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Alle Blogbeiträge von P. Basilius OSB

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Was kommt da auf uns zu?

Die Überschrift dieses Blog stammt von einem Beitrag der online-Ausgabe der F.A.Z. dieser Tage. Der Beitrag von Marcus Jauer macht zumindest nachdenklich. – Kommt da wirklich etwas auf uns zu? Jauer gibt natürlich keine Antwort. Und ich gebe auch keine. Ich bin Mönch, weder Unheilsprophet noch Immobilienmakler, der seine Häuser und Wohnungen los werden will.

Zumal: Seit Jahren spricht man hier im Heiligen Land immer wieder von Krieg, einem großen Krieg. Man, das sind mal die Einheimischen gleich welcher Religion oder Sprache, mal ausländische Journalisten, mal unsere Verwandten und Freunde in Europa, die besorgt nachfragen. Gekommen ist bisher noch nichts. – Nichts ist natürlich untertrieben, wenn man Tag für Tag die Meldungen in den Zeitungen und im Internet verfolgt. Das Heilige Land und die ganze Region sind und bleiben eine Region der Gewalt und des Leides. Das begleitet uns im Alltag hier, manchmal allzu alltäglich. Oft aber einfach und vor allem im Gebet.

Der große Knall aber ist – dem Ewigen sei Dank! – bislang ausgeblieben. Ob daran die anstehenden Wahlen in den USA und in Israel etwas ändern? Um ehrlich zu sein: Ich will es mir im Moment nicht ausmalen. Die politische Kaste hier im Land sehe ich durchaus kritisch. Aber ich hoffe und baue auf die die vielen Menschen, die (zum Beispiel) den Krieg nicht wollen, die eine friedliche und gerechte und freie Gesellschaft wollen. Wie viele Europäer habe auch ich eine deutliche Präferenz, wenn ich auf die Präsidenten-Wahl in Amerika schaue. Und auch hier hoffe und baue ich auf die Vernunft und den Gestaltungswillen der Menschen.

Denn was auf uns zukommt, das liegt auch an uns. Nicht nur. Wir haben, Gott sei Dank, nicht alles in der Hand. Das müssen wir manchmal schmerzhaft erfahren und immer wieder neu lernen.

Wenn uns Jesus immer wieder zu Wachsamkeit ermahnt, wie in den Tagesevangelien dieser Woche, dann bestimmt nicht als bloßen Selbstzweck. Und wenn ER uns heute mahnt, die Zeichen der Zeit zu sehen und zu deuten, dann gewiss, um Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und entsprechend zu handeln. Das gilt für jeden Tag. Es geht um Vergebung und Versöhnung. Die, die man gibt, und die, die man empfängt. Wenn wir dazu immer neu bereit sind, dann können wir wohl auch mit dem umgehen, was da auf uns zukommt.

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Und sie reden vom Krieg...

Ich bin schon zu lange im Orient, seit ziemlich genau elf Jahren, um zu wissen, dass man hier im Grund nie irgendetwas wirklich weiß. Vor allem, wenn es um die Frage nach Krieg oder Frieden geht. – Aber ich bin auch nicht lange genug hier, um es auf die leichte Schulter zu nehmen.

Sie sagen, die Planungen seien so konkret wie nie. Sie sagen, der Zeitpunkt sei günstig. Sie sagen, die Zeit sei reif, man dürfe nicht länger warten.

Sie sagen, alleine können die das gar nicht. Sie sagen, die anderen wollen das auch nicht. Sie sagen, das sei alles nur Säbelrasseln.

Und sie reden vom Krieg.

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob er kommt. Ich weiß nicht, ob er nicht kommt.
Aber es hört sich wahnsinnig an. Und es sieht sich wahnsinnig an, wenn man unterwegs Menschen (noch nur wenige) mit ihren Pappboxen mit den Gasmasken sieht. Und bei aller (Gott behüte, dass es das überhaupt gibt!) Gewöhnung an Gewalt und Waffen, Bedrohung und Kriegsszenarien, fühlt es sich auch wahnsinnig an. Es fühlt sich falsch an.

Denn sie reden vom Krieg...

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Wunder gibt es immer wieder... oder?

Seit gestern nachmittag steht ein einsamer Rollstuhl in unserer Kirche. Vergessen kann man einen Rollstuhl doch eigentlich nicht. Wer ihn braucht, braucht ihn. Und der wird an ihn denken.
Bedeutet das nun umgekehrt, dass der Besitzer/die Besitzerin des Rollstuhls in der Dormitio-Basilika ihn nicht mehr braucht?
Das ist ein durchaus spannender Gedanke, der uns seit gestern beschäftigt. Ob es wohl eine Heilung, ein Wunder in unserer Kirche gegeben hat, von dem wir nichts mitbekommen haben?
Wie viele Wunder geschehen wohl Tag für Tag um uns, womöglich sogar mit uns und in uns, ohne dass wir etwas davon mitbekommen?

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Warum Engel 'political incorrect' sind

Manchmal steht man vor Fragen, deren bloße Existenz einen schon überrascht. Geschweige denn, dass man in der Lage wäre, eine Antwort auf sie zu finden.

Seit ein paar Tagen trage ich mal wieder eine solche Frage mit mir herum. Ausgelöst wurde sie durch eine Bibelstelle, und das ist für einen Mönch ja nicht die schlechteste Art, einer Frage zu begegnen. Dabei ist sie kirchenpolitisch nicht ganz ohne. Und das bedeutet nicht, dass ich mich in Diskussionen einmischen möchte, die zu führen ich als Priester gar nicht befugt wäre. Zumindest dann, wenn man ihre Konsequenzen bis ans Ende durchdenken (oder zumindest durchfragen) würde.

Meine Frage aber hat auch eine sehr alltagsbezogene Dimension, geerdet, könnte man sagen. Und auch das findet der Mönch sehr passend. Auch wenn wir als Mönche ja bekanntermaßen schon ein gleichsam engelgleiches Leben führen, bindet uns der heilige Benedikt doch auch immer wieder an das normale Leben mit seinen Grenzen und Möglichkeiten zurück. Und davon gibt es hier im Heiligen Land mehr als sonst wo. Zumindest habe ich manchmal den Eindruck…

Engel. – Das ist nun auch mein Stichwort – siehe Überschrift. Seit ein paar Tagen beschäftigt mich die Frage, ob Engel politisch korrekt sind. Nicht, ob sie selbst politisch korrekt sind, sondern mehr, ob sie sich politisch korrekt verhalten.

Konkret geht es um jene beiden Engel, die den Jüngern erscheinen, kurz nachdem Jesus vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen wurde. Denn jene Frage, die sie den Jüngern stellen, haben wir an den Beginn unserer Einladung zur Klostereinweihung gestellt: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut ihr nach oben…? (Apg 1,11).
Pater Jeremias hat diesen Text auch ins Arabische übersetzen lassen, und hat die Einladungen mit der Übersetzung auch unseren Arbeitern auf der Baustelle gegeben. Doch als diese Männer, quer durch die Bank Galiläer, die Einladung studierten, wurde sie ganz schweigsam und betreten. Als Pater Jeremias dies merkte, fragte er nach…

„Dürfen wir denn unsere Frauen nicht mitbringen? Da steht doch nur etwas von den Männern von Galiläa…“

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Zuhause in einem fremden Land

Es gibt immer wieder Momente, in denen ich auch nach fast elf Jahren nochmal merke, dass ich ein Fremder in einem fremden Land bin – und wohl bleibe.

Ein solcher Moment ist der heutige Tag, an dem Israel seinen „Independence Day” begeht. 64 Jahre Staat Israel. Das ist freilich ein Grund zum Feiern. Und das tun sie auch, die Israelis, und zwar im ganzen Land. Pater Jonas und ich haben den Tag zu einem Ausflug in ein schwedisches Einrichtungshaus genutzt (die hatten ab 14.00 Uhr wieder ihre gelb-blauen Tore offen). Auf dem Weg dorthin haben wir viele, sehr viele Autos gesehen. Auf der Straße, natürlich, aber noch mehr an der Straße. Wo auch immer es geht, parkt man an diesem Tag an der Straße. Und dies nicht als Selbstzweck, sondern vielmehr deshalb, weil die Israelis offenbar ein Riesenvergnügen daran finden, an diesem Tag zu grillen. Am Straßenrand: in Parks, direkt an der Autobahn, auf jedem freien Fleck. Grills verschiedener Größer, Kühlboxen, Stühle, Tische, Sonnensegel, Schirme, Zelte – Kind und Kegel sowieso! Wer nicht fährt, parkt und grillt. Steaks am Straßenrand.
Ich gebe zu, ich bin kein großer Freund von Staatsfeiertagen. Was ich von dieser Art, einen solchen zu begehen, halte, weiß ich von Jahr zu Jahr immer weniger.

Ein ganz anderes Beispiel, das sich aber ebenfalls auf den Straßen meines Gastlandes abgespielt hat: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kam ich von einer kurzen Dienstreise am Flughafen Ben Gurion an, wo alles sehr reibungslos verlief. Dass ich das erste Sherut (israelisches Sammeltaxi für zehn Passagiere), das ich bestiegen hatte, wieder verlassen musste, weil das Jaffa-Tor dann doch nicht auf der Route meines ersten Fahrers lag, ist eine Erfahrung, die wir auch schon häufiger gemacht haben: Nicht jeder Taxi-Fahrer mag wohl so gern in Richtung Altstadt fahren.
Gestaunt habe ich dann aber, als wir in Jerusalem durch Stadtteile mit den Namen „Unsdorf” und „Mattersdorf” gefahren sind. Die waren mir bislang unbekannt, und solche Entdeckungen gegen vier Uhr am frühen Morgen sind schon einigermaßen aufregend.
Doch es wurde noch aufregender. Denn als wir in die nächste Straße einfuhren, ein normales Jerusalemer Wohngebiet mit den üblichen Häusern, kleinen Vorgärten und eine auf beiden Seiten zugeparkte Straße, versperrte uns auch noch ein Müll-Auto den eh schon schmalen Weg. Die Besatzung bestand nur aus dem Fahrer und einem Müllmann, der sich mit den großen Containern abplagte. Soviel Hebräisch verstehe ich dann doch, dass sich mein Fahrer darüber lustig machte, dass da ein einziger mit dem Müll kämpfte. Das Lachen verging ihm aber, als der Kamerad die geleerten Müllcontainer halb auf der Straße, unserer Straße, stehen ließ. Es war immer noch eher vier als halb fünf, was meinen guten Fahrer aber nicht daran hinderte, zuerst mehrfach zu hupen, dann aus seinem Auto rauszuspringen und mitten in diesem Wohngebiet, halb in der Nacht, ein Riesengeschrei zu veranstalten: „Ma seh?!” – Was das sei? ist die wörtliche und hier auch höfliche Übersetzung, denn die wahre Intention und Emotion reicht tiefer...
Das kam auch bei seinem Gegenüber an. Denn der kam die Straße wieder lustlos zurück (das hätte ich auch nicht anders getan) und schubste die Container Richtung Straßenrand. Der letzte davon rutschte schon an unserem Sherut vorbei, als wir schon langsam über die dann einigermaßen freie Straße losfuhren. Die war aber leider abschüssig, so dass der Container rollte und rollte. Ich weiß nicht, wo oder woran er zum Stehen kam.

Ich jedenfalls kam doch noch gut und sicher am Zion an.
Welcome to the Holy Land!

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Wie auf dem roten Teppich

Nach fast elf Jahren in einem der schönsten Klöster der Welt (☺) bin ich ja einiges gewohnt an freiwilliger und weniger freiwilliger Interaktion zwischen Mönchsgemeinde und Besuchern... Den Tag heute kann ich mir aber rot im Kalender anstreichen, der hat seinen ganz eigenen Charme.

Als vorhin in der Messe (wir waren nur mit wenigen Brüdern und Studentinnen, also alle im Chorraum) gegen Ende des Hochgebets ein Franziskaner und ein Mann in Zivil die Kirche betraten hätte ich schon misstrauisch werden müssen. Denn eigentlich ist die Kirche in dieser Woche erst ab 9.00 Uhr für den Publikumsverkehr offen. Aber ich wollte mir da noch keine großen Gedanken machen. Hätte ich aber vielleicht besser.
Denn dann ging es Schlag auf Schlag, und wir hatten auf einmal 150 Menschen – gefühlte 1.000 bis 2.000 – in der Kirche: Ägypter zuerst, dann Kopten in schönen weißen, wallenden Gewändern, zwischendrin Spanier (und/oder Russen). Und so ziemlich jeder dieser Pilger hatte eine Kamera: Handy-Kamera, i-Pad (sorry für die deplatzierte Schleichwerbung!), normale Digitalkameras, Videokameras verschiedener Größen, davon eine sogar mit Extra-Scheinwerfer...

Trotz der engagierten Versuche unseres Diakons: Die Masse war nicht mehr zu stoppen und hat fotografiert und gefilmt, was das Zeug hielt! Unglaublich. Wer nicht selbst eine Kamera hatte, posierte für die Fotografierenden auf den Altarstufen und vor dem geschmückten Osterkreuz. Eine ältere Pilgerin hielt in der einen Hand ihren Stock, in der anderen ihre Kamera...

Klickklick, blitzblitzblitz... Jetzt kann ich zumindest näherungsweise nachempfinden, wie sich die Promis vorkommen, wenn sie über einen der berühmten roten Teppich dieser Welt laufen.

Bin ich froh, dass ich im Kloster bin...

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Zeitenwende

Im Laufe eines Jahres gibt es immer wieder Abschnitte, die man als Zeitenwende bezeichnen kann, nicht nur und nicht einmal vor allem die letzten Dezember- und die ersten Januartage.
Für jetzt habe ich den Eindruck, dass sich gleich mehrere solche Zeitenwenden oder -übergänge überschneiden. Da ist zum einen das Ende des Studienjahres im Beit Josef. Gestern hatten die Studierenden den Abschlussgottesdienst. Ich konnte zwar nicht dabei sein, weil ich aktuell in Tabgha bin, doch das ist schon ein weiterer Zeitübergang, Zurück zum Studienjahr: Der Beginn und das Ende eines Kurses sind jeweils bemerkenswerte Einschnitte im Leben unserer Gemeinschaft auf dem Zion. Wir treten nun in eine Zwischenphase ein, ohne Studierende. Als der jetzt scheidende Kurs ankam, war unser neuer Abt erst seit wenigen Tagen im Haus; dass das Studienjahr nun beendet ist, zeigt mir auch an, wie lange Abt Gregory schon bei uns ist.
Tabgha: Der Klosterneubau neigt sich dem Ende zu, auch wenn längst nicht alles fertig ist. Und selbst bis zur Einweihung wird nicht alles fertig sein. Aber alleine der Umstand, dass alle möglichen Handwerker jetzt gleichzeitig vor Ort sind, während es über Monate alleine Khalil mit seinen Leuten war, die Stahl und Beton und Steine verbaut haben, zeigt, dass auch dieses Projekt dem Ende zu geht. Damit beginnt freilich für die Brüder hier zugleich eine neue, eine sehr neue Zeit - und es endet eine. Denn das Kloster, in dem ich jetzt noch sitze und diese Zeilen schreibe, wird dann zuerst leer sein, um gar nicht viel später abgerissen zu werden... Eine Zeitenwende ganz eigener Art.
Dann treten wir mit diesem Wochenende in die Heilige Woche ein. Sicher die prominenteste und wichtigste aller nur denkbaren Zeitenwende: Der Übergang vom Tod zum Leben, von der Sünde zur Barmherzigkeit und Freiheit im Angesicht Gottes. Diese Zeitenwende müssen und dürfen wir in jedem Augenblick unseres Leben leben. Und doch ist die alljährliche Wiederkehr der liturgischen Feiern in ihrer höchsten Form etwas ganz, ganz besonderes.
Vor diesem Hintergrund fällt eine andere, theoretisch denkbare Zeitenwende fast blass aus, so dramatisch sie auch sein könnte, wenn sie denn käme: Nach wie vor geistert auch in den Medien in Israel ein möglicher Angriff auf den Iran herum. Möglich, ja. Wahrscheinlich, ich weiß nicht. Sicher? Ich wette nicht, nicht mehr auf solche Dinge. Aber ich würde es für den Moment nicht ausschließen. Sollte er kommen, wäre es gewiss eine Zeitenwende.
Aber für mich als Mönch im Heiligen Land, als Mönch einer Gemeinschaft, die auf dem Zionsberg und am See Genezreth an ältesten Stätten christlicher Gemeinschaft lebt, als Mönch einer Gemeinschaft, die gerade ein neues Kloster bauen darf - als Mönch gehören solche Zeitenwenden auch dazu. Und sie werden umfangen von dem, der uns in einer Woche im Schein des Osterfeuer wieder zurufen wird: Ich der Anfang und das Ende.

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Ein neues Jahr

Nun haben wir die Weihnachtszeit abgeschlossen, zumindest die lateinische. Die orientalischen und orthodoxen Christen um uns herum sind ja noch mittendrin. Wir werden heute zumindest teilweise damit beginnen, Kloster und Kirche zu „entweihnachten”.

Dann kann es richtig los gehen in das neue Jahr, das wir in der vergangenen Woche mit einer Werkwoche mit allen Brüdern der Gemeinschaft begonnen haben: Wir haben verschiedene wichtige Themen für unser Kloster beraten, zusammen einen hübschen kleinen Ausflug nach St. Anna (mit Vesper dortselbst) inkl. lecker-Abendessen in einem arabischen Restaurant unternommen und natürlich das Hochfest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar gefeiert.
Eine sehr, sehr intensive Woche. Das kann ich gar nicht anders sagen.

Und jetzt warten mit heute 358 weitere spannende Tage in diesem Jahr 2012... – Packen wir's an!
Liebe Grüße Ihnen und Euch allen vom Zion!

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Hirten erst kundgemacht durch der Engel Halleluja... (28. Tag)

Wir sind mit unserem heutigen, dem letzten Bild nicht am Ende der Welt angelangt, auch wenn es sich ein bisschen so anfühlt: Wir sind in Rosh haNikra, unmittelbar an der israelisch-libanesischen Grenze. Und in der Tat, irgendwie sind hier alle Wege zu Ende:
Es gab einmal einen Eisenbahntunnel durch die Felsen, aber den haben die jüdischen Kämpfer 1948 gesprengt. Es gibt auch einen Weg über den Berg, theoretisch. Aber der ist unterbrochen von streng bewachten Grenzanlagen und Toren, die sich im Grunde nie öffnen. – Was ‚Wege bereiten‘ hier bedeuten kann, das ist nur allzu offensichtlich.

Einblicke (Foto: Studienjahr). Dabei ist Rosh haNikra sogar einer der schönsten Orte in Israel. Die Gebirgslandschaft, die sich Israel und Libanon teilen, ist freier und grüner als die Wüsten im Süden, auch nicht so angespannt wie Jerusalem oder so quirlig wie die Städte um Tel Aviv, sondern ruhiger und weiter. Man hat das Mittelmeer direkt vor der Haustür, und in Rosh haNikra eine faszinierende Welt zwischen Bergen und Meer.
Mit einer Seilbahn kommt man hinunter in die Höhlen, von denen eine auf unserem Foto zu sehen ist. Kleine Gänge und Treppen führen durch die Grotten direkt am Meer, das immer wieder kraftvoll und archaisch in die Höhlen hineinstürmt. Gischt wirft sich auf. Das Wasser leuchtet in wunderbaren Farben…

Wir sind am Ende unseres Adventsweges angelangt, heute Nacht feiern wir Weihnachten. Da ist auch einer hinuntergestiegen, wo die Welt scheinbar am Ende war. – Dort, wo der Weg nicht mehr weiter zu gehen scheint, dort sucht sich Gott einen Weg, um Mensch zu werden.

Steigen wir in die Grotte von Bethlehem hinab und lassen uns anschauen von dem, Der sich für uns klein gemacht hat und Der zu uns herabgestiegen ist, um uns zu retten. Und lassen wir uns von der Kraft und dem Leuchten Seiner Liebe bewegen, lassen wir uns von Ihm be-weg-en, lassen wir uns von Ihm zu Wegen der Versöhnung und des Friedens machen.

Ich wünsche Ihnen und Euch, die diesen Advents-Weg mitgegangen sind, auch im Namen von Vater Abt und meinen Brüdern ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest und Gottes Segen für das neue Jahr!

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O Immanuel… (27. Tag)

Menschen unterwegs. Womöglich eine Demonstration. Jerusalem, Ramallah, Gaza? Man sieht keine Gesichter. Mit dem Fotografen werden wir wie in einer anonymen Menge einfach mitgeschleppt. So mag man sich in unserer globalisierten Welt insgesamt vorkommen: mitgeschleppt.

Unter Menschen (Foto: Paul Badde). Mehr als 7 Milliarden Menschen leben auf dem Blauen Planten, fast jeder fünfte ein Chinese, fast genauso viele Inder, mehr als zwei Milliarden Christen, etwa 1,5 Milliarden Muslime, 800 Millionen Facebook-Nutzer… Was zählt da noch der einzelne Mensch? – Alles!
Mit dem Kind in der Krippe können wir nicht anders antworten als: Der einzelne Mensch zählt alles. – Die letzte und schönste der O-Antiphonen in der Liturgie der Vesper im Advent, die von heute nämlich, beginnt schon mit dem Schlüsselgedanken: O Immanuel – O Gott-mit-uns, Gott-unter-uns, Gott-bei-uns! Wo Gott unter uns Menschen ist, wo er einer von uns wird – und das feiern wir ja in der übernächsten Nacht – da kommt es auf jeden einzelnen an.

ER ist es, der Seine Wege zu uns findet, davon ist diese O-Antiphon genauso wie ihre Schwestern der vergangenen Tage überzeugt. Komm, eile, schaffe uns Hilfe! – Das ist mehr als nur ein Hilferuf, darin spricht sich eine Glaubensüberzeugung und Glaubenserfahrung aus. Weihnachten, das Geheimnis der Menschwerdung lädt uns ein, dass wir uns wieder neu auf diesen Weg machen, jeder Einzelne.

Und wohin führt der Weg? – Papst Benedikt XVI. hat dieser Tage noch einmal darauf hingewiesen, dass die Krippe schon auf das Kreuz hinweist. Wir können mit der heutigen O-Antiphon noch einen Schritt weitergehen: Wer dem Kind in der Krippe den Weg bereitet, der bereitet schon dem Gekreuzigt-Auferstandenen den Weg. Die Antiphon benutzt die gleichen Worte wie der vermeintlich ungläubige Thomas, als der auferstandene Jesus ihm seine Wunden an Händen und Füßen und in seiner Seite zeigt: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannesevangelium 20,28)

Das Kind in der Krippe ist nichts weniger als die Zusage des Lebens an uns! – Venite adoremus. Und wir dürfen kommen, alle, sieben Milliarden, und noch mehr...

O Immanuel, unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe,
du unser Herr und unser Gott!
(O-Antiphon am 23. Dezember)

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