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Evangelisch? Katholisch? Ökumenisch!

Wir sind ein theologisches Studienjahr, ein wissenschaftliches Studienjahr, ein deutschsprachiges Studienjahr, ein durch den Sinai wanderndes und die Jerusalemer Altstadt erkundendes Studienjahr, ein Zitronenschnittchen bevorzugendes Studienjahr, ein singendes Studienjahr, ein diskutierendes Studienjahr, ein witziges und viel lachendes Studienjahr, ein betendes Studienjahr, ein tanzendes Studienjahr, ein Sierra-madre liebendes Studienjahr, ...
Wir sind ein ökumenisches Studienjahr. Bums. Da ist es, dieses Wort. Ökumene. Immer wieder begegnet es uns, immer wieder müssen wir uns fragen: was ist das eigentlich - Ökumene? Schnell stand fest, was es nicht bedeuten kann: Die wir-haben-uns-alle-ganz-arg-lieb-und-vergessen-einfach-was-war Mentalität, eine ist-doch-egal-wir-glauben-doch-eh-alle-das-gleiche Einstellung und die wenn-wir-nur-zusammen-Eucharistie-und-Abendmahl-feiern-ist-alles-gut Ansicht. Stattdessen bemühen wir uns immer wieder, uns gegenseitig kennenzulernen, um Ökumene leben zu können, die in einem sich gegenseitig anerkennenden und respektierenden Dialog besteht - dessen Ziel nun was ist? Wenn wir das nur wüssten. Als Theologiestudierende müssen wir uns nun einmal auch mit den Dingen auseinandersetzen, die anderswo als theologische Spitzfindigkeiten bezeichnet werde. Darum kommen wir nicht herum.
Abendmahl und Fußwaschug... Mit Frau Prof. Nüssel und Frau Prof. Sattler beschäftigten wir uns im letzten Vorlesungsblock ausführlich mit Abendmahl und Eucharistie und den Chancen für eine gemeinsame Tischgemeinschaft. Dieser Dialog muss dringend weitergeführt werden.

Die letzten zwei Tage hatten wir zwei von uns Studenten selbstorganisierte Studientage.
Könnte das mit der Ökumene nicht einfacher sein? Ist nicht eine Seite sturer als die andere? Warum halten die Katholiken so am Papst, die Protestanten so an Luther fest? Was ist eigentlich unser kirchliches Selbstverständnis? Und was hat das eigentlich mit der Heiligenverehrung auf sich? Ist ein Gottesdienst ohne Predigt unvollständig? Fragen über Fragen. Während die Protestanten den Mittwoch mit der allseits bekannten Fernsehsendung "Pro TV - die Sendung mit dem Schwan" gestalteten, in der Fragen rund um die evangelischen Kirche auf mitunter höchst kreative Weise beantwortet wurden, eröffneten die Katholiken am Donnerstag, dem 50-jährigen Jahrestag der Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils, das I. Ökumenische Konzil auf dem Zionsberg. Wir diskutierten, diskutierten, diskutierten. Tauschten Informationen, Vorurteile, Emotionalitäten, Unverständnisse, Ver- und Bewunderungen und Gemeinsamkeiten aus. Befinden uns in einem langen Prozess. Haben einen Ökumenischen Arbeitskreis für die Fortdauer unseres Studienjahrs gegründet. Diskutierten weiter. Ja, und das Ergebnis?
"Alle sollen eins sein" (Joh 17,21), spricht der Herr. Das ist Auftrag genug, doch für uns steht auch fest: Wir sollen nicht nur eins sein, wir wollen es auch!

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Sukkot

Mein Name ist Carolin Willimsky. Ich bin dieses Jahr (2012/13) Volontärin in Tabgha, dabei werde möglichst regelmäßig diesen Blog schreiben.

Wir, die neue Volo-­‐Generation, sind seit zwei Monaten vollständig und arbeiten auf der Begegnungsstätte, die seit unserer Ankunft fast durchgehend ausgebucht ist. Es gibt also viel zu tun. Unser bisheriger Höhepunkt war der gemeinsame Besuch einer israelischen und einer palästinensischen Gruppe.

Letzte Woche haben wir Sukkot gefeiert. Besser gesagt, wir waren eingeladen Sukkot zu feiern, denn zu diesem Zeitpunkt besuchten uns die Gruppen Kfar Tikva und Lifegate. Kfar Tikva ist ein Dorf für Menschen mit Behinderung in der Nähe von Haifa, Lifegate ist eine palästinensische Behinderteneinrichtung bei Bethlehem.
Seit einigen Jahren kommen diese beiden Gruppen gemeinsam, um bei uns auf der Begegnungsstätte Sukkot zu feiern.

Sukkot 2012 in Tabgha. Sukkot 2012 in Tabgha. Einen ganzen Tag verbrachten wir damit, die Sukka zu bauen und uns dabei besser kennenzulernen. Eine Gruppe bemalte Steine, eine andere bastelte Girlanden und eine dritte Gruppe baute die Laubhütte.
Abends aßen wir alle zusammen in der Hütte, tanzten, sangen und spielten gemeinsam. Und auch an den anderen Tagen war die Stimmung gut.
Alles schien so selbstverständlich: die gemeinsamen Mahlzeiten, das Programm mit Bastelaktionen und Sport, das gemeinsame Singen und Tanzen.

Doch hier in Israel ist es eigentlich gar nicht so selbstverständlich, dass Israelis und Palästinenser so unbeschwert miteinander umgehen und Spaß haben. Oft sind zu viele Vorurteile im Weg.
Gerade für unsere Gäste ist die Sorglosigkeit und Leichtigkeit von Tabgha wohltuend. Denn hier auf der Begegnungsstätte begegnen wir uns als Menschen und nicht als Völker.

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Von Pita und Kamelen

Mit einiger Verspätung, die nicht nur dem recht vollen Stundenplan des Studienjahrs geschuldet ist, sondern vor allem der Tatsache, dass mein Laptop auf dieser Seite keine Fotos hochladen wollte, möchte auch ich nun noch einen kleinen Bericht zum Sinai abgeben.

Zu der Landschaft, dem Sternenhimmel, den Wanderungen, der Spiritualität uvm. könnte man sicherlich noch viele Worte verlieren, auch wenn unsere Erfahrungen letztlich wohl kaum in Worte zu fassen sein werden. Unsere Sinai-Tour wäre aber kaum vorstellbar gewesen ohne die Beduinen, die uns für 10 Tage begleitet, sich um uns gekümmert, und bekocht und mit großer Gastfreundschaft und ihrer Herzlichkeit in der High Mountain Region aufgenommen haben.

"Wir werden während der ganzen Zeit von Beduinen des Gebeliya-Stammes begleitet, die in der Region um das Katharinenkloster beheimatet sind", so wurde es uns vor Abfahrt erzählt. Das wirkte beruhigend, schließlich kennen sich diese Menschen dort aus, auf der anderen Seite konnte man sich kaum etwas unter dem Begriff "Beduinen" vorstellen: Sind das nicht die Menschen, die fernab der Zivilisation wohnen, vom Rest der Welt nicht viel mitbekommen und noch so leben wie vor vielen hundert Jahren?
Ökotoilette auf beduinisch Diese Vorurteile konnten wir abbauen. "Unsere" Beduinen leben im Einklang mit der Natur, haben sich viele Traditionen und ein beeindruckendes Wissen bewahrt, das man in der Wüste zum Überleben braucht. Gleichzeitig haben sie feste Winterquartiere im St. Katharinendorf, benutzen Mobiltelefone genau wie wir und bekommen durchaus mit, was in der Welt los ist. Sie leben nicht schlechter, nicht weniger entwickelt als wir Europäer. Sie leben einfach nur anders. Und an viele Dinge kann man sich gewöhnen. Wo kein Wasser ist, da gibt es auch keine Wassertoilette. Unhygienisch? Ungewohnt! Wenn man den Tag über für die Toilettengänge das "Wadi" nutzte, sprich hinter einen Stein ging, war man am Abend glücklich, eine Ökotoilette zu haben, so dass man nachts den Beduinengarten nicht mehr verlassen musste.

Mit den knapp 10 Beduinen, die uns begleiteten, zogen auch Kamele mit, die unsere schweren Rucksäcke trugen, uns täglich mit frischem Wasser versorgten und auf denen wir ein Stück des Weges reiten durften, wenn wir selber nicht mehr laufen konnten. Kamele mit Gepäck und Mensch beladen Ein toller Anblick, wenn man die Hochebenen des Sinai vom Kamelrücken aus kennenlernt und dabei leise arabische Musik hört....

Kommunikation kann mitunter schwierig sein, wenn die eine Seite nur wenig Englisch, die andere Seite kein Arabisch spricht - aber da man ja nicht nicht kommunizieren kann (Watzlawick in Ehren), tuen es notfalls auch Hände und Füße. Dass wir uns dennoch gut verstanden haben, zeigt zum Bespiel das Fest, das wir am Abend nach unserem Wüstentag gefeiert haben: da wurden uns zu Ehren zwei Ziegen geschlachtet und in einem Sandloch zubereitet. Was auf uns zuerst leicht abstoßend wirkte, schmeckte am Ende doch sehr lecker und bescherte uns einen schönen Abend ums Lagerfeuer, bei dem die Beduinen sich auch dazu bereit erklärten einige ihrer alten Stammeslieder zum Besten zu geben. Ziege im Sand auf beduinisch Meistens gab es zum Essen aber Pita, Pita, Pita, Pita und Pita. Abends dann wahlweise Reis und Nudeln. Vor allem aber: Pita!

10 Tage mit Beduinen durch den Sinai. 10 Tage voll Freundlichkeit, voll Herzlichkeit und Gastfreundschaft. 10 Tage in deutsch-israelischen Hightechklamotten und beduinischen Schlappen. 10 Tage abends am Lagerfeuer mit der Aussage: Es gibt noch Suppe, Reis und Gemüse! 10 Tage mit beduinischer Pita zum Frühstück, zum Mittagessen und immer zwischendurch. 10 Tage in Beduinengärten, auf Kamelen, mit Sprachbarrieren und der Aufhebung dieser Barrieren durch ein Lächeln. 10 Tage helfende Hände, 10 Tage eine andere Kultur, 10 Tage Erfahrungen, die uns wohl fürs Leben geprägt haben. Und die Karawane zieht weiter....

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Dem Umzug entgegen...

Einer unsrer Mitbrüder scharrt bereits mit den Füßen... – Aber bis es wirklich soweit ist, bis dahin gibt es noch viele Arbeiten, die erledigt werden müssen.

In diesen Tagen waren Heinz Thiel vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande aus Köln und Bernd Mussinghoff als Vertreter hier im Heiligen Land bei uns hier. Sie waren zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Arbeiten.
Im und ums neue Kloster muss aber noch so manches behoben werden. Auch die Küche, die Klimatechnik und die Elektroinstallationen müssen bewerkstelligt werden in nächster Zeit. Die Mönchszellen sind soweit fertig und bereits gereinigt. Pater Zacharias hat schon begonnen, seine Bücher in sein neues Zimmer zu bringen.
Am Freitag haben wir mit den philippinischen Sisters einen feierlichen Gottesdienst an Dalmanuta II am Seeufer gefeiert zum Abschluss der Neugestaltung des Platzes. – Im November, bevor die Regenzeit beginnt, begrünen wir den Platz.

Unser guter Ibrahim, langjähriger Tabgha-Koch, tritt seinen Ruhestand an. Auch am Kiosk des Pilgerparkplatz sind die Renovierungsarbeiten voll im Gange: Das undichte Flachdach wird nun ersetzt durch ein mit Dachziegeln gedecktes Dach. Ein kleiner Sitzbereich sowie der Verkaufsraum für Eis, Getränken und Obst ist in Arbeit. Der Pächter des Kiosk ist jetzt schon ganz zufrieden und glücklich.

Unser langjähriger Koch Ibrahim hat heute seinen letzten Arbeitstag und geht in den verdienten Ruhestand. – Wir danken ihm und wünschen weiterhin ihm alles Gute und Gottes Segen.

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Der Auszug nach Ägypten

Wenn ein paar junge Pilger auf dem Gipfel des Moseberges anfangen, „Sierra Madre del Sur“ zu singen, dann haben sie entweder einen Sonnenstich oder sie gehören zum 39. Theologischen Studienjahr.

Abendandacht auf dem Moseberg.

Zehn Tage lang waren wir in der High Mountain Region im Sinai unterwegs und hatten uns bei unserer Rückkehr am Freitagabend wohl alle schon an die Tagesstruktur gewöhnt. Nach jedem Abendessen verkündete unser ägyptischer Guide Ahmed das Programm des kommenden Tages: Aufstehen mit der Sonne, dann Frühstück. Frühstück hieß Pita + X. Den Vormittag durchs Gebirge wandern, mal schweigend, mal singend, mal in Gespräche über Batman oder Romano Guardini vertieft. In der Mittagshitze einen Felsen finden, der Schatten fürs Essen spendet. Mittagessen hieß Pita + X. Dann am Nachmittag weiter laufen bis zur Ankunft im Nachtlager: Meistens war das ein Beduinengarten. Wer dann noch nicht genug hatte, nutzte die Zeit bis zum Abendessen am Lagerfeuer, um schnell auf einen Berg in der Umgebung zu stürmen. Die meisten aber waren dankbar für eine kurze Pause auf der Isomatte.

Unsere tierischen Begleiter.

Müde waren wir jedenfalls bei Sonnenuntergang alle – und lagen bald nach dem Essen in unseren Schlafsäcken, mit Blick auf den sternigsten Sternenhimmel, den ich je gesehen habe.

Wandern heißt im Sinaigebirge nicht nur laufen. Wandern bedeutete vor allem: klettern. Manche Auf-und Abstiege waren eher ein vorsichtiges Tasten von sicherem Stein zu sicherem Stein. Dann ein Sprung, Halt finden, noch ein Sprung, den Felsen im Sitzen herunterrutschen. Guide Ahmed beschrieb die schwierigen Abschnitte etwa so: „Das ist eine Strecke, auf der man Hände und Füße benutzen darf.“

Die Aussicht hat sich immer gelohnt...

Das taten wir dann auch – und kamen bis auf den Djebel Katharina, den höchsten Berg Ägyptens (mehr als 2600 Meter hoch), mit wunderbarer Aussicht auf andere Täler und Höhen, die wir in den Tagen davor bezwungen hatten.
Immer mit dabei: mehrere Liter Trinkwasser, Zitronenschnittchen und Nüsse und unsere motivierenden Guides und Beduinen, von denen wir auch ein wenig Arabisch gelernt haben. Mit einem energischen „Auf geht’s, junge Leute!“ beendeten sie immer wieder unsere Pausen: „Yallah, Shabab!“

Die Wüste ist auch ein Ort der Gotteserfahrung. Dem haben wir nachgespürt – in gemeinsamen Andachten, im Gottesdienst und im einsamen Stillwerden und Hören auf den Felsen der Berge.

Schon verrückt, nach diesen intensiven Tagen in der Wüste und einer kurzen Entspannung am Roten Meer wieder in den Alltag zurückzukehren. Doch weiter geht’s, die nächsten Vorlesungen und Referate stehen an. Yallah, Shabab!

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Noch kein Herbst...

Nach der Sommerpause, auch die Handwerker waren im Urlaub, geht es jetzt mächtig an der Inneneinrichtung im Kloster weiter.
Auch die Zufahrt zum Kloster ist geteert, und die Wege am Kloster sind betoniert, mit grauen Steinplatten unterbrochen: behindertengerecht und für Rollstuhlfahrer geeignet angelegt. Unser Pater Hieronymus wird darüber besonders froh sein. Ich selbst aber auch, weil ich mit dem Gehen auch etwas Probleme habe.
Dieser Tage wurde die Klimaanlage installiert und seit heute läuft sie nun. Die Schreiner der Firma Annen aus Trier sind wieder da und machen nun den „Letzten Schliff“ in den Mönchszellen und im Refektorium.
Heute kamen auch die ersten Schränke und die Dunstabzugsanlage für die Küche. Es ist also langsam das Ende der Bauarbeiten in Sicht.

Am Seeufer ist der zweite Messplatz („Dalmanutha II“) auch fertig, und die Überdachung so gestaltet wie an Dalmanuta (I). Gegen Hitze und Regen ist Schutz gewährleistet.
Eine Bauernregel sagt: An Mariä Namen sagt der Sommer „Amen“. – Es trifft das in Europa zu; auch hier ist zwar die ganz große Hitze schon gebrochen, aber die 30 Grad Grenze ist (von oben!) noch nicht erreicht. Wenn es dann soweit ist, herbstelt es sogar auch bei uns, und Mensch und Tier, einfach alles schnauft merklich auf.
Allen die den Namen Maria tragen, wünschen wir aus Tabgha zum Namenstag alles Gute und Gottes Segen!

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Wir sind dann mal weg!

Heute Abend werden wir die Duschen im Beit Josef noch einmal so richtig zu schätzen wissen. Denn ab morgen verzichten wir für zehn Tage auf moderne Bäder und Betten – und tauschen sie gegen Isomatte und den Himmel über der Wüste.
In aller Frühe verabschieden wir uns in Richtung Sinai. Vor uns liegen Wanderungen durch die High Mountain Region, spannende Orte wie das Katharinenkloster und Mahlzeiten in den Gärten unserer beduinischen Begleiter.

Heute Nachmittag im Vorlesungssaal: Grundkurs wüstentaugliche Frisuren Die Vorbereitungen neigen sich langsam dem Ende entgegen. Trinksysteme und Trekkingsocken sind gekauft, unser Liederbuch ist gedruckt. Heute Abend verabschieden wir uns mit einer Abschlusskomplet und Reisesegen vom Zion. Es geht los!

Auch die Haare wurden in einer Großaktion präpariert. Pater Matthias rückte mit dem Rasierer an und hat ganze Arbeit geleistet. Ob Glatze oder Zöpfchen: Wir sehen alle nicht mehr aus wie vor 24 Stunden. Aber unter Tüchern und Sonnenhüten wird das schließlich auch nicht auffallen...

Die Rucksäcke stehen bereit. Hoffen wir nur noch, dass die Kamelrücken sie aushalten.

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Studienalltag und sowas in der Art

Der erste Monat an der Dormitio ist um - was aber tun wir Studienjährler eigentlich den ganzen Tag, wenn wir nicht die Gebetszeiten des Klosters besuchen oder uns zu den Mahlzeiten im Speisesaal treffen? Es ist in der Tat wahr, wir studieren! Doch so ein Studienalltag unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht fundamental von dem, den wir aus Deutschland kennen. Das liegt natürlich zum einen daran, dass wir in ein und dem selben Haus leben, studieren, schlafen, essen, diskutieren, ... - und die Dozenten immer munter mittendrin! Zum anderen werden die Vorlesungen aber auch immer wieder unterbrochen von Exkursionen. Die vergangene Woche mag dafür ein Paradebeispiel sein.

Während wir uns vormittags eigentlich im Vorlesungssaal mit islamischer Theologie und der Jerusalemer Archäologie beschäftigten, ging es am Dienstag direkt einmal nach Betlehem, Checkpointerfahrung inklusive.

Unsere Assistenten führten uns durch die Grabeskirche, wir hatten ein Gespräch mit dem palästinensischen protestantischen Pfarrer in der Internationalen Begegnungsstätte und durften uns unser Mittagessen selber in der Stadt suchen, was angesichts des hervorragenden Essens Begeisterungsstürme in uns hervorrief und mit Falafel, Humus, Pita und allerlei anderen Köstlichkeiten gefüllte Mägen zur Folge hatte.
Der unumstrittene Höhepunkt der Betlehemexkursion war diesmal nicht theologischer Art - aber wir sind ja auch nicht nur für die Theologie hier im Lande...

Der Donnerstag brachte eine weitere Exkursion und einen kleinen Vorgeschmack auf die nächste Woche beginnende große Sinai-Exkursion mit sich: Strammen Schrittes marschierten wir durch das Wadi Qelt. Die Sonne stehts an unserer Seite, die Kamele neben uns und immer mit einem traumhaften Blick auf und in die wirklich gar nicht langweilige judäische Wüste genossen wir den Weg - über Stock und Stein, an Felsen entlang und durch den Tümpel hindurch - bis zum Georgskloster.

Nach einem weiteren Tag im Vorlesungssaal hatten wir am Samstag knapp neun Stunden Zeit, um mit Prof. Küchler den Ölberg archäologisch auseinanderzunehmen. Keine Sorge, er, der Ölberg, steht noch - aber mit einem Professor, der deutlich mehr Kondition aufweist als all seine Studenten zusammen, kann auch ein Ausflug in die nähere Umgebung ganz schön anstrengend werden. Gelernt haben wir auf jeden Fall sehr viel - handelt es sich nun um die Prophetengräber, den Garten Getsemane, die Pater-Noster-Kirche und die Eleona uvm. - und vor allem durften wir den traumhaften Ausblick von Dominus Flevit auf die Jerusalemer Altstadt genießen...

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We can be friends in difference

Die einen von uns weckt morgens das Glockenläuten der Dormitio, die anderen der Ruf des Muezzins. Das Neben- und Miteinander von Christen und Muslimen ist in Jerusalem nicht graue Theorie, sondern Alltag.

Geht es um das derzeitige Verhältnis von katholischer Kirche und Islam, ist eine kleine Stadt in Bayern von Bedeutung: Regensburg. Hier zitierte Papst Benedikt XVI. während seiner Vorlesung im Jahr 2006 jene Worte des Kaisers Manuel II. Palaiologos, die kurz darauf einen Sturm der Entrüstung hervorriefen.

Dass sich seitdem dennoch einiges im katholisch-muslimischen Dialog getan hat, brachte Pater Felix Körner SJ, Islamwissenschaftler und Theologieprofessor an der Gregoriana in Rom, als Referent der Görres-Lecture seinen Zuhörern nahe. Im gut besuchten Diwan der Dormitio-Abtei sprach er über Chancen und Grenzen des offiziellen Austausches zwischen Christen und Muslimen.

Pater Felix Körner referiert im Diwan der Dormitio-Abtei.

Zwischen den Religionen gibt es schließlich nicht nur Unterschiede. Die Aufgabe aller Gläubigen sei das gemeinsame Zeugnisgeben gegenüber denen, die nicht die letzten Fragen nach Gott und dem ewigen Leben stellen. Darüber hinaus gelte es, verstehen zu lernen, was Vertreter der anderen Religion glauben – idealerweise in einer Atmosphäre des Respekts. Laut der Erklärung „Nostra Aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils betrachtet die Kirche die Muslime schließlich „mit Hochachtung“.

Wichtige Schritte in den vergangenen Jahren waren die beiden Offenen Briefe, die muslimische Intellektuelle an den Papst und andere Vertreter des Christentums geschrieben haben. Im „Common Word“ von 2007 bekannten sich 138 Gelehrte des Islam zum Frieden zwischen den beiden Religionen und betonten die Liebe Gottes und der Menschen untereinander.

Doch Muslime und Christen schreiben sich nicht nur Briefe. Sie reden auch miteinander. Zum Beispiel im Katholisch-Muslimischen Forum. „Die symbolische Bedeutung ist überhaupt nicht zu überschätzen“, sagte Körner, der selbst an den Treffen teilnahm. Wenn sich Vertreter der Religionen über Themen wie Glaube und Vernunft, Liebe und Würde austauschen, schaffe das langfristig eine bessere Atmosphäre.

Der Islam ist auch in unserem Studienprogramm noch häufig präsent – vor allem im Januar, wenn wir gemeinsam mit muslimischen Doktoranden arbeiten werden. „We can be friends in difference“, hat Felix Körner immer wieder gesagt. Wir sind da jedenfalls sehr zuversichtlich.

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kleine Alltäglichkeiten

Grüßt Gott alle miteinander!
Nach gut zwei Wochen in Jerusalem lernen wir die Stadt immer besser kennen - für die archäologischen Einblicke ist ab heute Prof. Max Küchler zuständig, der in den kommenden zwei Wochen viele Exkursionen in und um Jerusalem mit uns unternehmen wird.

Bisher durften wir diese faszinierende Stadt, die viele Jahrtausende verschiedenster Kulturen und Religionen in sich vereint, hauptsächlich auf eigene Faust erkunden. Dass einem dabei die ein oder andere Kuriosität über den Weg laufen kann, soll hier gezeigt werden - denn so ernst die Themen, mit denen wir uns den Tag über beschäftigen, auch sein mögen: das Lachen und der Spaß dürfen dabei nicht vergehen!

Wir helfen mit! Bestimmte Hinweisschilder erfüllen ihren Zweck Die Sache mit dem Klopapier besonders dann, wenn man ihre Aussageabsicht einfach ins Gegenteil verkehrt...

Manche Dinge sind bei der Konstruktion eben nicht abzusehen - woher soll man denn auch wissen, dass Toilettenabwasserrohre hin und wieder Toilettenpapier zu transportieren haben?


Pause in der Altstadt Kleine Pause gefällig? Die Jerusalemer bieten ihren Besuchern einen Service der besonderen Art an: wer Möbelstücke zu viel hat, stellt diese einfach auf die Straße und ermöglicht so eine gemütliche Oase inmitten der hektischen Altstadt.

Es wird ersichtlich, unser neues Zuhause ist etwas ganz besonderes. Ich bin gespannt auf die Dinge, die wir gemeinsam mit Prof. Küchler in den kommenden Tagen sehen werden - Berichte folgen.
Morgen aber geht es erst einmal für einen Tag nach Bethlehem, am Donnerstag steht ein Tag in der Wüste an - eine kleine Probe für die große Sinai-Tour im September!

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