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Alle Blogbeiträge von P. Basilius OSB

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O Immanuel… (27. Tag)

Menschen unterwegs. Womöglich eine Demonstration. Jerusalem, Ramallah, Gaza? Man sieht keine Gesichter. Mit dem Fotografen werden wir wie in einer anonymen Menge einfach mitgeschleppt. So mag man sich in unserer globalisierten Welt insgesamt vorkommen: mitgeschleppt.

Unter Menschen (Foto: Paul Badde). Mehr als 7 Milliarden Menschen leben auf dem Blauen Planten, fast jeder fünfte ein Chinese, fast genauso viele Inder, mehr als zwei Milliarden Christen, etwa 1,5 Milliarden Muslime, 800 Millionen Facebook-Nutzer… Was zählt da noch der einzelne Mensch? – Alles!
Mit dem Kind in der Krippe können wir nicht anders antworten als: Der einzelne Mensch zählt alles. – Die letzte und schönste der O-Antiphonen in der Liturgie der Vesper im Advent, die von heute nämlich, beginnt schon mit dem Schlüsselgedanken: O Immanuel – O Gott-mit-uns, Gott-unter-uns, Gott-bei-uns! Wo Gott unter uns Menschen ist, wo er einer von uns wird – und das feiern wir ja in der übernächsten Nacht – da kommt es auf jeden einzelnen an.

ER ist es, der Seine Wege zu uns findet, davon ist diese O-Antiphon genauso wie ihre Schwestern der vergangenen Tage überzeugt. Komm, eile, schaffe uns Hilfe! – Das ist mehr als nur ein Hilferuf, darin spricht sich eine Glaubensüberzeugung und Glaubenserfahrung aus. Weihnachten, das Geheimnis der Menschwerdung lädt uns ein, dass wir uns wieder neu auf diesen Weg machen, jeder Einzelne.

Und wohin führt der Weg? – Papst Benedikt XVI. hat dieser Tage noch einmal darauf hingewiesen, dass die Krippe schon auf das Kreuz hinweist. Wir können mit der heutigen O-Antiphon noch einen Schritt weitergehen: Wer dem Kind in der Krippe den Weg bereitet, der bereitet schon dem Gekreuzigt-Auferstandenen den Weg. Die Antiphon benutzt die gleichen Worte wie der vermeintlich ungläubige Thomas, als der auferstandene Jesus ihm seine Wunden an Händen und Füßen und in seiner Seite zeigt: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannesevangelium 20,28)

Das Kind in der Krippe ist nichts weniger als die Zusage des Lebens an uns! – Venite adoremus. Und wir dürfen kommen, alle, sieben Milliarden, und noch mehr...

O Immanuel, unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe,
du unser Herr und unser Gott!
(O-Antiphon am 23. Dezember)

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O König aller Völker… (26. Tag)

Da sitzt er und wartet. Hier auf der Stadtseite des Zionstores. Andere Male außerhalb des Zionstores, vorne auf der Ecke bei den Armeniern und Franziskanern, nicht weit von unserer Abtei entfernt.

Ein biblischer Alter im (bzw. am) Tore... (Foto: Johannes M. Oracevz OSB). Eigentlich müsste man sagen, er saß, er hat gewartet. Alles hat seine Zeit, Menschen und Dinge. Und irgendwann ist sie eben vorbei. Manchmal natürlich, manchmal tragisch. Und alles Warten hat ein Ende.

Der Orient kennt beides: Dieses scheinbar stoische Warten und Nichtstun, was uns Europäer kirre machen kann, aber genauso eine Hektik und Dynamik, gepaart mit einer Laustärke und Theatralik, die für uns westliche Gemüter nicht minder gewöhnungsbedürftig ist. Und wir warten und hoffen, dass dazwischen irgendwann einmal der Weg zu Versöhnung und Frieden auftaucht…

Dabei denke ich, dass tatsächlich beides helfen kann, das Warten und das Tun. – Wichtig ist, auf welche Weise ich wirklich und wahrhaftig dem Herrn den Weg bereite, wie ich offen und aufmerksam werde für sein Kommen in mein Leben, für Seine bleibende Gegenwart. So wie ein Töpfer einerseits Ruhe und Frieden braucht, um den Ton zu bearbeiten, dabei aber gleichzeitig auch Fingerfähigkeit und Reaktion zeigen muss, so ähnlich (wenn man dieses Bild so übertragen darf) hat der Herr wohl auch uns aus Erde gebildet: in Frieden und mit Energie.
Es gehört zum Menschsein, zur Menschwerdung dazu. Und jeder von uns trägt diesen Doppelkeim auf dem Weg seines Lebens in sich. Bitten wir den Herrn, der für uns Mensch wird, dass wir auf dem Weg zu Ihm die rechte Balance finden!

O König aller Völker, ihr Erwartung und Sehnsucht;
Schlussstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!
(O-Antiphon am 22. Dezember)

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O Morgenstern! (25. Tag)

Sie bestimmt den Tag, den Rhythmus des Jahres, unser ganzes Leben. Wir können sie uns kaum wegdenken. Sie gehört zu den unverzichtbaren Bedingungen für weite Teile des Lebens, wie wir es auf Erden kennen. – Die Sonne.

Ausblicke und Einsichten (Foto: Studienjahr). Und sie berührt unser Herz, unsere Seele. Fehlt sie in dunklen Wintertagen oder Zeiten von Regen und Nebel, sehnen wir uns nach ihr. – Doch besonders Sonnenauf- und fast noch mehr –untergänge faszinieren die Menschen.
Was Wunder, dass die Sonne in den Religionen und Mythen vieler Völker eine zentrale Rolle spielt.

Dabei ist die Sonne nur eine unter vielen, nur ein Stern unter unzählbaren Sternen. – Und als Morgenstern können astronomisch je nach Konstellation Venus oder Merkur bezeichnet werden.

Was also soll es, wenn wir Christus als Morgenstern und als Sonne der Gerechtigkeit anreden? Sind solche Bildworte, so eingängig sie auch sein mögen, dann nicht im letzten leer und falsch? – Nein.

Denn was immer wir von Gott, was immer wir über Jesus Christus aussagen, wir können es nur mit den Bildern, die uns zur Verfügung stehen und die wir übertragen können. Auch wenn wir damit immer nur einen kleinen Ausschnitt wirklich erfassen und beschreiben können von dem, was Gott wirklich bedeutet, wie ER ist…
Wenn wir also Christus als Sonne der Gerechtigkeit und als Morgenstern anreden, dann dürfen wir irgendwie auch all die anderen Sonnen und Sterne mitdenken, die auf ihre Weise vielleicht von Christus erzählen, der unsere Finsternis hell macht, uns Gerechtigkeit schenkt, uns Liebe erfahren lässt…

Dem Herrn die Wege bereiten, das heißt auch, dass wir immer damit rechnen müssen, dass ER größer und mehr und anders ist, als wir IHN uns gerade denken können. – Er könnte zum Beispiel als kleines Menschen-Kind geboren sein…

O Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
komm und erleuchte,
die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!

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O Schlüssel Davids… (24. Tag)

Keine Frage, der sitzt erst mal fest!
Unsere Studenten des letztjährigeren Kurses werden sich mit einem Lächeln an die missliche Situation auf einem Feldweg oberhalb von Tiberias erinnern…

- Ohne Worte. - (Foto: Studienjahr) Festsitzen, festgefahren – das kommt auch in unserem Leben schon mal vor. Und in einem solchen Moment ist uns wohl kaum zum Lachen zu Mute. Wie oft alleine in diesem Jahr? Es kann durch unseren Übermut oder unsere Kurzsicht passiert sein – wie beim Busfahrer unseres heutigen Bildes. Meistens aber wird sich der Boden unter unseren Füßen verändern, und der Weg, der uns eben noch fest erschien, wird zur Schlammgrube. Trägt uns nicht mehr. Wir stecken fest.

Das könnte einen nun dazu verleiten, den Kopf in denselben Dreck zu stecken, in dem auch schon die Füße sind; zu kapitulieren; über die Welt und ihre Schlechtigkeit zu klagen. – Manchmal und in
bestimmten Maßen hilft das auch etwas und reinigt die Seele.

Aber wir wollten ja in diesem Advent die Wege bereiten für den Herrn, dessen Ankunft im Grunde immer unmittelbar bevorsteht. Das geht wohl kaum, wenn Füße und Nase im Dreck stecken… Doch die Liturgie dieses Tages hilft uns weiter.

Denn sie weiß um die übelsten Formen solchen Drecks, in dem wir stecken können. Und sie schwingt ein in die alten Verheißungen, weiß, dass Der, Der uns dieses Leben gerufen hat und Der selbst dieses Leben mit uns teilt als Mensch unter Menschen, dass Er uns nicht alleine lässt. Er hat die Macht, uns zu retten. Und Er will uns retten. Deshalb kommt Er gleichsam als Tür und Schloss und Schlüssel zugleich und öffnet uns, eröffnet uns neue Wege. – Wenn, ja, wenn wir uns Ihm nur wirklich zuwenden, Ihn suchen, Ihn rufen…
Ein Abschleppdienst kommt schließlich auch nicht nur zufällig vorbei!

O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel –
du öffnest, und niemand kann schließen,
du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!

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…zum Zeichen für die Völker… (23. Tag)

Auf der alten Stadtmauer in Akko.
Die Zeit scheint still zu stehen. Trotz des massiven touristischen Ausbaus der letzten Jahre. Die Stadtmauer auf ihrer Seeseite tut der Seele einfach gut.

Auf der Hafenmauer in Akko (Foto: Christian Schindler). Hier endet nicht die Welt, wie man vielleicht meint, wenn man vom modernen Haifa gegenüber her kommt. Irgendwie beginnt hier eine andere Welt. Eine Welt, die größer zu sein scheint.
Das Meer und der weite Horizont mögen an sich schon unsere Sehnsucht, unseren Sinn für das Weite und Große wecken. Wir werden uns in einem guten Sinne unserer Kleinheit bewusst. Können still werden. Auf das Wasser schauen, den Wellen zuhören. Den Blick übers Meer bis zum Ansatz des weiten Himmels gleiten lassen…

In einer solch alten Hafenstadt bekommt es indes etwas sehr konkretes. Es kommt ein Schiff geladen… – Schiffe, womöglich aus allen Ländern der Erde. Menschen aller Völker und Sprachen. Wie Bahnhöfe und Flughäfen haben auch Seehäfen etwas verbindendes und öffnendes an sich. Wege, ganz verschiedene Wege tun sich auf. Beginnen. Enden. Kreuzen. Gehen weiter.

Weihnachten, das Geheimnis der Menschwerdung – der Anker haft’ auf Erden, da ist das Schiff am Land… – kann uns ebenso ein Hafen des Lebens sein: Hoffnung wecken, Sehnsucht stärken, den Horizont weiten, verbinden und öffnen… Der Weg ist bereitet.

O Sproß aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker –
vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker:
o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!
(O-Antiphon am 19. Dezember)

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O Adonai… (22. Tag)

Die Wüste gilt gemeinhin als Ort der Begegnung mit Gott: Johanes hat hier gepredigt und getauft, Jesus selbst hat sich in die Wüste zurückgezogen, hier liegen auch die Wurzeln des christlichen Mönchtums. Und schließlich hatte ja auch das Volk Israel in der Wüste einige seiner wichtigsten Erfahrungen mit seinem Gott – der brennende Dornbusch, die Zehn Gebote, die lange Wüstenwanderung bis ins Gelobte Land…

In der Wüste Juda (Foto: Studienjahr). Die Wüste als Ort der Begegnung mit Gott. – Das liegt wohl auch an der Nüchternheit der Natur, an der Stille und einer gewissen Leere. Es herrschen mitunter extreme Bedingungen, lebensfeindlich. Wer hier sein will, braucht Disziplin und Organisation, Einschränkung und Maß.

Soweit die Theorie… – Als ich vor einigen Jahren an der „Sinai-Exkursion“ unseres Studienjahres teilgenommen habe, ging mir aber noch eine weitere Dimension auf, warum die Wüste der Ort der Begegnung mit Gott ist.
Wir hatten beim Aufstieg auf den Sirbal, einen der höchsten Berge dort, schlechtes Wasser aufgenommen, so dass – auf dem Gipfel angekommen, den mancher für den echten „Gottesberg“ hält – die Hälfte der Truppe mit Magen-Darm-Beschwerden daniederlag… Doch in diesem Moment waren alle füreinander da; wer noch konnte, half den anderen, brachte ihnen (sauberes!) Wasser, schleppte den Rucksack usw.

Einer alleine wäre hilflos, womöglich rettungslos verloren gewesen. Alleine vermögen wir nichts auf den Wegen dieser Welt. Und wenn diese Wege steil und heiß und leidgefüllt sind, dann brauchen wir unseren Nächsten umso mehr. – Für unseren Nächsten da zu sein, auch das ist eine Weise, dem Herrn den Weg zu bereiten…

O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel
– im brennenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berge das Gesetz gegeben:
o komm und befreie uns mit deinem starken Arme!
(O-Antiphon am 18. Dezember)

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O Weisheit… (21. Tag)

Die Weisen dieser Welt, so nehmen wir an, haben Erfahrung, wissen um Ursachen und Herkunft, um Richtungen und Ziele, kennen Wege und können unterscheiden. Deshalb kann man zu ihnen gehen und sie um Rat fragen.

Hinweise... (Foto: Sebastian Heide). Die Antworten können dann aber durchaus so sein wie der Wegweiser auf unserem Bild: Eine Fülle von Möglichkeiten, die für mich aber nicht unbedingt wichtig und relevant sein müssen… – Unser Schildermast steht im Golan, direkt im Grenzgebiet. Die Richtungen nach Jerusalem, Damaskus und Washington zu wissen, mag ja interessant sein. Aber was hilft das, wenn die Grenze dicht oder der Weg zu weit ist? Und, bei allem Respekt, wenn ich im Golan bin, bin ich froh, weit weg vom Büro des israelischen Premierministers („P.M. Office“) zu sein.

Trotz allem: Diese Ansammlung von Richtungs- und Hinweisschildern mit ihren Entfernungsangaben gibt immerhin klare Informationen. So mag es im Zweifelsfall auch ein weiser Mann oder eine weise Frau tun, an die wir uns wenden. – Von Gott aber bekommen wir selten klare und eindeutige Antworten. Privatoffenbarungen sind rar, und die Kirche geht entsprechend vorsichtig damit um. Wie und woher also wissen wir um den Willen Gottes? Woher weiß ich, was Er mit meinem Leben vorhat, wohin Er mein Leben führen will? Ich erahne Gottes Weisheit, aber werde ich sie je ergründen?

Als Mönch habe ich ihr mein Leben gewidmet: Gott in allem zu suchen. Gott den Weg zu bereiten, bereit zu sein für Seinen, meinen Weg – das ist selbst ein Weg. Sich der Weisheit Gottes zu nähern, ist keineswegs unmöglich, denn Gottes Weisheit wird in Christus für uns Mensch.

O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten –
die Welt umspannst du von einem Ende zum andern,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!
(O-Antiphon am 17. Dezember)

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Mitten ins Leben! (20. Tag)

Hier den Weg zu bereiten für einen Promi, das muss der Alptraum für jeden Security-Beauftragten sein. Schade eigentlich, denn so kommen Staatsgäste oder VIPs allenfalls inkognito in die Jerusalemer Altstadt, wenn überhaupt. Und damit würde ihnen tatsächlich etwas entgehen.
Altstadt hinter dem Damaskustor (Foto: Sebastian Heide). Ich gebe zu, dass ich es auch nicht brauche, jeden Tag durch die Altstadt zu gehen. Aber diese Mischung aus Händlern und Einkäufern, frommen Juden im schwarzen Anzug und südamerikanischen Pilgerinnen mit Rosenkranz, japanischen Touristen und muslimischer Frauen mit Schleier und Kindern im Schlepptau… Diese Mischung gibt es so nur einmal auf der ganzen Welt: In Jerusalem.

Es mag vor 2000 Jahren ähnlich gewesen sein, vielleicht auch etwas anders. – Aber eines gilt sicher: Als Jesus in der Krippe von Bethlehem geboren wurde, in Nazareth aufwuchs, am See Genezareth lehrte und heilte und in Jerusalem litt, starb und auferstand, geschah all dies gewiss in einem sehr, sehr vergleichbaren Umfeld:
Jesu Welt war nicht aufgeräumt und geordnet, nicht sortiert (geschweige denn getrennt) nach Religionen, Sprachen und Kulturen. Die Wahrheit Jesu, Seiner Botschaft und Seines Lebens hat viel mit diesem Miteinander und natürlich auch Gegeneinander der Unterschiede zwischen den Menschen zu tun.

Denn es ging und geht Ihm um den Menschen. Er braucht keine gesperrten Straßen und kein Sicherheitspersonal auf den Dächern, keinen roten Teppich und keine Begrüßungsreden. – Er kommt. Das ist gewiss. Mitten ins Leben der Menschen. Mitten in Dein und mein Leben!

Für dieses Leben offen zu sein, dieses Leben anzunehmen als Gabe und Aufgabe – auch das bedeutet, dem Herrn die Wege zu bereiten!

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Weiter als der Horizont (19. Tag)

Ich erinnere mich noch recht gut und vor allem gerne an die Wanderung, bei der unser heutiges Foto entstanden ist, schon vor einigen Jahren. Wir waren im Golan unterwegs, nicht im bekannteren und daher oft auch ziemlich vollen Wadi Yehudiya, sondern in einem seiner Nachbartäler.

Im Golan (Foto: privat). Das hat zwar nicht die schönen natürlichen Pools, in die man von den Felsen springen und dann durchschwimmen muss, um seinen Weg fortsetzen zu können. Von der Atmosphäre her aber fand ich diese Wanderung sehr viel dichter. Das mag auch daran gelegen haben, dass wir eben fast alleine unterwegs waren, fern ab der Zivilisation. Zumindest sah und hört man davon recht wenig.
Unser Weg führte uns über solche einfachen Feldwege wie auf dem Bild, wir mussten Felsen hoch- und runtersteigen, ab und zu auch durchs Wasser waten. Wir gingen durch Wälder (besser „Wäldchen“) und Täler und wir durchquerten Hochebenen mit erstaunlich hohem Gras.

Warum ich dieses Bild heute hier teile? – Ich glaube, ich habe mir seinerzeit bei dieser Wanderung, in dieser Landschaft so manches aus der Seele gelaufen. Und – wichtiger noch: Ich habe meinen Hoffnungs- und Sehnsuchtstank gewissermaßen neu füllen können. Wie sehr, merke ich, da ich diese Zeilen schreibe und mich an diesen Tag erinnere…

Wege zu bereiten, zumal Wege für den Herrn zu bereiten, das ist keine theoretische, keine fleisch- und seelenlose Angelegenheit: So wie Er Mensch wird, unser Fleisch annimmt, so will Er auch uns in unserer ganzen Existenz annehmen und uns auf unseren Wegen treffen. Dazu gehören auch ganz konkrete Erfahrungen, ganz konkrete Menschen, die uns wichtig und wertvoll sind.

In den Tagen vor dem Fest der Menschwerdung des Herrn ist es daher gut, sich an diese Erfahrungen und an diese Menschen zu erinnern. Denn sie helfen uns Mensch zu werden…

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Einer, der Gott sucht (18. Tag)

Der Schritt durch eine offene Tür kann schon der Beginn eines neuen Weges sein. Das mag ganz unauffällig und normal wirken, fast unbewusst geschehen. Aber es kann auch ein sehr bewusst getaner Schritt sein, mit Freude und Hoffnung oder Trauer und Schmerz.

Erkundungen (Fotot: Johannes M. Oravecz OSB). In jedem Fall aber braucht es Mut und Hoffnung, Kreativität und Neugier. Mal etwas mehr von dem einen, mal von dem andern. Dabei ist die Neugier vielleicht die spannendste Triebfeder.
Neugier kann natürlich auch gefährlich oder fragwürdig sein, wenn wir die Nase in Dinge stecken, die uns nichts angehen. Doch ohne unsere Ahnung, dass es jenseits der nächsten Ecke noch etwas geben könnte, was für uns von Bedeutung ist, wäre die Geschichte der Welt und der Menschen natürlich auch in positiver Sichtweise ganz anders verlaufen.

Solche offenen Türen gibt es auch in unserem geistlichen Leben. Die Kirche bietet uns in ihrer Verkündigung solche Türen an, wo es um Schnittstellen im Leben. Doch wer mit offenen Augen und Ohren, mit offenem Herzen seine Wege geht, wird immer wieder vor solchen Türen stehen: Die Fragen nach dem Leben und seinem Sinn, die Beobachtung des Schönen, das Geschenk der Liebe und die Trauer über ihr Fehlen…

Wir sind als Menschen nicht dazu geschaffen, einfach nur bei uns zu bleiben. Weil auch Gott nicht bei sich geblieben ist, sondern wie durch eine offene Tür in unsere Welt und unser Leben eintritt.
Mein Mitbruder auf unserem heutigen Foto braucht wohl weniger Mut, um durch diesen Torbogen zu gehen. Neugier, im guten Sinne, legt er gewiss an den Tag, um die die Ruine zu erkunden. – Tun wir es ihm gleich und suchen nach dem Herrn und Seinen Spuren in der Welt und in unserem Leben und bereiten ihm so den Weg.

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