Verheißung eines neuen Lebens in sich birgt. Gleich empfangen wir in der Eucharistie das Brot des Lebens hier am Ort der Brotvermehrung. Er selbst begegnet uns in diesem kleinen Brot, damit wir so genährt Leben teilen, ‚erst dann wird man satt‘ - das ist die Botschaft von Tabgha auch an Weihnachten. Was in Betlehem begann führte ans Kreuz und zur Auferstehung, seine Hoffnungsbotschaft und seine Hingabe aus Liebe, seine Hinwendung zu den Menschen ist sein Geschenk an uns, damit wir, liebe Schwester und Brüder, das Leben und den Frieden Gottes in Fülle haben.

Frohe Weihnachten, Merry Christmas, Milad Majid!
Amen.“

Pater Jonas und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch eine friedvolle Heilige Nacht!

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Im Tau herab, o Heiland, fließ!

„Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant iustum. – Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten! … während der wöchentlichen Rorate-Messe haben wir diesen flehenden Ruf, der den Marienmessen im Advent ihren Namen gegeben hat, immer wieder gesungen. Auf das engste ist dieser flehentliche Ruf, der aus dem Jesaja-Buch stammt, mit dem Advent verbunden. Ohnehin ist diese Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest hin in der Liturgie auffallend reich von Imperativen geprägt. Unsere schönen Adventslieder legen davon Zeugnis ab: ‚Macht hoch die Tür‘, ‚Wachet auf‘, ‚Kündet, allen in der Not‘, oder an Gott gerichtet, ‚O komm, o komm, Emmanuel‘, ‚Komm, du Heiland aller Welt‘, und nicht zuletzt: ‚Freut euch ihr Christen‘, ‚Tochter Zion, freue dich‘. An diesem 4. Adventssonntag, dem letzten Sonntag vor Weihnachten, wird nun dieses imperative ‚Rorate‘, dieses „Tauet“, als Eingangsvers gesungen. Es steht gleich einer Überschrift über diesem Sonntag. Auf den letzten Metern vor dem Weihnachtsfest verdichtet sich hier das Drängen und Flehen: Der Himmel wird bestürmt. Nun wird es in der Tat Zeit, dass der Heiland endlich kommt.

Doch, wer singt da eigentlich? Wer will denn da so flehentlich, dass die Himmel aufbrechen und der Heiland ‚herabließt‘, wie wir es heute zu Beginn der Heiligen Messe auf dem Zion mit dem Lied ‚O Heiland, reiß die Himmel auf‘, das 1622 und somit vor genau 400 Jahren von Friedrich Spee gedichtet wurde, gesungen haben? – mit den Worten dieser idealen Verdeutschung des ‚Rorate‘: ‚O Gott, ein Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ?‘ Beim genauen Hinsehen besteht dieses so beliebte Adventslied von Friedrich Spee aus nichts anderem als aneinandergereihten Jesaja-Zitaten. Die ganze Welt des Liedes dreht sich um alttestamentliche Textstellen, die kunstvoll und mit viel Sprachgeschick zu einem flehenden Band verknüpft wurden. Es handelt sich sozusagen um ein gesungenes Jesaja-Buch. – Aber gerade deswegen ist dieses Lied ein ausgesprochen merkwürdiges Adventslied: Denn hier lässt ein Christ uns Christen singen, als ob es Christus selbst gar nicht gegeben hätte! Dass sich im Advent vor 400 Jahren, in dem das Lied zum ersten Mal gesungen wurde, das Erscheinen Christi in Menschengestalt schon vor vielen Jahrhunderten zugetragen hat, wird mit keiner Silbe erwähnt. Christus wird nicht genannt. Die Charakterisierung der bedrückenden Gottferne in den Motiven des verbarrikadierten Himmels, der Dürre und der Unfruchtbarkeit der Erde, der Trostlosigkeit, Finsternis und Heimatlosigkeit wird bis ins kleinste Detail aus der alttestamentlichen Perspektive geschildert. – Ein Hinweis auf eine schon erfolgte Geburt des Erlösers oder die Erfüllung der Verheißungen kommen nicht in den Blick.

Und doch sind da die ersten drei Strophen des Liedes, die umfassendes Heil ausdrücken: Von oben kommen soll der Heiland und zugleich, von unten, aus der Erde ‚springen‘. Die Bedingungen für das Herabsteigen des Heilands in Regen und Tau werden genannt: Das Abreißen von ‚Tor und Tür‘, von ‚Schloss und Riegel‘! Was der regenspendende Himmel und der morgendliche Tau bewirken, wird besonders jetzt in dieser Zeit, hier im Heiligen Land, sichtbar: Wie wenig Tau braucht es, damit die Wüste zu blühen beginnt!

Doch die letzten drei Strophen des Liedes stehen mit der unheilvollen Beschreibung der Gegenwart in jähen Kontrast zu den ersten drei Strophen. Nun ist von ‚Jammertal‘, ‚Finsternis‘ und ‚größter Not‘ die Rede. Das Verlangen nach dem Erscheinen des göttlichen Erlösers wird existenziell: ‚vor Augen steht der ewig Tod‘. Und in letzter Konsequenz wird die unheilvolle Welt mit dem Exil Israels verbunden: ‚Ach komm, führ uns mit starker Hand, vom Elend zu dem Vaterland!‘

Nochmals sei die Frage aufgeworfen: Wer singt diese Worte eigentlich? Die Singenden, also wir, stellen uns in eine Linie mit Jesaja; wir werden zu seinen Zeitgenossen! Und wenn wir ehrlich sind: ‚Leid‘, ‚Elend‘ und ‚Jammertal‘ sind auch heute eine Realität für Christinnen und Christen – selbst am Weihnachtsfest herrscht für viele ‚größte Not‘. Die alttestamentlichen Verheißungen sind nicht einfach erfüllt worden durch die Geburt Christi, sondern haben als Verheißungen weiterhin volle Gültigkeit! Nicht zuletzt sind es Bitten um das Heil am Ende der Zeiten! – Daher flehen wir auch heute noch angesichts einer Welt, die schon friedlichere Weihnachten erlebt hat, um den kleinen Frieden – dort wo der Heiland den Himmel aufreißen kann. Das kann im eigenen Herzen sein, das dürr, gleichgültig und antriebslos geworden ist und für die adventliche Botschaft vertrocknet – ‚o Gott, ein Tau vom Himmel gieß‘. Das kann in Zusammenleben sein, wo ‚Schloss und Riegel‘ der Abneigung, des bösen Blicks, der Lästereien, aufgebrochen werden müssten. Wir bitten darum, dass sich an diesem Weihnachtsfest wieder ‚Himmel und Erde‘ berühren. - Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant iustum.“

Pater Simeon und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten 4. Advent!

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Freut Euch!

“’Alles wird gut!’ Diese oft dahingesagte Ermutigungsfloskel ist die ganz ehrlich gemeinte Botschaft des heutigen Gaudete-Sonntags.

Der Prophet Jesaja ruft in der ersten Lesung diese Frohbotschaft besonders allen Armen, Ausgebeuteten und Verachteten zu. Ich kann nicht anders, als hier sehr konkret an ‚meine‘ Migranten und Asylsuchende zu denken, die mir als Patriarchalvikar des Lateinischen Patriarchats anvertraut sind. Gott selbst wird sie erretten, ihnen Recht verschaffen und ihre Wunden heilen. Und diese Kleinsten werden im Himmelreich größer sein als der größte der Propheten, Johannes der Täufer! Welch ein Schlussakkord im heutigen Tagesevangelium!

Jakobus ruft diese Frohbotschaft in der zweiten Lesung auch allen zu, die sich in ihren Lebensplänen innerlich völlig verkrampft haben, die so vor sich hinsorgen, herumorganisieren und herumwerkeln. Entspannt Euch! Habt Geduld! Macht die anderen nicht schlecht! Alles wird gut! Euer Leben liegt in Gottes Händen – und der ist kein Zyniker, sondern möchte, dass Ihr lebt, und zwar in Fülle.

In diese hoffend-sehnende Stimmung des violetten Advents ruft am heutigen rosafarbenen Sonntag diese Frohbotschaft aber auch das Weiß von Weihnachten und von Ostern hinein: Alles wird gut, auch für die Sünderinnen und Sünder, für die Übeltäterinnen und für die Ungerechten. Denn Gott wurde genau für diese Mensch zum Menschen, hat sich ans Kreuz schlagen lassen und den Tod durch seine Auferweckung ein für alle Mal besiegt. Wenn Ihr es zulasst, kann Gott Euch aus Euren schwärzesten Abgründen erlösen!

Daher gilt heute wirklich für alle: Freut Euch!

Freut Euch, Ihr Verachteten! Seht, hier ist Euer Gott, er selbst wird Euch erretten!
Freut Euch, Ihr Sorgenvollen und Grübler! Euer Gott ist größer als all Eure Pläne, Sorgen und Ängste!
Freut Euch, Ihr Sünderinnen und Sünder! Gott hat Euch erlöst!
Freut Euch! Alles wird gut!“

Pater Nikodemus und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen frohen dritten Advent!

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Die fordernde Stimme des Täufers

„Der Jordan und der Rhein haben etwas gemeinsam: einen Grabenbruch. Es gibt ein breites Tal, durch das ein Fluß fließt und das von Bergen und Höhenzügen umrahmt wird. Doch der Rheingraben ist viel größer und viel grüner. Der Jordangraben ist kleiner und größtenteils Wüste - nur dort, wo das Wasser des Flusses zur Bewässerung genutzt wird, können Pflanzen gedeihen. Ansonsten herrscht entlang des Jordans Trockenheit und Dürre. Die meiste Zeit des Jahres liegt das Ufer des Flusses unter einer Staubglocke. Es sieht aus wie eine Mondlandschaft. Pilgergruppen wirbeln Staubwolken auf, wenn sie sich in der Hitze zum Ufer quälen. In der Regenzeit jedoch ist es noch schlimmer. Alles wird dreckig und schmierig und der Schlamm klebt an Schuhen und Kleidern. Aber gerade dorthin, an diesen doch so trostlosen Ort, ruft Johannes der Täufer die Menschen. Raus aus den gemütlichen Häusern und den sauberen Straßen, hinunter an die Furt des Jordans, zum Staub oder zum Schlamm, an die Stelle des Übergangs, dort wo man den Fluss Jordan durchqueren kann – dorthin ruft er sie. Der Weg zu Johannes ist beschwerlich – und ihm zuzuhören, ist auch nicht einfach. Er durchschaut die Menschen. Er schaut in unsere Augen, schaut in unsere Seele und fordert uns auf, Raum zu schaffen, Grundlage zu schaffen für einen Wandel, für einen Übergang. Johannes ist eine starke Persönlichkeit. Er kann Menschen begeistern, aber auch wachrütteln. Umkehr und Buße sind seine Mahnung. Er will, daß wir die spirituelle Seite des Lebens in den Vordergrund stellen, nicht die materielle. Kehrt um und zeigt in Eurem Leben Früchte der Umkehr! Das ist seine Botschaft. Einfach, direkt, unverblümt, mit deftigen Worten sagt er: Bereitet dem Herrn den Weg!

Advent ist eine Zeit der Umkehr, der Vorbereitung. Jeder ist etwas geschäftiger als üblich. Dies muss noch besorgt, das noch eingekauft, dies noch dekoriert und das noch eingepackt werden. Was für eine seltsame Litanei! – Und in diese Geschäftigkeit kommt Johannes hinein und ruft uns auf, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen sollen – jeder und jede mit seinem eigenen Leben. In den Tagen, wo wir überlegen, was wir anderen schenken können, sollen wir plötzlich unser eigenes Leben in den Blick nehmen. An seiner eigenen Person zu arbeiten, sei besser als die Zweige am Weihnachtsbaum zu richten. Unsere eigenen Schwachpunkte anzupacken und anzugehen, sei besser als Geschenke einzupacken und Gebäck zu backen.

Wie die neugierige Menge damals an den Jordan ging, um Johannes zu schauen, werden auch wir schmutzig und dreckig werden in unserem Mühen, um umzukehren. Aber die fordernde Stimme des Täufers ist klar und deutlich, sie ruft uns herbei und ruft uns zu: Kehrt um! Achtet auf eure Haltungen, eure Taten und Euer Verhalten!“

Wir haben noch gut zwanzig Tage, an denen wir uns Gedanken um Geschenke machen können, aber auch genauso viel Zeit ist uns, für den Blick auf unser eigenes Leben und für die Vorbereitung auf die Geburt des göttlichen Kindes in unserer Seele geschenkt.“

Pater Elias und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten 2. Adventssonntag!

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Bürger zweier Welten

„Das alte Kirchenjahr ist vergangen, ein neues Kirchenjahr beginnt! Es ist der erste Advent! Dieser Zeitenwechsel macht uns auch bewusst, dass das bürgerliche Jahr und das Kirchenjahr sich nicht decken. Diese Ungleichzeitigkeit erinnert uns Christen daran: Wir sind Bürger zweier Welten.

Die erste Lesung dieses Adventsonntages aus dem Buch des Propheten Jesaia lädt uns ein, auf den Horizont des Glaubens zu blicken. Die Tage des Advents laden uns ein, darauf zu schauen, was am Ende aller Tage, hinter den Tagen dieser Weltzeit sein wird. Der Prophet stellt uns ein Bergpanorama vor unseren Augen auf: ‚Der Berg des Hauses des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel‘ – und eine große Völkerwanderung, eine gewaltige Sternwallfahrt beginnt; diese Menschen freuen sich, weil sie zum Berg des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs pilgern, weil dieser Gott ihnen seine Wege zeigt. Sie rufen: ‚Auf seinen Pfaden wollen wir gehen!‘

Der Prophet Jesaia will uns mitnehmen und durch seine Vision die Hoffnung in uns wecken: Es kommt der Tag, der Tag hinter unseren Tagen: ‚Da zieht man nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg! Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen!‘

Uns wird heute, am 1. Advent, mit den Worten des Propheten Jesaja diese prophetische Schau vor Augen gestellt. Wir sollen uns aufmachen im Glanz der Verheißung des 1. Advents! Es ist Zeit die Schwerter und Lanzen umzuschmieden. ‚Im Licht des Herrn‘ können wir neu entdecken, wir sind Schwestern und Brüder, nicht unsere Verschiedenheit muss verschwinden, wir bleiben Mann und Frau, alt und jung, Eltern und Kinder, Mönche und Ordensfrauen, wir bleiben Kleriker und Laien, aber wir können die Angst voreinander beiseitelegen, weil wir alle Kinder Gottes sind, Kinder des himmlischen Vaters!

In großer Zuversicht dürfen wir uns auf den Weg machen, Boten des Friedens für die Welt zu sein! - Es ist zu wenig, wenn wir uns im Advent auf Weihnachten vorbereiten. Die Botschaft im Advent heißt für uns: Auf lasst uns gehen und leben im Licht des Herrn!“

Pater Zacharias und alle Brüder in Tabgha und auf dem Zion wünschen Euch einen gesegneten 1. Advent!

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