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Das Grab ist leer

Der letzte Tag der Osteroktav erscheint mir als angemessen um hier endlich von der Osterzeit im Beit Joseph, in der Dormitio und generell in Jerusalem zu berichten. Dabei muss man wohl sehen, dass ich die meiste Zeit tatsächlich in der Dormitio verbracht habe - andere Menschen hätten vielleicht mehr von dem zu erzählen, was in den verschiedenen Kirchen Jerusalems so passiert ist. Aber ich muss zu meiner Verteidigung auch sagen, dass gerade die Kar- und Ostertage bei den Benediktinern einfach nur wunderschön waren. Die Segnung der Palmzweige vor der Dormitio

Wir begannen die Heilige Woche mit dem Palmsonntagsgottesdienst. Die feierliche Messe wurde eröffnet mit der Segnung der Palmzweige, die ganze Abtei war geschmückt und viele Pilger waren gekommen um diesen Tag auf dem Zion zu begehen. Viele von uns machten sich im Anschluss daran auf den Weg zum Ölberg - dort fand nämlich die große Palmsonntagsprozession statt. Man geht also den Weg nach, den auch Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem beschritten haben soll. Die Palmsonntagsprozession vom Ölberg herab

Dann begann auch schon sehr bald das Triduum Paschale: Mit Trauermetten, einem Gründonnerstagsgottesdienst, der Karfreitagsliturgie, der großen Stille am Karsamstag, die mündete in der sehr langen und wunderschönen Osternacht. Ich habe diese Tage sehr intensiv miterlebt und gerade im Mitfeiern der Karwoche noch einmal den großen Bogen gespürt, der sich hinspannt bis zum Osterfest, welches den Höhepunkt unseres christlichen Glaubens und aller Liturgie bildet.
Am Ostersonntag dann genossen wir ein großes Frühstück, brachen gemeinsam das Fasten mit einem Bierchen und vielen Gotteslobliedern, bevor es dann mit einem großen Hochamt und einem österlichen Mittagessen weiterging. Und wer dann noch nicht genug hatte von Ostern, der machte sich am Ostermontag auf den Weg nach Emmaus. Beziehungsweise zu einem der vielen "Emmäuse", denn es gibt da ja durchaus mehrere Orte, die es für sich beanspruchen das "wahre Emmaus" zu sein.... Die Osternacht in der Dormitio

Und mit dem Ende der Osteroktav ist auch das Ende des Studienjahrs gekommen. Das erscheint alles noch sehr unwirklich und wird doch immer realer. Ich könnte jetzt an dieser Stelle in große Emotionalitäten verfallen, aber das unterlasse ich lieber. Nur so viel: Es war eine unglaubliche, unbeschreibliche und unvergessliche Zeit.
Wie es die Wise Guys singen "Manchem schweren Abschied folgt ein herzlicher Empfang": Auf einen solchen Empfang dürfen wir uns wohl alle in Deutschland freuen, wenn wir Familie und Freunde nach acht Monaten wieder in die Arme schließen werden.
Am Ende meines letzten Blogeintrags sei ein herzlicher Dank allen Lesern gesagt - fürs Mitverfolgen, Mitlesen und Miterleben! Der größte Dank aber geht an das 39 Theologische Studienjahr, die Studienleitung und die Mönche der Dormitio, die diese Zeit so einmalig haben werden lassen wie sie es eben war. Vergelt's Gott!

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Mit Rüstung und Schwert

Unsere dritte und letzte Exkursion führte uns auf die Spuren der Kreuzfahrer - deswegen zogen wir in der vergangenen Woche in Tabgha wieder in unsere bewährten Gruppenzimmer im Beit Noah, schwammen im Pool, sprangen in den See, setzten uns zwischen Klippdachse, Da die Verfasserin dieses Artikel bekennender Klippdachs-Fan ist, gibt es hier auch ein exklusives Klippdachs-Foto feierten Abendandachten in Dalmanutha, liefen durch blühende Wiesen, grillten und machten Lagerfeuer, sangen bunt gemischtes Liedgut und waren leicht genervt vom nicht funktionierendem Internet, das uns unseren neuen Papst verwehren wollte: Wir hörten nur "Hab" und dann fiel das "emus Papam + Name" leider einer hängenden Internetverbindung zum Opfer. Nichtsdestotrotz: Wir hatten eine wunderschöne Zeit am See Genezareth und zusätzlich haben wir noch einen neuen Papst. Sonnenaufgang am See Genezareth - von Dalmanutha I aus gesehen

Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns jeden Morgen mit dem Bus auf den Weg zu archäologischen Stätten in Galiläa, die wir bei unserer letzten Exkursion noch nicht gesehen hatten: viele Festungen der Kreuzfahrer standen auf dem Plan. Und wenn man Belvoir, Apollonia, Montfort u.a. gesehen hat, dann kommt doch in eigentlich jedem das kleine Kind wieder hoch und man gedenkt der Zeit, in der man als Ritter verkleidet durch das Paradies der Kindheit zog... Die Schlacht von Hattin So konnten wir es uns natürlich auch nicht nehmen lassen an den Hörnern von Hattin die große Schlacht "Saladin gegen Raimund" nachzuspielen. Gleich wenn bei uns niemand sein Leben lassen musste, so gab es doch einige blaue Flecken. Studienjahr und akademisches Arbeiten fordern eben Opfer!

Neben den Kreuzfahrern hatten unsere Assistenten aber auch einige Überraschungen für uns parat: So fuhren wir zum Beispiel zu einer eigentlich recht touristischen Attraktion, den Grotten von Rosh HaNiqra. Mit einer Seilbahn geht es dort einen weißen Kreidefelsen hinunter direkt ans Mittelmeer. Dieses hat den Felsen über die Jahrhunderte hinweg ausgehöhlt, so dass Grotten entstanden sind, in die das Meerwasser hineinfällt und in wunderschönen Farben glitzert. Die Überreste von Apollonia liegen direkt am Mittelmeer Auch durften wir Bötchen fahren in der Helena-Zisterne - für Spaß und Abwechslung wird auf unseren Exkursionen wirklich immer gesorgt!

Der letzte Tag führte uns nach Akko, und ich denke, es gab niemanden, den diese Stadt nicht begeistert hat. Dankenswerter Weise hatte man uns einige Freizeit gewährt, die dazu genutzt wurde, um durch den arabischen Suq zu streifen, arabische Köstlichkeiten zu verzehren, auf der alten Stadtmauer direkt am Meer herumzuklettern oder mit einem Boot über das Mittelmeer zu düsen, bevor wir dann gemeinsam die beeindruckende Zitadelle besichtigten. Das 39. Studienjahr in der Zitadelle von Akko
Und zum Schluss noch eine persönliche Anekdote, die mich mit Akko verbindet: wenn man eine leere Keksschachtel in der Handtasche hat und diese dann wegwirft, so sollte man sich vorher vergewissern, dass man seine Brille nicht vorher in ebendiese leere Keksschachtel gelegt hat. Sonst könnte es passieren, dass die gute Brille nun in einer Mülltonne in Akko ihr Lebensende findet und der Inhaber der Brille als Blindschleiche durchs Leben zieht.
Nun sind wir wieder in Jerusalem und die letzten Vorlesungen des Studienjahrs haben begonnen. Und was wir vorher immer verdrängt haben, nämlich den Abschied aus dieser Stadt, das rückt mit dem aufkommenden Osterfest auch unweigerlich in den Blick...

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Ostern naht...

Hier in Tabgha haben wir gestern mit den ersten Vorbereitungen für Ostern begonnen. Dazu haben wir Palmen gesäubert und Palmzweige geschnitten. Sämtliche Palmzweige werden in diesen Tagen nach Jerusalem gebracht, einige behalten wir selbst. Die Palmschneide-Aktion meisten Zweige mussten die Palmen vor der Volontärs-Wohnung und die Palmen vor der Kirche lassen. Grade vor der Kirche war es spannend, die Palmen zu schneiden, denn einige Touristen schienen sich mehr für uns als für die Kirche zu interessieren. Heute morgen mussten wir sogar einige Leute davon abhalten, unsere zurechtgeschnittenen Zweige zu entwenden.
Des Weiteren haben wir über 250 Olivenzweige geschnitten, die ebenfalls für Ostern bzw. den Palmsonntag gebraucht werden.
Doch nicht nur besagte vier Palmen und einige Olivenbäume wurden geschnitten. Nein, alles wurde geschnitten! Vor zwei Wochen war hier eine professionelle Baumschneide-Firma, die an nur einem Vormittag alle Bäume und Palmen bis auf die Stämme zurückgeschnitten hat. Die Begegnungsstätte sieht so riesig aus und auch etwas leer ohne das vertraute Blätterdach. Wir sind uns allerdings sicher, dass in einigen Wochen die Bäume wieder neu austreiben werden.
Die Tonnen an Ästen, die wir zu beseitigen hatten, wurden in der letzten Woche gehäckselt und Da liegen sie - die schattenspendenden Zweige nun auf sämtliche Beete verteilt, sodass alles neu und frisch aussieht - außerdem riechen die frischen Holzspäne fantastisch.
Die vielen Gruppen, die jetzt endlich wieder zu Gast sind, scheinen sich bisher nicht am fehlenden Schatten zu stören, sodern genießen die ersten richtig warmen Sonnenstrahlen in vollen Zügen. Klar, bisher sind auch nur Gäste aus dem verschneiten Deutschland hier.

Nächste Woche gehen die Ostervorbereitungen weiter und der Ostergottesdienst - so viel kann man schon verraten- wird zum ersten Mal in diesem Jahr wieder im Freien an Dalmanutha stattfinden.

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Noch so eine Art Fasching...

Vorne, am Pult der Synagoge, stand eine alte Hexe und in der Reihe vor mir saß der Teufel mit roter Mütze und zwei Hörnern. Wer das Fest Purim kennt, wundert sich darüber nicht. Es ist zwar schon wieder eine Weile her, war aber eindrücklich genug, dass man darüber hier nochmal ein paar Worte verlieren kann.

Das schöne an den jüdischen Feiertagen, die wie bisher erlebt haben, ist, dass sie nicht still und heimlich hinter verschlossenen Türen stattfinden, sondern das gesamte Bild der Stadt prägen. Am Abend des Purimfestes jedenfalls wirkte die Jaffastraße in der Jerusalemer Neustadt wie eine Mischung aus Karnevalsumzug und Silvesterparty. In der Fußgängerzone liefen die Menschen als Piraten, Müslischachteln oder Feen verkleidet umher. Es gab laute Böller und Tanzmusik, leere Bierflaschen und torkelnde Jugendliche, so dass die Straßenbahnen Mühe hatten, sich hupend ihren Weg durch die feiernde Menge zu bahnen. Und eine Gruppe Studienjährler war auch dabei, teils mehr, teils weniger kreativ kostümiert.

Die Menschen feiern in der Jerusalemer Neustadt.

Zunächst aber ging es in den Gottesdienst. In der Synagoge wird am Purimfest die Esther-Rolle gelesen. Darin wird beschrieben, wie der persische Beamte Haman versucht, die Juden zu ermorden. Ihm gelingt es nicht, Esther verhindert die Tat. Deshalb ist Purim ein freudiges Fest, alle verkleiden sich. Und wann immer der Name „Haman“ während der Lesung ertönt, fangen die Synagogenbesucher an, Lärm zu machen – mit Rasseln, Tröten, Fußstampfen und Klopfen. Die Kleinkinder und wir Gäste hatten daran besonders Spaß. Nach dem (sehr kurzweiligen!) Gottesdienst gab es in „unserer“ Synagoge ein kaltes Buffet mit „Haman(bumbumbum!)taschen“, einem mit Mohn gefüllten Teiggebäck. Auf der Straße dann Bier und Wein, das gehört an Purim auch dazu.

Und alle waren verkleidet...

An dieser Stelle noch ein Lob an den anonymen Studienjährler, der am längsten in der Stadt unterwegs war (sehr hübsch verkleidet mit rosa Schmetterlingsflügeln), deshalb kaum geschlafen hat und am nächsten Morgen trotzdem sehr eifrig die Diskussion in der „Urgeschichte“-Vorlesung vorangebracht hat. Der Tag nach Purim war für uns nämlich ein bisschen wie Aschermittwoch. Der Ernst des Lebens ging gleich am Morgen weiter. In der kommenden Woche sind wir dann auf Kreuzfahrerexkursion in Galiläa und langsam, ganz langsam fangen wir an, uns genau zu überlegen, was wir noch alles vorhaben, ehe allmählich der Studienjahrsendspurt beginnt...

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Das Zwischenseminar

Letzte Woche ging es rund auf der Begegnungsstätte, denn hier fand das Zwischenseminar des DVHL statt. Es waren also alle Volontäre des Vereins aus ganz Israel zu Gast. Wir "Tabghanesen" nahmen ebenfalls an diesem Seminar teil. Für uns war es eine ganz neue Erfahrung sowohl Teil einer Gruppe zu sein, als auch die Verantwortung für diese Gruppe zu tragen.
Unseren Gästen gefiel es hier jedenfalls sehr gut. Für sie war es der perfekte Platz zum Reflektieren, wie die letzten sechs Monate gelaufen sind und was in den nächsten sechs Monaten noch alles ansteht.
Nach einigen Tagen der Reflexion wurde dann das Thema des Nahost-Konflikts angesprochen und die politische Situation des Landes diskutiert. Wir bekamen sogar eine "Greenline-Tour" und fuhren an der offiziellen und in offiziellen Grenze zwischen Israel und der Westbank entlang. Es war sehr beeindruckend Die Greenline geht direkt durch Umm el Fahm direkt auf der "Greenline" zu stehen. Dieser Tag brachte uns alle zum Nachdenken.
Das Seminar endete mit einer Fahrt nach "Kfar Tikva." Das ist ein Dorf für Menschen mit Behinderung, die zu unseren Stammgästen auf der Begegnungsstätte gehören. Im "Kfar" arbeiten ebenfalls Volontäre des DVHL, die uns ihre Einrichtung zeigten.

Außerhalb des Seminars kann man von den Fortschritten in unserem "Beet" berichten. Die ersten Persiflora- Büsche sind gepflanzt. Wir hoffen, dass sie Wurzeln schlagen und bald zu einem dichten Blätterdach Fortschritte im Beet werden. Die Pflanzen standen ursprünglich hinter dem alten Kloster, das in der letzten Woche abgerissen wurde.

Seit gestern sind wieder neue Gruppen auf der Begegnungsstätte und so gehen die Begegnungen in Tabgha weiter...

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Kölle Alaaf un so

Leev Fastelovendsjecke,
(das war Kölsch und heißt soviel wie: Liebe Freunde des gepflegten traditionsreichen rheinischen Karnevals) kann man sich als Nicht-Rheinländer den Schmerz vorstellen, den ich zur Zeit erleiden muss? Heute ist Rosenmontag. Doch anstelle in Kölle nach Kamelle und Bützjer zu verlangen, saß ich heute in der absoluten karnevalistischen Diaspora und lernte etwas über Psalmen und theologische Gedichte. Ja, das Studienjahr fordert Opfer.

Meine Studienjahrskollegen haben allerdings Mitleid mit mir. So durfte unser Weihnachtsbaum zum Karnevalsbaum umfunktioniert werden. Ein echter Karnevalsbaum! Unserem Schweizer durfte ich an Weiberfastnacht die Krawatte abschneiden und Herr Lehnert ließ es zu, dass ich um 11:11 Uhr Viva Colonia spielte. Man versucht, mir die Zeiten des Schmerzes und des Verlustes so angenehm wie möglich zu gestalten. Gestern Abend gab es dann auch eine Karnevalsfeier mit geballter Studienjahrskreativität - und ob man es glaubt oder nicht, da kommt doch einiges zusammen: Spülteam-Musik, Männerballett, Andis musikalischer und genialer Beitrag, Reisetagebuchlesungen, ein Sketch und und und. Am Schluss wurde bis in die Puppen getanzt - am Rosenmontag, also heute, morgen dann auch wieder gearbeitet. Aber meine Mutter hat es mir ja beigebracht: "Wer feiern kann, der kann auch arbeiten." Nur vom Rosenmontag war in dieser Weisheit nie die Rede...

Wenn ich nicht auf der Bühne wär, was wäre ich wohl dann? Wer sich übrigens fragt, warum meine Wenigkeit (2. von links auf dem Bilde) auf einem Tisch sitzt und nicht steht wie der Rest: Es begab sich vor gut vier Wochen, da versank Jerusalem für wenige Stunden im totalen Schnee. Am Nachmittag ebendieses Tages schrieb ich noch einen Blogeintrag und schwärmte von der weißen Pracht. Wenige Stunden später machte ich mich mit meinem Blogschreibekollegen auf den Weg in die Neustadt - unsere Flucht vor der Beit Joseph'schen Käseplatte zum Abendbrot wurde bestraft, indem ich ausrutschte und mir den Knöchel gebrochen habe. Also krücke ich jetzt seit über einem Monat durch das Haus und werde ab und an einmal in einem Rollstuhl, der vermutlich schon den Unabhängigkeitskrieg miterlebt hat, durch die Stadt ausgefahren. Das erklärt auch, warum ich die letzten Wochen nichts geschrieben habe: Ich habe faktisch nicht sonderlich viel erlebt.
Zwei Rheinländerinnen wissen: Wo mir sin, do es Kölle! Dafür kann ich aber jedem, den es interessiert, die genaue Treppenstufenanzahl der einzelnen Treppenabschnitte im Beit Joseph mitteilen, auch, wie viele Hopser man von der Orgel bis zum Ambo braucht, ist mir geläufig: Denn den Antwortpsalm darf ich auch mit Krücken weiterhin singen. Schließlich will ich den Mönchen nicht den Spaß nehmen, herzhaft "mit mir zu lachen", wenn da vorne ein weißes Knäuel mit blauen Krücken durch den Altarraum springt...
Ävver der Kölsche weiß: Do mäht ma nix. Et is noch immer jot jejange. (Übersetzung: Doch der Kölner weiß: Wir können die aktuelle Situation nicht ändern. Letzten Endes hat sich immer noch alles zum Guten gewendet).

In diesem Sinne: Dreimol vun Hätze KÖLLE ALAAF !!
Und auch was man sonst so ruft. Ich bin da nicht mehr so. Habe hier schließlich ökumenischen Karneval par excellence!

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Ende und Anfang

Nach den vielen vielen Wochen des "General Cleaning" ist das Ende nun in greifbarer Nähe. Das "Beit Noah" wird in diesen Tagen noch einmal gründlich geputzt und repariert, wo etwas kaputt gegangen ist.
Auch die riesige Gartenanlage wird von uns Volontären wieder auf Vordermann gebracht. Nach den Regentagen im Januar sprießen hier überall Unkraut und Dornenpflanzen. Diese gilt es zu beseitigen, sei es durch jäten oder vergiften. Ebenso müssen die Palmen geschnitten werden, deren Zweige enorm gewachsen und verwelkt sind.
Grade der Garten nimmt momentan viel Zeit in Anspruch.

Um uns eine Pause zu gönnen, etwas zu erleben und auf andere Gedanken zu kommen, nahmen wir Volontäre uns eine Woche Urlaub. Gemeinsam fuhren wir nach Eilat und am nächsten Tag weiter nach Jordanien. Dort waren wir zwei Tage im Wadi Rum mit Beduinen unterwegs. Die Wüste mit ihren vielen Gesichtern hat uns alle sehr beeindruckt. Weiter ging es nach Petra und anschließend nach Amman.
Wir machten die schöne Erfahrung, dass die Jordanier alle unglaublich gastfreundlich sind. Wir Volos im Wadi Rum Sie haben uns mit offenen Armen empfangen und uns geholfen, wo sie nur konnten. Glücklich und mit neuen Eindrücken erfüllt kamen wir am Sonntagnachmittag wieder in Tabgha an.

Hier wird sich in den nächsten Tagen vieles verändern, denn das ruhige einsame Tabgha wird bald wieder verschwinden. Gegen Ende dieser Woche erwarten wir die ersten Gäste für dieses Jahr und das bedeutet: es kommt wieder Leben auf die Begegnungsstätte - endlich!
Bis hier wieder alles ausgebucht ist, vergeht zwar noch die eine oder andere Woche, aber Hauptsache ist, dass wieder neue tolle Begegnungen stattfinden können und das geht auch mit wenigen Leuten.

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Entlang der Mauer

Mir tut der Hals immer noch ein bisschen weh. Mit dem Schnee- und Sturmchaos Anfang des Jahres war im Beit Joseph der Erkältungsnotstand ausgerufen worden. Wir dealten am Frühstückstisch mit Halstabletten und homöopathischen Tropfen aus der Bundesrepublik, ließen uns das Mittagessen ans Bett servieren und tranken Tee mit den Zitronen, die der Sturm vom Baum im Garten geweht hatte.

Nachdem also die Reihen im Studiensaal einige Zeit merklich ausgedünnt waren, sind die meisten inzwischen wieder zu alten Kräften gelangt und konnten die vergangenen Tage genießen – jede Menge Vorlesungen und Exkursionen mit unseren muslimischen Gästen, die drei Wochen lang mit uns gelebt und studiert haben. Unglaublich: Zwei Vorlesungen sind seit den Ferien bereits wieder vorbei; wir haben über die Ewigkeit der Welt diskutiert und die Darstellung Mariens in Bibel und Koran miteinander vergleichen.

Für mich ein Höhepunkt: die Tour mit Tamar Avraham entlang der Mauer, die viele Palästinenser und Israelis voneinander trennt. Tamar zeigt uns den Verlauf der Mauer.
Der Konflikt, über den man so abstrakt diskutieren kann, wird erschreckend anschaulich, wenn man vor mehreren Metern Beton steht oder sieht, wie Menschen ihr Haus nur noch zur Vordertür verlassen können, weil auf der anderen Seite die Mauer aufragt. Doch schon der Name ist schwierig. Die Sicherheitsmauer? Die Apartheidsmauer? Das Trennungshindernis?
Unser Weg führte uns auch durch die Siedlung Ma’ale Adumim, die östlich von Jerusalem liegt und so groß wie eine kleine Stadt ist. Von ihr ist zur Zeit oft die Rede, da die israelische Regierung jüngst angekündigt hat, das Gebiet zwischen Jerusalem und Ma’ale Adumim zu bebauen. Dieses Gelände ist das berühmt berüchtigte „E1“, bestehend aus leeren Hügeln und einer sechsspurigen Straße, die zu einer Polizeistation im Nichts führt. Entstünde hier eine israelische Siedlung, wäre die Verbindung zwischen Ostjerusalem und der Westbank gekappt – für viele bedeutete das den Todesstoß für eine Zwei-Staaten-Lösung. Das E1-Gebiet
Es hatte etwas gespenstisches, wie wir nach einem langen Tag auf diesen menschenverlassenen Hügeln standen, die ein derartiges Politikum sind, dass sämtliche Staatschefs über sie reden.
Strand von Tel Aviv Solche Exkursionen sind immer wie Puzzlestücke. Sie zeigen nur einen Teil, eine Perspektive, einen bestimmten Blick auf das Land, in dem wir nun schon seit fünf Monaten leben dürfen.
Deshalb war ich froh, dass wir am Tag darauf wieder einen völlig anderen Blick genießen konnten und nach einer Führung durch die Stadt am Strand von Tel Aviv lagen. Wer mutig war, traute sich sogar ins Wasser. Nicht schlecht für Ende Januar.

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Jerusalem, ein Wintermärchen

In den vergangenen Tagen zogen wir morgens unsere Taucheranzüge an. Denn es regnete. Und stürmte. Viel. Richtig viel. So viel, dass man nur dann die Nase nach draußen hielt, wenn es gar nicht anders ging - zum Beispiel um zu den Stundengebeten zu gelangen. Und selbst der Weg vom Hausausgang bis zum Tunneleingang (etwa 3,50 m Strecke) reichte aus, um durchweicht zu werden. Unser Zitronenbaum, Treffpunkt etlicher Studienjahre und beliebtes erstes-Gruppenfoto-Motiv, musste dran glauben, ihn riss der Sturm einfach um. Außerdem stand der Tunnel stets unter Wasser. Genau wie die Kirche. Hätten wir ein knallrotes Gummiboot zur Verfügung gehabt, es wäre sicherlich zum Einsatz gekommen. verschneites Studienjahrsschild

Gestern Abend dann der Wetterumschwung: Der Sturm ließ nach und aus dem Regen wurde eine Graupelschauer. Später kam der Schnee. Zumindest konnte man so tun, als ob der weiße Flaum, der langsam vom Himmel viel, in einem näheren Verwandtschaftsverhältnis mit dem deutschen Schnee stehe. Heute morgen schaute ich aus meinem Fenster und traute meinen Augen wirklich nicht: Eine weiße Schneedecke zog sich von meinem Balkon aus bis an das Ende vom Horizont. Die Mauer war eingeschneit. Alles war weiß und friedlich, viel ruhiger als es selbst am Schabbat der Fall ist. weiße Decke auf der Kuppel des Felsendoms

Was kann man da viele Worte drüber verlieren? Es sieht traumhaft schön aus. Ich habe mich noch vor Vorlesungsbeginn auf einen Spaziergang durch die Stadt aufgemacht und die Stille der Stadt genossen. Die Menschen sind plötzlich so freundlich geworden! Jeder grüßt, lächelt, winkt, wirft mit Schneebällen - von diesem Kinderspiel sind selbst altehrwürdige orthodoxe Juden nicht ausgenommen, die plötzlich wieder zu kleinen Jungs werden und ausgelassen in der weißen Pracht herumtoben. Zu verübeln ist es ihnen nicht. So viel Schnee wie heute hat Jerusalem seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Jerusalem liegt unter einer dicken Schneeschicht Auch wir Studienjährler griffen vor dem Ernst des Tages noch schnell zum Schneeball... Kann man es uns verübeln?

Nachteile gibt es natürlich auch. Das Dormitio-Personal konnte größtenteils nicht herkommen, das Land kann mit dem Schnee einfach nicht umgehen. Vermutlich gibt es für ganz Jerusalem 1,5 Schneeräumer. Und 3,7 Schneeschippen. Überall liegen umgefallene Bäume und abgeknickte Äste. Auch unser Garten gleicht in manchen Ecken eher einem Kriegsschauplatz als der Wintermärchenlandschaft. Schneeballschlacht vor Vorlesungsbeginn Doch auf "unsere" Mönche ist Verlass: Schon früh morgens tauchten sie zu einer Garteninspektion bei uns auf (denn ein Baum war umgekippt, hatte eine Stromleitung mit sich heruntergezogen und den Gartenausgang versperrt), da die Küche nicht besetzt war stellte sich kurzfristig Pater Jonas an den Herd und Pater Matthias nahm sich des Speisesaals an - allerdings erst, nachdem er einen Schneemann gebaut hat. Es wird sich so lieb um uns gekümmert, dass wir wirklich keinen Grund zur Beschwerde haben und uns eher fragen, womit wir so eine liebe Umsorgung wohl verdient haben. Ich wickelte mich also in eine Wolldecke, setzte mich in den Vorlesungsraum und lauschte den Ausführungen zur Koranexegese. Und draußen fallen die Flocken, leicht wie Flaum... monastische Garteninspektion

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Und es geht schon wieder los

Ferien können richtig anstrengend sein. Schön, aber anstrengend. So ähnlich klang das Fazit der allermeisten gestern beim Abendessen – unserem letzten Ferienessen, ehe heute Morgen die Vorlesungen wieder begonnen haben.
Warum anstrengend? Das Beit Joseph hatte zwischen den Jahren Zuwachs bekommen: Geschwister, Eltern und Freunde waren da und viele von uns wurden zu Tourguides, die mit den Erkenntnissen der vergangenen Monate das Programm für wenige Tage füllten. So konnten wir präsentieren, was wir bei Küchler und Co. über Mauern, Geschichte und Steine gelernt hatten – und natürlich auch, wo es die besten Schokocroissants, das erschwinglichste Goldstar-Bier und die T-Shirts mit den lustigsten Aufdrucken gibt. Manch einer war also rund um die Uhr unterwegs – inklusive Kurztrips quer durchs Land oder sogar bis nach Jordanien.

Und dann gab es ja schon wieder ein Fest zu feiern. Am Silvesterabend hat unser Studienraum einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt und wurde zum Ballsaal umfunktioniert. An dem Abend war es schwer zu glauben, dass wir in denselben vier Wänden noch vor wenigen Tagen über antikes Judentum diskutiert hatten.
Buffet am Silvesterabend Nun also Silvesterball. Auch mit vielen Gästen, mit Buffet und Musik, dank einem Tanzkurs von Andi auch mit Walzer, Chacha und Co - passenderweise hatten wir unter den Gästen auch einen DJ. Gegen 0 Uhr ertönte zwar etwas Feuerwerk in der Stadt, aber so richtig schert sich Jerusalem nicht um Silvester. Mitternacht begingen wir mit tönendem „Te Deum“ in der Dormitio (mit Glockengeläut natürlich!) und anschließendem Sektempfang vor der Kirche, bevor es zurück ins Beit Joseph zum Weiterfeiern ging.
Sektempfang vor der Kirche Und seit heute wird dort, wo es an Silvester nach Wein roch und Walzertakte erklangen, wieder weiter gelernt. Die christlich-islamischen Werkwochen haben begonnen, das heißt für uns: Wir studieren und leben jetzt drei Wochen lang zusammen mit Studenten und Promovenden der Islamischen Theologie. Ab jetzt also auch große Ökumene im Studienjahr!
Es herrscht wieder Alltag im Studiensaal. Heute haben wir mit einer Einführung in die komparative Theologie begonnen, morgen folgt Kant. Und auch die so vertrauten grünen Stundenplanzettel hängen endlich wieder an unserer Beit-Joseph-Pinnwand. Ein Höhepunkt in dieser Woche: Für Mittwoch und Donnerstag steht eine Exkursion in den Negev auf dem Programm.

Die nächsten Wochen werden also wahrscheinlich ganz ähnlich wie immer. Schön, aber anstrengend.

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